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Nachhaltige Verpackung von A bis Z – Das war das 1. NaturkosmetikCamp Fokus Meeting

Ausgesprochen aufschlussreich war das erste NaturkosmetikCamp Fokus Meeting zum Thema Nachhaltige Verpackung. Die Teilnehmer*innen diskutierten Möglichkeiten und Herausforderungen der verschiedenen Konzepte. Auf eine Fülle von Fragen wurden auch viele Antworten gefunden. Im Beitrag gibt es einen kleinen Einblick.

Gemeinsam tauschten sich die Teilnehmer*innen zum Thema nachhaltige Verpackung aus. Foto: Screenshot NKC

Gemeinsam tauschten sich die Teilnehmer*innen zum Thema nachhaltige Verpackung aus. Foto: Screenshot NKC

Eine 100% nachhaltige Verpackung gibt es (noch) nicht

Inez Linke, Geschäftsführerin der Kieler Naturkosmetik-Marke Oceanwell, gab zu Beginn einen Einblick in die verschiedenen Arten nachhaltiger Verpackung. Schnell wurde deutlich, dass es hier nicht nur „schwarz und weiß“ gibt und das Thema durchaus komplex ist. Die Auswahl an Materialien ist zwar groß, die allseits bekannte „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es allerdings noch nicht. So gibt es zu allen positiven Aspekten jeweils auch eine negative Seite der Medaille. Inez hat im Nachgang zu ihrer Session beim NaturkosmetikCamp 2020 bereits im Blog darüber berichtet. Schlussendlich muss man für sich als Marke und Hersteller (noch) einen Kompromiss finden. Was ist mir wichtig? Welchen Kriterien soll meine Verpackung in jedem Fall entsprechen? Und was ist aktuell die beste Lösung?

Gemeinsamer Erfahrungsaustausch: Ocean Waste Plastic unter der Lupe

Es entstand ein reger Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmer*innen. Viele berichteten von Herausforderungen, vor denen sie standen oder stehen. Gleichzeitig war es schön zu sehen, wie sich die Branche auch gegenseitig unterstützt. So wurden viele wertvolle Tipps und Erfahrungen ausgetauscht und miteinander geteilt.

Besonders das Thema Ocean Waste Plastic interessierte die Teilnehmer*innen. Einige Teilnehmer*innen konnten hier ihre Erfahrungskiste öffnen, da sie selbst mit diesem Material arbeiten. An sich handelt es sich hier um ein gutes Konzept, da es zur Reinigung von Gewässern beiträgt. Als kleiner Kritikpunkt wurde angemerkt, dass das Material dabei allerdings von weit her importiert werden muss, z.B. aus Indonesien. Dennoch hat das Ganze auch seine positiven Seiten: Der Abfall, den die Einheimischen produzieren, wird meist in Küstennähe oder in Flüssen gesammelt. So kann das ganze zusätzlich als Sozialprojekt gesehen werden, bei dem Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden und für ein erhöhtes Umweltbewusstsein bei der dortigen Bevölkerung sorgen kann.

Inez Link hielt zu Beginn einen kurzen Impuls zu den unterschiedlichen Verpackungsmaterialien. Foto: Screenshot NKC

Inez Link hielt zu Beginn einen kurzen Impuls zu den unterschiedlichen Verpackungsmaterialien. Foto: Screenshot NKC

Die Herausforderung mit der Wiederbefüllung

Auch das Thema „Refill“ stand auf dem Plan. Zwar ist diese Möglichkeit für viele interessant, die Umsetzung bis jetzt allerdings noch recht zaghaft. Der ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft stehen die großen logistischen Herausforderungen gegenüber. Auch die Reinigung der Behälter ist sehr aufwändig. Werden diese von den Kunden selbst nicht ausreichend gesäubert, kann es sein, dass die Produkte, die nachgefüllt werden, schneller schlecht werden. Und das will man natürlich vermeiden. Außerdem ist es oft der Fall, dass Refill-Verpackungen aus Glas eine Kunststoffverpackung im Inneren haben. Auch wenn dadurch der Produktwechsel vereinfacht wird, trägt dieser Materialmix nicht unbedingt zur Nachhaltigkeit bei.

Best Practice Beispiel vorgestellt

Christine Winkler von Vinoble stellte in diesem Zusammenhang deren nachhaltiges Verpackungs- und Versandkonzept vor. So werden die Deckel aus Eschenholz aus Europa gefertigt und das Glas der Tiegel kommt aus Italien. Für die Teilnehmer*innen besonders spannend: Bei den Etiketten sind aus Stoff. Somit will man zeigen, dass Design und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden können. Die Frage, die hier in den Raum geworfen wurde, war allerdings nach dem relativ hohen Preis, der damit verbunden ist. Auch beim Versand schafft es Vinoble, gänzlich auf Plastik zu verzichten.

Die Für und Wider von Umverpackungen

Auch das Thema Umverpackung führte zu einer angeregten Diskussion. So sei es zwar oftmals Wunsch und Ziel, dieses Verpackungsmaterial einzusparen. Als Schutz vor zu neugierigen Kund*innen, die das Produkt bereits im Geschäft öffnen und ausprobieren, wird darauf teilweise allerdings (noch nicht) verzichtet. Hier sei man ein wenig im Vorteil, wenn man mit seiner Marke nicht im Einzelhandel vertreten ist. Eine Möglichkeit als „Gegenmaßnahme“ wäre ein Sicherheitssiegel, wobei man hier noch auf der Suche nach einem natürlichen Material ist. Außerdem könnte ein Produkt als Tester deklariert werden.

Die Kleinen ganz groß

Bezogen auf die Big Player im Kosmetikbereich gibt es auch etwas Positives zu berichten: So setzt etwa Beiersdorf z.B. bei Nivea ebenfalls auf Nachhaltigkeit, indem Plastik gespart wird. Allerdings wird noch oft mit einer Alubeschichtung im Inneren gearbeitet, wodurch die Verpackung nicht mehr recyclefähig ist. Generell wird dennoch gerade bei den „Großen“ noch viel Greenwashing betrieben. Dabei sollten sie es doch sein, die vorbildlich voranschreiten.

Wie ein Teilnehmer so schön festhielt:

In Wahrheit sind aber wir Kleinen die Innovationstreiber. Und ich finde, darauf können wir auch stolz sein!

Gemeinsam statt einsam

Immer wieder wurde der Wunsch laut, sich zusammenzuschließen. Ein großes Problem, vor allem für kleine Marken, ist die riesige Abnahmemenge bei Großhändlern. Besonders hier wäre der Gemeinschafts-Sinn der Naturkosmetik-Community gefragt. Indem man sich Bestellungen untereinander aufteilt, könnte diese Herausforderung ein weniger kleiner werden. Eine gute Möglichkeit zur Vernetzung bietet dabei die Plattform Authentic Eco.

Es geht in die 2. Runde!

Am Ende wurde deutlich, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Alle waren sich einig, dass ein weiterer regelmäßiger Austausch sehr hilfreich und spannend wäre. Deshalb freuen wir uns, dass es aller Voraussicht im Frühjahr 2021 ein weiteres NaturkosmetikCamp Fokus Meeting geben wird. Über den genauen Termin informieren wir euch noch rechtzeitig im Newsletter. Das Thema können wir euch aber schon jetzt verraten: Nachhaltiges Finishing und Design von Naturkosmetikprodukten.

Während der Diskussionsrunde kam immer wieder zur Sprache, dass das Design momentan noch etwas unter der nachhaltigen Umsetzung leiden muss. Deshalb freuen wir uns, dass wir dieses Thema im nächsten Jahr ausführlich besprechen können.