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Nachhaltige Verpackung – aber wie? Inez Linke von Oceanwell bringt die Vor- und Nachteile auf den Punkt

Gemeinsam Möglichkeiten für nachhaltige Verpackungen sammeln – so lautete das Ziel der Session von Inez Linke beim NaturkosmetikCamp im Juni. Und dabei kamen einige Ideen zur Sprache, die gemeinsam analysiert wurden. Wir haben bei der Geschäftsführerin von Oceanwell noch einmal genauer nachgefragt und wollten wissen, welche Herausforderungen die aktuellen nachhaltigen Möglichkeiten noch mit sich bringen und welche Lösung die Naturkosmetik-Marke aus dem Meer derzeit für sich gefunden hat.

Im Bereich der nachhaltigen Verpackungen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Foto: Adobe Stock/misskaterina

Im Bereich der nachhaltigen Verpackungen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Foto: Adobe Stock/misskaterina

Du hast beim NaturkosmetikCamp als Einstieg einen tollen Einblick in aktuelle nachhaltige Verpackungsmöglichkeiten gegeben. Könntest du diese nochmal kurz nennen?

Ja gerne, ich zähle hier nochmal die verschiedenen Verpackungsmöglichkeiten und ihre Vorteile auf:

  • Biobasierter Kunststoff auf Zucker- oder Maisbasis: Dieses Material spart Mineralöl und ist mittlerweile auch recycelfähig.
  • Ocean Waste Plastic (OWP): Dies ist eigentlich ein gutes Konzept der Wasserreinigung von Abfall. Jedoch wird dafür nicht wirklich Plastik aus dem Meer verwendet, da dieses durch Salzwasser und UV-Strahlen-Exposition schwierig zu recyceln ist. Die Produktsicherheit für Kosmetik ist somit nicht gewährleistet.
  • Biologisch abbaubarer Kunststoff (z.B. Lignin): Daraus entsteht kein Mikroplastik, wenn er in die Umwelt gelangt.
  • Glas: Glas ist gut recyclingfähig.
  • Unverpackt und wiederbefüllbare Verpackungen: sparen Verpackung
  • Monomaterial aus PP oder PET: Als Airless-System ist dieses Material sehr hygienisch. Außerdem hat es ein geringes Gewicht und ist gut regional recycelfähig.

In welchen Bereichen der verschiedenen Konzepte gibt es aktuell noch Herausforderungen?

Bei biobasiertem Kunststoff auf Zucker- oder Maisbasis etwa konkurrieren die Anbauflächen mit denen für Nahrungsmittel. Es handelt sich dabei um konventionellen Anbau in großen Monokulturen. Daher werden große Mengen an Kunstdünger und Pestiziden eingesetzt. Das Schwierige an Ocean Waste Plastic (OWP) ist, dass Menschen in anderen Ländern für wenig Geld Müll an den Stränden sammeln, der dann zurück nach Deutschland geholt wird, um daraus eine Verpackung zu machen. Wir möchten lieber bei uns vor Ort einen Kreislauf schaffen.

Der Nachteil an biologisch abbaubarem Kunststoff (z.B. Lignin) ist, dass dieser aktuell (noch) nicht recycelfähig ist und nur in die thermische Nutzung geht. Auch, wenn mit Glas gut recycelt werden kann, überzeugt dieses Material nicht auf voller Länge. Es ist zu schwer und Airless-Systeme sind nicht möglich. Auch die hohe Bruchgefahr und der hohe Energieaufwand bei der Herstellung machen Glas nicht zum optimalen nachhaltigen Verpackungsmaterial. Unverpackt und wiederbefüllbare Verpackungen hingegen stellen uns mit einem unbefriedigenden Markenauftritt sowie schwierige Logistik vor Herausforderungen.

Oceanwell verwendet für seine Verpackungen meist Monomaterial aus PP oder PET. Foto: Oceanwell

Oceanwell verwendet für seine Verpackungen meist Monomaterial aus PP oder PET. Foto: Oceanwell

Mit welcher Lösung arbeitet ihr aktuell bei Oceanwell? Und beschäftigt ihr euch schon mit Möglichkeiten für die Zukunft?

Die meisten Oceanwell-Verpackungen sind aus Monomaterial aus PP oder PET. Damit sind sie zwar aus Plastik, bieten jedoch auch viele Vorteile. Als Airless-System sind sie sehr hygienisch, haben ein geringes Gewicht und einen geringen Energieaufwand bei der Herstellung. Sie sind außerdem gut und regional recycelfähig und verfügen über eine sehr hohe Produkt- und Bruchsicherheit.

Wir haben uns lange Gedanken gemacht, wie wir für uns bewerten wollen, welche Ansätze nachhaltiger sind als andere. Uns ist ein geringer CO2-Verbauch sehr wichtig. Dieser wird, z. B. für eine Verpackung, mittels einer sogenannten Lebenszyklusanalyse/Ökobilanz berechnet. Es werden verschiedene Faktoren des gesamten Lebens einer Verpackung einbezogen und daraus der CO2-Verbrauch ermittelt. Somit ergeben sich Daten, anhand derer die Verpackung bewertet und verglichen werden kann.

Wir wissen, dass das alles noch ausbaufähig ist und arbeiten daher permanent an neuen Lösungsansätzen. Außerdem sind wir im internationalen Netzwerk „Biopack & Transport“ und engagieren uns für der Entwicklung eines plastikfreien, recycelfähigen Materials für Kosmetikverpackungen.

Inez Linke ist Geschäftsführerin bei Oceanwell. Foto: Oceanwell

Inez Linke ist Geschäftsführerin bei Oceanwell. Foto: Oceanwell

In deiner Session wurde besprochen, dass es gut und wichtig ist, mit anderen Marken und Herstellern zusammenzuarbeiten, um gemeinsam bei den Verpackungsherstellern mehr Druck machen zu können. Welche ersten Schritte müssen jetzt gegangen werden?

Jeder Hersteller sollte seine Nachhaltigkeitsanforderungen an die Verpackung formulieren und dies an seine Lieferanten kommunizieren und damit den Bedarf deutlich machen.

Vielen Dank, liebe Inez Linke, für den Einblick in die Welt der nachhaltigen Verpackungen und für deine tolle Session beim NaturkosmetikCamp 2020!