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Ein Stück Peru in der Naturkosmetik – Carola Muschke über exotische Rohstoffe

PromPerú setzt sich für die Stärkung des Handels zwischen Peru und Deutschland ein. Gerade im Kosmetikbereich hat das südamerikansiche Land mit seiner einzigartigen Biodiversität ein riesiges Potenzial. Carola Muschke gibt im Interview einen Einblick in die exotischen Rohstoffe, die bei uns teils noch fast unbekannt sind. Wie sich die Corona-Situation auf den Export ausgewirkt hat und wie wir auf einen fairen Handel achten können, erfahrt ihr auch im Interview.

Aus der Sacha Inchi Pflanze wird wertvolles Öl gewonnen. Foto: Adobe Stock/khamkula

Aus der Sacha Inchi Pflanze wird wertvolles Öl gewonnen. Foto: Adobe Stock/khamkula

Peru bietet ein breites Spektrum an Rohstoffen, die auch für die Naturkosmetik verwendet werden können. Einige dieser wertvollen Stoffe sind bei uns noch nicht bekannt. Welche Rohstoffe findest du hier besonders spannend?

Da fällt die Auswahl schwer, denn Peru ist eines der Länder mit der größten Biodiversität der Welt. Aber exemplarisch würde ich die folgenden drei Produkte auswählen:

Die Sacha Inchi Pflanze kommt aus dem Amazonas Regenwald und lässt sich durch Kaltpressung der sternförmigen Samen in ein außergewöhnliches Öl verwandeln. Dieses ist reich an Omega 3,6 und 9 Fettsäuren. Die Linolsäuren versorgen die Haut mit Feuchtigkeit, glätten und regenerieren. Das Öl hemmt außerdem Entzündungen und Reizungen, das Vitamin E hat zusätzlich antioxidative Eigenschaften. Ein wahres Wundermittel also, welches in Cremes, Lotionen und Körperölen eingesetzt wird.

Mein zweiter Kandidat ist das Buriti- oder Aguajeöl, das ein noch fast unbekanntes Potenzial hat. Die Frucht der Buriti Palme wird, ebenfalls durch Kaltpressung, in ein kräftiges, orangefarbenes Öl verwandelt. Dieses Öl zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Carotin, Ölsäure, Antioxidantien sowie Vitamin E und C aus. In der Kosmetik weist es UV schützenden und bräunende Eigenschaften auf und wird zur Behandlung von sprödem Haar und rissiger oder sonnengeschädigter Haut verwendet.

Schließlich möchte ich noch auf Camu Camu hinweisen. Diese kleine, rote Amazonas-Frucht hat einen hohen Vitamin C Gehalt (50-100-mal mehr als eine Orange) und weist wichtige Nährstoffe wie Kalzium, Phosphor oder Eisen auf. Damit bietet es positive Auswirkungen auf das Immunsystem und hat stimmungsstabilisierende Fähigkeiten. In der Kosmetik wird es als kraftvolles Anti-Aging Mittel in Gesichtsmasken, Peelings und Cremes verwendet, da es hilft, hauteigenes Kollagen zu produzieren, die Haut zu straffen und das Haar zu stärken.

Das Sacha Inchi-Öl ist ein wahres Wundermittel und kann vielfältig eingesetzt werden. Foto: Promperu

Das Sacha Inchi-Öl ist ein wahres Wundermittel und kann vielfältig eingesetzt werden. Foto: Promperu

Wie entwickelt sich der peruanische Export derzeit in Bezug auf Rohstoffe? Und hat Corona hier zu großen Einbußen geführt?

Obwohl peruanische Rohstoffe für die Kosmetikindustrie noch ein junger Sektor sind, haben sie sich in den letzten Jahren sehr positive entwickelt und konnten jährliche Exportsteigerungen von etwa 5% verzeichnen. Die Corona Krise hat dazu geführt, dass sich der Fokus verschoben hat. Es werden beispielsweise weniger Farbstoffe für dekorative Kosmetik nachgefragt, dafür aber in zunehmenden Maßen Öle für Körperpflege Produkte, Seifen etc.

In deiner Session habt ihr unter anderem vom Nagoya-Protokoll gesprochen. Worum handelt es sich dabei genau und was ist sein Zweck?

Das „Protokoll von Nagoya über den Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus ihrer Nutzung ergebenden Vorteile“ ist ein völkerrechtlich bindender Vertrag, der auf der Konferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt 2010 angenommen wurde und 2014 in Kraft getreten ist. Sowohl Deutschland also auch Peru haben bereits ratifiziert und den Vertrag auf nationaler Ebene umgesetzt.

Stark verallgemeinert geht es um Folgendes: Oft findet die Nutzung wertvoller Ressourcen nicht im Ursprungsland statt, sondern in internationalen Konzernen. Ziel des Nagoya-Protokolls ist, dass jedes Land souverän über den Zugang zu den von seinem Hoheitsgebiet stammenden genetischen Ressourcen bestimmt und in gerechter Weise an den Gewinnen beteiligt wird. Das Nagoya Protokoll soll in biodiversitätsreichen Weltregionen wie Peru einen Anreiz für den dauerhaften Erhalt der biologischen Vielfalt bieten und die Belange indigener und lokaler Gemeinschaften schützen.

Viele Bauern sind in Peru vom erfolgreichen Verkauf ihrer Produkte abhängig. Worauf kann ich als Konsument oder der Produzent achten, um faire Bedingungen sicher zu stellen?

Rechtliche Rahmen (Nagoya Protokoll) und Zertifizierungen (Fair Trade) sind natürlich ein hilfreicher Ansatz, denn oft ist es für Konsument*innen nicht transparent, wo die Rohstoffe überhaupt herkommen und zu welchen Konditionen sie produziert bzw. verkauft werden.

Aber es gibt auch viele vorbildlich arbeitende Unternehmen, die nicht zertifiziert sind. Das sollte also kein pauschales Ausschlusskriterium sein. Als Promperú Deutschland sehen wir unsere Rolle daher in erster Linie in der Kommunikation und Aufklärung, damit Verbraucher die peruanischen Zutaten kennenlernen und zuordnen können. Wenn wir mehr und mehr Produkte mit peruanischer Inhaltsstoffen konsumieren, hilft das letztendlich den Menschen in Peru.

Welche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme kannst du sonst noch empfehlen?

Carola Muschke sieht ihre Aufgabe mit Promperu in der Kommunikation und Aufklärung. Foto: Promperu

Carola Muschke sieht ihre Aufgabe mit Promperu in der Kommunikation und Aufklärung. Foto: Promperu

Für alle die sich für Peru ganz allgemein interessieren, empfehlen wir unsere Social Media Kanäle (Facebook, Instagram, YouTube). Wer außerdem peruanische Rohstofflieferanten für die Kosmetikbranche kennen lernen will, hat von 16.-30. November 2020 beim beim virtuellen B2B Meeting die Möglichkeit dazu.

Vielen Dank, liebe Carola Muschke für deine Session beim NaturkosmetikCamp 2020 und den Einblick in die unzähligen Rohstoffe aus Peru.