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Wie Naturkosmetik neuen Luxus verpackt – Rückblick auf das 2. NaturkosmetikCamp Focus Meeting

Auch wenn unser 2. NaturkosmetikCamp Focus Meeting nun schon etwas zurück liegt, sind die Ergebnisse daraus natürlich nach wie vor aktuell. Deshalb wagen wir heute einen Blick zurück und gewähren einen Einblick in die Ergebnisse. Die zweite Ausgabe des Focus Meeting setzte direkt an unserem ersten an, wobei wir uns diesmal auf Wunsch der Teilnehmer*innen mit dem Thema nachhaltige Veredelung und Design beschäftigten.

Als Standard bei nachhaltiger Verpackung hat sich Braunglas etabliert. Foto: Adobe Stock/luliia

Als Standard bei nachhaltiger Verpackung hat sich Braunglas etabliert. Foto: Adobe Stock/luliia

Wie drückt sich neuer Luxus (NULUX) heute aus?

Für einen sehr aufschlussreichen Einstieg in das Thema sorgten Bodo Kubartz von Passion & Consulting und Magnus Fischer von fibra. Die zwei Experten auf diesem Gebiet führten in ihrem Impuls einen neuen Begriff ein, der zeigt, dass sich Luxus verändert hat. Mit NULUX meinen sie „Luxus, der sich minimalistisch und zurückhaltend gibt. Und damit der Sehnsucht nach Reduktion und der Besinnung auf das Wesentliche entsprechen will“. Der Trend geht weg von Extravaganz und einem Luxus, der sich schmücken will, hin zu Minimalismus.

Für die Experten lebt der NULUX von Rezepturen, Qualität, Ethos und Inhaltsstoffen. Im Naturkosmetik-Bereich kommt hier noch der Aspekt der Reinheit hinzu. Das sich Reinheit nicht allein auf die Inhaltsstoffe bezieht, sondern ganz besonders auch auf die Verpackung, machen die beiden Profis in ihrem Impuls deutlich. Die Teilnehmer*innen beschreiben den Begriff als „innovativ, pointiert und prägnant“ und zeigen somit durch die Bank ihre Zustimmung zu dieser neuen Luxus-Definition.

Es muss nicht immer Braunglas und schwarz/weiß sein – mit Farben Emotionen wecken

Relativ schnell stellten wir allerdings gemeinsam fest, dass sich mittlerweile bereits eine Art Standard in der NULUX-Gestaltung von Produkten bzw. Verpackungen gibt. Eindrucksvoll präsentierten Magnus und Bodo die riesige Auswahl an Produkten verschiedenster Hersteller, die mit Braunglas und einem schwarz-weißen Design Reduktion ausdrücken wollen.

Die Teilnehmer*innen sind sich allerdings einig, dass es auch anders geht. Es ist die Ganzheitlichkeit, die stimmen muss. Und es geht darum, mit seinen Produkten eine Geschichte zu erzählen. Der Kauf von Kosmetik ist oft mit Emotionen verbunden. Und diese Emotionen lassen sich über eine durchgängige Story wecken.

Eine Teilnehmer*in weist darauf hin, dass auch Farbe Emotion ist. Und deshalb sollte man sich durchaus auch trauen, farbliche Komponenten in sein (reduziertes) Verpackungsdesign zu integrieren. Eine Möglichkeit ist dabei, unterschiedliche Produktlinien durch verschiedene Farben deutlich zu machen und somit auch den/die Kund*in bei der Differenzierung zu unterstützen. Aber auch Inhaltsstoffe können durch passende Farben im Design direkt sichtbar gemacht werden (blau könnte z.B. für Wirkstoffe aus dem Meer stehen).

Im gemeinsamen Austausch wurde aktuelle Herausforderungen diskutiert. Foto: NKC

Im gemeinsamen Austausch wurde aktuelle Herausforderungen diskutiert. Foto: NKC

Gibt es überhaupt nachhaltige Veredelung?

Bei der Antwort auf diese Frage waren sich alle einig: die „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es nicht. Als Marke oder Hersteller muss ich für mich festlegen, worauf mein Fokus liegt und was für mich besonders wichtig ist. Und man muss damit leben (können), Abstriche zu machen. Um einen gewissen Anhaltspunkt zu schaffen wurde vorgeschlagen, eine CO2-Bilanz von Verpackungen berechnen zu lassen. Wichtig dabei ist, dass auch „Kleinigkeiten“, wie etwa das Etikett oder der Kleber miteinberechnet werden.

Beim Versuch, Verpackung nachhaltig zu gestalten, wurde auch die Frage in den Raum gestellt, wie Produktinformationen am besten auf die Verpackung gebracht werden. Ein schöner Vorschlag war hier, um das physische Produkt eine digitale Informationswelt zu gestalten. So kann beispielsweise über einen QR-Code die Verbindung zum Online-Auftritt hergestellt werden. Dort können Fotos und Videos gezeigt werden, die in dieser Form gar nicht auf dem Produkt selbst abgebildet werden können, dem/der Kund*in aber zusätzliche Informationen liefern.

Persönliche Erfahrungen und Austausch

Dass das Thema „nachhaltiges Packaging“ höchst aktuell ist und viele derzeit beschäftig, zeigte sich nicht nur bei unserem 1. Focus Meeting dazu, sondern auch daran, dass die Teilnehmer*innen viele persönliche Erfahrungen und Herausforderungen einbrachten. Es war besonders schön zu sehen, wie offen und ehrlich der Austausch in der Gruppe war. Denn, und das muss auch gesagt werden, gemeinsam lässt sich leichter etwas voranbringen und verändern als allein.

So wurde auch ein Plädoyer für mehr Mut und Offenheit ausgesprochen, neue Wege zu gehen. Vor allem traditionelle Marken setzen oft noch auf „altbewährtes“ und lassen sich teils nur schwer überzeugen, auf neues, innovatives Design zu setzen.

Aber auch die Herausforderung für kleine Marken wurde diskutiert. Diese sind oft recht beratungsintensiv, wobei besonders jetzt, durch die corona-bedingte Schließung von Instituten etc. diese persönliche Beratung schwieriger möglich ist. Die Gestaltung des Packaging war in diesem Zusammenhang auch Thema. Um ein Produkt in SB verkaufen zu können, muss für den Kunden genügend Information auf der Verpackung abgedruckt sein, damit sich dieser auch allein zurecht findet. Gleichzeitig sollte man puristisch bleiben und auch auf Materialmix verzichten. Durchaus kein leichtes Unterfangen.

Man sieht, die Gesprächsthemen gehen uns ganz bestimmt nicht aus. Wir sind auf dem richtigen Weg!