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Wie der Ozean auf uns wirkt und wie wir das Meer als Ort des Lebens schützen können – Interview mit Inez Linke von Oceanwell

Ein Kilogramm frische Algen enthält Meereswirkstoffe aus rund 10.000 Litern Meerwasser. Weit über 80 verschiedene Substanzen sind in Algen nachweisbar. Wir haben bei der Geschäftsführerin von Oceanwell Inez Linke nachgefragt, was die Alge für die Haut so besonders macht. Die Meeresbiologin erzählt aber auch von ihren engagierten Projekten, um den Ozean zu schützen.

Algen nehmen die Wirkstoffe aus dem Meer auf, welche auch besonders gut für die Haut sind. Foto: Adobe Stock/divedog

Algen nehmen die Wirkstoffe aus dem Meer auf, welche auch besonders gut für die Haut sind. Foto: Adobe Stock/divedog

Liebe Inez, zuerst einmal die Frage, wie es euch aktuell geht. Hat sich das vergangene Jahr auf euer Unternehmen und eure Strategien und Arbeitsweisen ausgewirkt? Wenn ja, wie?

Unserer Firma oceanBASIS geht es den Umstände entsprechend gut. Die verschiedenen Forschungsprojekte laufen ohne nennenswerte Einschränkungen weiter. Die Marke Oceanwell hatte durch die Schließungen der Kosmetikinstitute und Hotel-Spas natürlich Einbußen, jedoch erholt sich alles wieder im Moment. Es ist von Vorteil, wenn man vielfältig aufgestellt ist. Natürlich sind alle Schulungen und auswärtigen Kundenbesuche ausgefallen, wir haben jedoch durch Webinare und Online-Angebote diesen Bereich schön ausgebaut, was wir schon lange vorhatten. Ich vermisse natürlich den analogen Austausch auf Messen und Branchentreffs, jedoch gab es viele Möglichkeiten, an digitalen Formaten und auch an zusätzlichen Angeboten teilzunehmen – wie z.B. euer Naturkosmetik Focus Meeting. Wir hoffen, dass diese zusätzlichen Formate auch zukünftig online erhalten bleiben.

Bei euren Produkten setzt ihr auf die Kraft des Meeres, konkret die Alge. Welche besondere Wirkung hat diese auf die Haut?

Oceanwell setzt auf die Wirkung der Laminara-Alge. Foto: Oceanwell

Oceanwell setzt auf die Wirkung der Laminara-Alge. Foto: Oceanwell

Im Gegensatz zu Landpflanzen haben Algen keine Wurzeln, durch welche sie die Nährstoffe und das Wasser aufnehmen. Sie nehmen stattdessen die Mineralstoffe und Spurenelemente über ihre gesamte Oberfläche direkt aus dem Meerwasser auf und können sie in sehr hohen Konzentrationen speichern. Deshalb haben sie die höchste Nährstoffdichte aller Pflanzen. Ein Kilogramm frische Algen enthält Meereswirkstoffe aus rund 10.000 Litern Meerwasser. Weit über 80 verschiedene Substanzen sind in Algen nachweisbar. Hier die wichtigsten:

  • Die Meeresmineralien (Kalium, Calzium, Magnesium, Natrium, Chlorid u.a.) und Spurenelemente (Kupfer, Selen, Chrom, Zink, Eisen, Jodid, Strontium u.a.) wirken stoffwechselanregend, durchblutungsfördernd und erhöhen nachhaltig den Feuchtigkeitsgehalt der Haut. Durch den angeregten Stoffwechsel und die verbesserte Sauerstoffaufnahme können die Entgiftungsfunktionen der Haut gefördert und Schlacken besser abtransportiert werden. Die wichtigsten Mineralien Kalium, Natrium und Chlorid regulieren den Wasserhaushalt der Zellen und verbessern die Funktion der Hautbarriere. Die Haut erscheint praller und glatter.
  • Annähernd 20 Aminosäuren (Eiweißbausteine, z.B. Histidin, Isoleucin, Lysin, Methionin, Tryptophan, Glutaminsäure) liefern Bausteine für den Stoffwechsel, verhindern die Austrocknung und wirken rückfettend und stärken das Stützgewebe der Epidermis.
  • Verschiedene Vitamine (A, B2, B12, C, D, E und K, Folsäure) und antioxidative Polyphenole schützen die Haut vor negativen Umwelteinflüssen, freien Radikalen und beugen so der vorzeitigen Hautalterung vor.
  • Die speziellen Algenzucker Alginat, Fucoidan, Laminarin fungieren als Wirkstoffträger und wirken besonders feuchtigkeitsspendend, regenerierend und straffend auf die Haut.
  • Antioxidantien wie z.B. Polyphenole schützen die Haut vor negativen Umwelteinflüssen und stärken die Widerstandskraft.

