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Frauenpower – ohne Wenn und Aber! Interview mit Birgit Corall von cobicos

Integration wird im reinen Frauen-Team von Birgit Corall großgeschrieben. Für die Gründerin der Naturkosmetik-Marke cobicos sind bei ihren Mitarbeiterinnen Persönlichkeit und Qualifikation entscheidend – unabhängig von jeglichen Beeinträchtigungen. Was für die Zusammenarbeit wichtig ist und welche Erkenntnisse die begeisterte Rennradfahrerin aus dem Sport in ihre Arbeit mitnehmen kann, verrät sie im Interview.

Im cobicos-Team von Birgit Corall wird auf Frauen-Power durch und durch gesetzt. Foto: Hendrik Roggemann

Im cobicos-Team von Birgit Corall wird auf Frauen-Power durch und durch gesetzt. Foto: Hendrik Roggemann

Liebe Birgit, ihr seid im Team 10 Frauen, drei davon mit besonderen Bedürfnissen. Wie kann Integration im Unternehmen gelingen und welche Chancen entstehen dadurch für das Team?

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Bewerberin stand deren Qualifikation und Persönlichkeit im Vordergrund. Also ein Bewerbungsgespräch, wie bei allen anderen Bewerbern auch. Die Behinderung spielte keine Rolle. Ich habe mit den jeweiligen potenziellen Mitarbeiterinnen abgeklärt, inwiefern sie Unterstützung benötigen (höhenverstellbarer Schreibtisch, Steh-/Sitzmöglichkeiten, …).

Die Frage, wie viele Stunden sie arbeiten können und möchten ist auch für jede Bewerberin gleich, da die meisten in Teilzeit arbeiten. Für mich ist das Teilzeit-Modell auch sehr positiv besetzt. Habe ich mehr Teilzeitkräfte, können diese flexibler ihre Arbeitszeiten tauschen. Wenn ich beispielsweise nur 2 bis 3 Vollzeitkräfte habe, ist es schwierig, wenn eine Mitarbeiterin im Urlaub oder krank ist. Und natürlich haben wir auch besprochen, welche Arbeiten und Aufgaben rein körperlich nicht möglich sind, zum Beispiel das Verräumen unserer Warenlieferungen.

Für das Team ist die Zusammenarbeit ausschlaggebend: Kann ich mich auf die Kolleginnen verlassen? Wie funktioniert die Arbeitsübergabe? Entspricht die Aufgabenverteilung den Fähigkeiten der jeweiligen Person? Wer kann wie am besten eingesetzt werden? Für wen sind welche Fortbildungen geeignet? Usw. Und wie in allen Teams ist es schlecht, wenn ein/e Kolleg:in querschießt. Bei uns wird jede mit ihren Fähigkeiten wertgeschätzt.

Das Team rund um Birgit Corall. Foto: cobicos

Das Team rund um Birgit Corall. Foto: cobicos

Ihr wurdet von der Bertelsmann-Stiftung als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet und lebt einen besonderen Teamspirit. Was macht für dich ein gutes Team aus?

Ein gutes Team zeichnet sich durch das Anerkennen der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten und die der Kolleginnen aus. So können Aufgaben optimal verteilt werden. Die Bertelsmann Stiftung hat anonym alle Mitarbeiterinnen mit einem sehr langen und ausführlichen Fragebogen befragt. Es ging vor allem um die Möglichkeit der individuell absprechbaren Arbeitszeiten, Verschiebungen und um Erhöhung bzw. Reduktion der Arbeitszeiten. Um bei spontanen Bedürfnissen gut reagieren zu können, haben wir eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet. Hier können sich die Kolleginnen intern absprechen und auch kurzfristig Arbeitszeiten tauschen.

Du bist begeistertet Rennradfahrerin und liebst die Herausforderung. Dabei betonst du aber, dass dir nichts an „schneller, höher, weiter“ liegt. Was ist für dich das Besondere am Radfahren und wie gelingt die Balance?

Beim Rennradfahren bekommt Birgit Corall den Kopf frei. Foto: privat

Beim Rennradfahren bekommt Birgit Corall den Kopf frei. Foto: privat

Radfahren ist für mich in mehrerer Hinsicht ein toller Sport: Ich kann ihn im Team und allein betreiben, überall ausführen und die Natur hautnah erleben. Ich bekomme beim Radeln den Kopf frei, weil ich mich auf die Straße, den Track oder eben auch auf die Mitfahrer:innen konzentrieren muss. Die Anstrengung kombiniert mit dem Blick auf herrliche Landschaften ist eine Wohltat.

Ich habe schon viele meiner Ideen beim Radeln bekommen. Und für mich ist selbst das bergauf fahren etwas Besonderes – hinter jeder Biegung sieht die Landschaft anders aus, ich sehe, wie viele Höhenmeter schon geschafft sind und freue mich, wenn ich oben angekommen bin. Ähnlich sind die Herausforderungen bei der Arbeit – nicht den Kopf vor Problemen in den Sand stecken, sondern sich über das Erreichte freuen und nach vorne blicken, wo es hingehen soll.

Du hast in den 90ern als Pionierin mit dem Import von Living Nature aus Neuseeland angefangen und 2010 die Naturkosmetik-Marke cobicos gegründet. Du bist also schon lange in der Branche. Was macht die Zeit jetzt für Naturkosmetik aus deiner Sicht besonders?

Birgit Corall, Gründerin der Naturkosmetik-Marke cobicos. Foto: cobicos

Birgit Corall, Gründerin der Naturkosmetik-Marke cobicos. Foto: cobicos

Ich habe mich schon früh mit der Natur, gesundem Essen und Bio-Anbau beschäftigt. Daher war es für mich irgendwann schlüssig, auch Naturkosmetik zu verwenden. Die ersten Cremes waren schön, aber auch gewöhnungsbedürftig. Die heutigen Produkte der zertifizierten Naturkosmetik bieten alle Facetten – von schlicht und preiswert bis hin zu edel und reich an Wirkstoffen. Sie bieten Lösungen für jedes Hautbild und sind innovativer als die klassische Kosmetik. Und die Naturkosmetik ist in jeder Hinsicht Vorreiterin in Sachen Umwelt, soziale Projekte und Nachhaltigkeit.

Vielen lieben Dank Birgit Corall von cobicos für deine Antworten. Und gratuliere zu deiner wirklich tollen und offenen Einstellung zu einem integrativen Team!