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„Clean Beauty ist en vogue!“ – Bodo Kubartz von Passion & Consulting über Naturkosmetik in den Medien

Bodo Kubartz ist Duft- und Kosmetikmarktexperte und gibt sein Wissen in Form von Texten und Kolumnen in zahlreichen (Fach-)zeitschriften weiter. Welchen Stellenwert nimmt die Naturkosmetik mittlerweile in den Medien ein und hat Corona die Nachfrage der Konsument*innen nach mehr Natur und Nachhaltigkeit gesteigert? Und wie groß ist das Interesse an Clean Beauty? Wir haben Bodo Kubartz, der auch das NaturkosmetikCamp von Anfang an unterstützt, zum Interview gebeten.

Bodo Kubartz beschreibt "Clean Beauty" als die junge, chice Schwester der Naturkosmetik. Foto: Adobe Stock/Prostock studio

Bodo Kubartz beschreibt „Clean Beauty“ als die junge, chice Schwester der Naturkosmetik. Foto: Adobe Stock/Prostock studio

Wie präsent ist Naturkosmetik im Gegensatz zur konventionellen Kosmetik in den klassischen Print-Medien? Hast du eine Einschätzung?

Die klassischen Printmedien widmen sich redaktionell dem Thema sehr aufgeschlossen. Natur ist generell ein großes Thema – weshalb sich große Unternehmen auch ein grüneres Kleid zugelegt haben, was Markenkäufe noch unterstützt. Doch auch über die zertifizierte Bio- und Naturkosmetik wird berichtet: wie entwickelt sich der Markt, wen spricht er an, wie verändert sich das Kundenklientel. Neue Trends, neue Unternehmen und alternative Ansätze stoßen auf Interesse – gerade dann, wenn es um alternative Wirtschaftswege geht.

Oft wird Naturkosmetik generalisiert und als Ausnahme der Regel, als „das Andere“ gegenüber der konventionellen Kosmetik skizziert. Begriffe wie „naturnah“ oder „zertifiziert“ werden je nach Medium thematisiert. Doch darin legt die Chance und Notwendigkeit, einem Greenwashing entgegen zu wirken und die Vielfalt der Begrifflichkeit „Natur“ in Kosmetik Endverbraucher*Innen wiederholt zu erklären.

Wie kann sich Naturkosmetik hier behaupten? Mit welchen Werten kann sie punkten und was müsste deiner Meinung noch stärker kommuniziert werden?

Naturkosmetik fokussiert seit jeher darauf, was im Produkt ist und wie dieses erzeugt wird. Inhaltsstoffe, Verträglichkeit, Sicherheit, aber auch Nachhaltigkeit und Ethos – dies sind Aspekte und Argumente, die zum Kern von Naturkosmetikmarken bzw. dem Segment an sich gehören.

Aspekte, die noch stärker kommuniziert werden können, beschreiben unterschiedliche Stoßrichtungen und Entwicklungspotenziale: Luxus und Style, Sensorik des Erlebens und die „Globalität des Wirtschaftens“. Luxus und Style werden jüngst durch das neue Segment Clean Beauty bespielt. Hier liegt Potenzial für bestehende und neue Marken, pfiffig Glanz und Eleganz in die grüne Marken-DNA einzuweben und dies zu kommunizieren. Dies wird unterstützt durch die produktseitige Sensorik des Erlebens: Was sagt der Geruch meiner Creme aus? Welche Textur verhält sich wie auf der Haut? Was vermitteln Tiegel, Spender und Verpackung? Sinne und Sensorik stehen in Forschung und Wissenschaft verschiedener Disziplinen aktuell im Fokus. Wie kommuniziert die Naturkosmetik hier z.B. anders als die konventionelle Kosmetik?

Last, not least: Die „Globalität des Wirtschaftens“. Der Begriff meint einerseits die Geografien von Wertschöpfungsketten in der Produktion, dem Konsum und der Entsorgung/Wiederverwertung. Covid-19 initiierte beispielsweise das Nachdenken über die Geographie, Länge und Komplexität von Wirtschaftsketten – mit der Idee, globales Outsourcing wieder zu beschränken. Regional(er) trumpft, nicht nur bei Lebensmitteln. Andererseits sind die Effekte unseres Handelns (Stichwort global environmental change) darin beinhaltet: Was passiert mit der Umwelt, wenn wir handeln und welche Handelsalternativen sind realistisch? Hier kann sich Naturkosmetik inhaltlich positionieren und positiv beweisen.

Bodo Kubartz unterstützt das NaturkosmetikCamp bereits seit vielen Jahren unter anderem als Moderator. Foto: DH STUDIO Köln, Dirk Holst

Bodo Kubartz unterstützt das NaturkosmetikCamp bereits seit vielen Jahren unter anderem als Moderator. Foto: DH STUDIO Köln, Dirk Holst

Du schreibst für die deutsche Parfümeriezeitschrift INSIDE beauty, hast eine Kolumne im österreichischen Fachmagazin hautnah, veröffentlichst aber auch mit größerem Radius, wie etwa jüngst im S-Magazin des Spiegel. Hier hast du unter dem Titel „Alles klar“ einen Artikel über „Clean Beauty“ geschrieben. Wie schätzt Du das Bedürfnis der Menschen danach ein?

Clean Beauty ist en vogue. Im Artikel habe ich beschrieben, dass Clean Beauty die junge, chice Schwester der Naturkosmetik ist. Die Aspekte Story, Design und Verzicht werden von Marken des Genres interessant inszeniert. Das Feld wird sich noch stärker formieren und ausdifferenzieren. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur bekannten Naturkosmetik könnten stärker hervortreten, wenngleich die Übergänge schon jetzt fließend sind.

Clean Beauty hat die Chance, über andere Vertriebs- und Handelswege als jene der Naturkosmetik zu anderen Endverbraucher*innen zu gelangen. So kann das Genre eine Eintrittspforte für solche Verbraucher*innen sein, die von konventioneller Kosmetik nicht mehr angesprochen werden. Die Themen Natur und Natürlichkeit werden hier anders bespielt, doch verhilft Clean Beauty dem Gesamtbereich zu weiterer Aufmerksamkeit.

Werden in den Medien jetzt in Zeiten von Corona Themen im Zusammenhang mit Natürlichkeit und dem Wesentlichen mehr Aufmerksamkeit geschenkt?

Natur, Natürlichkeit und Aufmerksamkeit wird – je nach Ausrichtung des Mediums – Beachtung geschenkt. In jedem Fall stellt Corona eine zusätzliche Gelegenheit dar, über das Wirtschaften nachzudenken. Doch ein viel stärkerer Trigger für Veränderung ist der globale Umweltwandel – ein stetiger und noch viel langfristiger Grund, unsere (westlich-industrielle) Art des Produzierens, Konsumierens und Lebens insgesamt zu reflektieren.

Gewiss wird hierdurch die Notwendigkeit deutlicher, sich über den Anbau und die Gewinnung von Ingredients, Wertschöpfung(sketten) und Branding Gedanken zu machen. Zu weiteren Diskursen wie menschlicher Footprint, Wassermangel, Genderaspekte der Arbeit, Umweltschutz der Meere, Energieeffizienz, regionales versus globales Sourcing (Thema Abhängigkeiten, Transport etc.) kann die Naturkosmetik Fühlung aufnehmen und Schnittstellen schaffen, um ethisch, sozial und ganzheitlich noch besser aufgestellt zu sein, als sie es bereits ist.

Noch eine andere Frage zum Schluss: Du warst bisher als einer von wenigen Teilnehmer*innen das sechsmal beim NaturkosmetikCamp dabei und hast auch schon in drei Jahren die Moderation eines Session-Raum übernommen. Was waren für die die spannendsten Momente?

Bodo Kubartz ist als Duft- und Kosmetikmarktexperte tätig. Foto: Bodo Kubartz

Bodo Kubartz ist als Duft- und Kosmetikmarktexperte tätig. Foto: Bodo Kubartz

Ich sehe weniger Momente als das Gesamtarrangement: niedrigschwellige Kommunikation, leichtes Networking, eine ideale Mischung aus Programm, Pausen und Ambiente in ansprechender Location. Wissensvermittlung und Wissenskontakte stehen im Fokus. So verfolgt das NaturkosmetikCamp immer geschäftliche und inhaltliche Ziele, ist durch das „Du“ sowie die offene Struktur ein Garant für gut eingesetzte Zeit, die gewert-schätzt wird.

Für die Zukunft sind sicher eine optimale Abwechslung an Teilnehmern und Partnern, inhaltliche Vielfalt an Diskussionsvorschlägen und neue Formate (z.B. Workshops, Gruppendiskussionen etc.) der Sache zuträglich.

Vielen Dank für das Inverview, Bodo Kubartz, und noch einmal ein herzlicher Dank für deine Unterstützung beim diesjährigen NaturkosmetikCamp! Wir freuen uns, wenn du auch beim Camp 2021 wieder mit dabei bist.