Die verschiedenen Stoffgruppen wirken synergistisch und geben der Haut dadurch besonders effektiv Feuchtigkeit. Sie liefern den Zellen Energie und aktivieren damit den Zellstoffwechsel, verbessern die Regeneration und die Zellerneuerung.

Als Meeresbiologin liegt dir der Ozean besonders am Herzen. Er ist für uns alle lebensnotwendig, dennoch gehen wir Menschen sehr rücksichtslos mit ihm um. Worin siehst du aktuell die größte Gefahr?

Inez Linke ist Meeresbiologin und Geschäftsführerin bei Oceanwell. Foto: Oceanwell

Inez Linke ist Meeresbiologin und Geschäftsführerin bei Oceanwell. Foto: Oceanwell

Als die größten Gefahren sehen wir einerseits die schonungslose Ausbeutung der Meere, wie z.B. die Überfischung durch kommerzielle Fischtrawler. Und zum anderen die Verschmutzung der Meere, hier ist besonders das Thema Mikroplastik zu nennen, welches ja zunehmend in den Medien Beachtung findet. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, das bis zu 12 Mio. Tonnen Plastik jährlich (!) in unsere Ozeane gelangen, wobei mehr als 50 % aus der Fischerei stammt. Das alles ist alarmierend, jedoch kann jede/r Einzelne im täglichen Verhalten etwas dagegen tun, z.B. darauf achten, welchen Fisch man isst was man kauft. So sollte man auf keinen Fall Produkte kaufen, die bereits Mikroplastik enthalten. Diese gelangen ungefiltert in die Meere, ein kritischer Blick auf die Inhaltsstoffe hilft oder man greift gleich zu Naturkosmetik – da ist es nämlich verboten.

Ihr setzt euch aktiv für den Schutz des Meeres ein. Welche konkreten Initiativen betreibt ihr?

Seit einigen Jahren setzen wir uns mit unserer Initiative „Protect the Ocean“ aktiv für den Meeresschutz ein, indem wir verschiedene Projekte unterstützen. Im ersten Projekt unterstützen wir schon seit 2015 den Schutz der Meeresschildkröten in Côte d´Ivoire in Westafrika. Ende 2020 hat die ivorische Regierung die Einrichtung eines ersten Meeresschutzgebiets angekündigt – dort, wo auch „unser“ Schutzgebiet liegt. Darauf sind wir unheimlich stolz!

Oceanwell setzt sich für den Schutz von Meeresschildkröten in Côte d'Ivoire ein. Foto: Inez Linke, oceanwell.

Oceanwell setzt sich für den Schutz von Meeresschildkröten in Côte d’Ivoire ein. Foto: Inez Linke, oceanwell.

Mit dem zweiten Projekt unterstützen wir den Verein „One Earth One Ocean“ (OEOO) bei der Bergung von Geisternetzen in der Ostsee. Geisternetze sind herrenlose Fischernetze, die zur Todesfalle für Meeressäuger, Fische, Seevögel und Weichtiere werden können und zudem mit der Zeit in Mikroplastikteilchen zerfallen. Mit dem Müllsammelschiff SeeKuh und der Unterstützung durch Forschungstaucher geht der Verein OEOO das Problem engagiert an.

Mit dem Müllsammelschiff "SeeKuh" werden u.a. Geisternetze aus dem Meer geborgen. Foto: Oceanwell, Nikolas Linke

Mit dem Müllsammelschiff „SeeKuh“ werden u.a. Geisternetze aus dem Meer geborgen. Foto: Oceanwell, Nikolas Linke

Was jeder Einzelne tun kann? Unsere Kunden unterstützen „Protect the Ocean“ ganz direkt, denn von jedem verkauften Oceanwell Produkt fließen 10 Cent in die Initiative.

Vielen lieben Dank, Inez Linke für das Interview. Es ist großartig, wie ihr euch für den Schutz der Meere einsetzt und wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg!