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Großer Rückblick NaturkosmetikCamp 2020 Online – anders, aber fachlich top!

Coronabedingt fand von 16. bis 18. Juni 2020 erstmalig das NaturkosmetikCamp online auf Zoom statt. Sicher, es war definitiv anders und die persönliche Begegnung fehlte. Dennoch, die Stimmung war sehr gut und auch der fachliche Austausch auf einem sehr hohen Niveau! Wir werden uns deshalb wohl noch lange an dieses NaturkosmetikCamp 2020 erinnern. Hier unser großer Rückblick auf die einzelnen Sessions und Diskussionsrunden.

Wir haben uns sehr über die zahlreichen Teilnehmer*innen beim Online-NaturkosmetikCamp auf zoom gefreut. Foto: NKC

Wir haben uns sehr über die zahlreichen Teilnehmer*innen beim Online-NaturkosmetikCamp auf zoom gefreut. Foto: NKC

Beim NaturkosmetikCamp 2020 auf zoom gab es zwei Podiumsdiskussionen und 12 Sessions, die von den Teilnehmer*innen Barcamp-typisch auf die Agenda gewählt wurden. Die Vielfalt der Themen war extrem hoch und deckte eine große Bandbreite ab. Ein Schwerpunkt in diesem Jahr war sicher der Handel, im Speziellen der Fachhandel, aber auch die Möglichkeiten eines Online-Shops. Rege diskutiert wurden auch die heutigen Möglichkeiten der Kommunikation über Video und Social-Media. Und auch beim Thema Rohstoffe und Verpackung gab es viel Diskussionsbedarf. Spannende Einblicke gab es in die Länder China und Peru und auch das Thema „Naturkosmetik und Nachhaltigkeit in der Hotellerie“ konnte vorangebracht werden.

Tag 1: Podiumsdiskussion zur Zukunft des Handels, Schwerpunkt Fachhandel, Megatrends, Rückstände in Rohstoffen

Nach einer kurzen Einführung über die wichtigsten Tools auf Zoom, wie das virtuelle Hand-Heben oder das Mikro-Stummschalten, starteten wir im „Raum 1“ mit der großen Podiums-Diskussion zum Thema „Die Zukunft des Handels“. Alle drei Teilnehmer*innen, Nele Ziehm (Bio-Großhandel Weiling), Christiane Wegger (Bio-Fachgeschäft Bio am Platz) und Roland Fink (Online-Shop Ecco Verde), waren sich einig, die Corona-Krise hat uns vor große Herausforderungen gestellt, aber die Zeit wurde gut genutzt – auch für neue Ideen.

Nach einer kurzen Pause (ja, Pausen sind auch bei Videokonferenzen enorm wichtig), ging es auch schon los mit den drei typischen parallelen Sessions. Eine erste Erkenntnis: Auch online kann der fachliche Austausch perfekt funktionieren! Danke an dieser Stelle gleich mal an die insgesamt knapp 70 Teilnehmer*innen für die Disziplin und das Engagement.

Mirja Eckert (THE NEW), stellte mir ihrer Session die Megatrends in Korrelation mit der Naturkosmetik. Erstaunlich war, wie viele davon eine Chance für die Naturkosmetik darstellen – z.B. Gesundheit, Neo-Ökologie oder Individualisierung. Gerade auch kleine Marken können sich, dank digitaler Möglichkeiten, heute gut positionieren.

Stephan Becker (GRN, benecos) brach in seiner Session eine Lanze für den Fachhandel. Gerade den Bioläden ist oft das große wirtschaftliche Potential eines guten Naturkosmetik-Sortiments nicht bewusst. Wichtig ist hier aber, dass das Personal gut berät, der POS attraktiv ist und digitale Möglichkeiten genutzt werden. In dieser Session wurde auch eine konkrete Idee entwickelt, wie das gelingen kann. Man darf gespannt sein.

Franziska Breisinger (AOT), betonte in ihrer Session zum Thema Rückstände in Rohstoffen/Ölen, dass die Grenzwerte in der Kosmetik nicht so streng sind wie bei Lebensmittel. Eine offene Kommunikation mit Händlern und Lieferanten ist daher das A und O. Monitoringsysteme, Zertifikate und Analysen sind hier eine Unterstützung.

Ein paar Eindrück vom Online-NaturkosmetikCamp 2020. Foto: NKC

Ein paar Eindrück vom Online-NaturkosmetikCamp 2020. Foto: NKC

Tag 2: Online-Videos, analoge und digitale Kommunikation, Online-Shops, Naturkosmetik in der Hotellerie, China als Markt, Rohstoffe aus Peru

Am zweiten Tag konnte die Intensität der Sessions nochmal gesteigert werden. Obwohl es eigentlich „nur“ sechs Sessions in drei parallelen Räumen gab, wurden viele Themen, die unsere Branche beschäftigen, diskutiert.

Jörg Pattis (Jörg Pattiss Online Video Marketing) stellte klar, wie viele Potential gerade jetzt, da sich die Menschen immer mehr an die digitale Kommunikation gewöhnen, Online-Videos haben. Gerade für die Naturkosmetik, die oft erklärungsbedürftiger ist, eignen sich auch längere Videos auf YouTube oder IGTV (Instagram) oder auch regelmäßige Q&As über Zoom und Co., um auch direkt in Kontakt treten zu können. Aber auch Werte und authentische Geschichten können über Facebook, Instagram-Stories udgl. effektiv, nachhaltig, zeit- und kosteneffizient kommuniziert werden.

Susan Kapfhammer (Organic Beauty Consulting) räumte in ihrer Session zum Thema „Wie gelingt der Brückenschlag zwischen analoger und digitaler Welt“ ein, dass Kanäle noch mehr miteinander verknüpft werden wollen. Gerade in der Kombination stationärer Fachhandel und Online sieht sie großes Potential. Unter den Teilnehmer*innen wurde rege diskutiert, wie man den steigenden Online-Aufwand bewältigen kann. Klargestellt wurde hier, wie wichtig es ist, dass es dafür verantwortliche Mitarbeiter*innen gibt, die diese Aufgabe nicht nur nebenbei erledigen. Vor allem jungen Menschen sollte man hier Chancen geben, sich einzubringen und sich zu entwickeln. Sie verfügen oft über großes technisches Know-how und eine lockere Herangehensweise. Bei aller Schnelligkeit und Leichtigkeit müssen aber auch Kommunikations-Strategie und das Corporate Wording beachtet werden.

Lisa und David Faber (Peritus Webdesign), diskutierten mit den Teilnehmer*innen nützliche Tipps, wie man auch als kleiner, regionaler Online-Shop gegen die großen bestehen kann. Fokus war die Suchmaschinenoptimierung und Social-Media. Leider ist es so, dass in der Regel heute ohne den Einsatz eines Budget keine große Reichweite mehr erzielt werden kann. Ein paar Euros reichen aber oft schon, um mühevoll gestaltete Posts sichtbarer zu machen – nicht nur bei potentiellen Kunden, sondern auch in der Community!

Mei Gräfe (Intergate Consulting) machte in ihrer Session einen großen Sprung nach China und stellte die Frage: „Was können wir vom chinesischen Kosmetik-Markt lernen, auch was die Resilienz von Unternehmen betrifft?“ Spannend war die Klarstellung, was Naturkosmetik in China überhaupt bedeutet. Konsument*innen stehen auf „natural & clean“ – also natürliche Herkunft und z.B. schadstoff- und allergenfrei. Siegel und Zertifizierungen haben wenig bis keine Bedeutung. Durch den Shutdown haben sich neue Kommunikationstrends etabliert. Beispielsweise Live Streamings über Social Media von Geschäftsführern, Influencern und Testimonials, mit dem Ziel, die Glaubwürdigkeit in die Marke zu stärken.

Carola Muschke (Promperu) führte mit ihrer Session in die andere Richtung des Erdballs, nach Peru. Durch die Vielfalt der Vegetation bietet Peru viele Rohstoff-Schätze, die ein großes Potential für die Naturkosmetik darstellen. Der Lebensmittelmarkt läuft hier schon sehr gut, vor allem weil der Biologischen Landwirtschaft ein sehr großer Stellenwert eingeräumt wird. Sehr rege wurde diskutiert, wie sich Trends in den kommenden Jahren zwischen Besinnung auf Regionalität und der Lust nach fernen Schätzen entwickeln wird.

Besonders gefreut hat mich als Veranstalter, dass wir mit Rica Friedl (Obfrau der Biohotels und Inhaberin des Bayerischen Wirt) auch eine Session zur Naturkosmetik und Nachhaltigkeit in der Hotellerie am Start hatten. Der Handel ist nur eine Seite – Naturkosmetik wird aber auch immer mehr in Kosmetik-Instituten, Day-Spas und eben der Hotellerie eingesetzt – sei es als Zimmerkosmetik oder im Spa- und Wellness-Bereich. Die Hersteller und Marken konnten hier erfahren, was die Hotellerie überhaupt braucht. Wünschenswert ist eine größere Auswahl an zertifizierter Naturkosmetik, speziell für die Hotellerie. Aber auch in Sachen Verpackungsvermeidung und Zero-Waste gibt es noch viel zu tun.

Ein Auszug der Mind-Maps, die beim NaturkosmetikCamp 2020 entstanden sind. Foto: NKC

Ein Auszug der Mind-Maps, die beim NaturkosmetikCamp 2020 entstanden sind. Foto: NKC

Tag 3: Nachhaltige Verpackung, Chemikalien in der Creme, die Naturkosmetik-Branche als Community

Der 3. Tag begann wieder mit intensiven Sessions. Inez Linke (oceanBASIS) stellte gleich zu Beginn ihrer Session im „Raum 1“ einige gängige Verpackungs-Möglichkeiten für Naturkosmetik vor. Sie gab aber auch zu bedenken, dass es aktuell noch keine wirklich zufriedenstellende Lösung gibt. Entweder es scheitert am Material (auch Glas oder Verpackung auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen hat Schwächen) oder am richtigen Recycling (liegt leider oft an der Faulheit der Konsument*innen). Ein Schritt in die richtige Richtung ist es, mit möglichst wenig Verpackung auszukommen. Leider wird aber heute allzu oft aufwändige Verpackung mit Luxus gleichgesetzt. Hier müssen wir als Community Aufklärung mit der richtigen Kommunikation leisten, gleichzeitig aber auch gemeinsam daran arbeiten, neue, noch nachhaltigere Lösungen zu implementieren.

Im Raum von David Hauck (Dr. Hauck R&D) hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Fachwissen über Kontaminanten in der (Natur)Kosmetik zu erlangen und sich auszutauschen. Hier gibt es unglaublich viele unerwünschte Stoffe, wie Pestizide, Alkaloide, Schwermetalle, Weichmacher, Emulgatoren, Konservierungsstoffe, Mineralölrückstände usw. Kontrollierter Bio-Anbau ist grundsätzlich besser, weil hier weniger Pestizide verwendet werden. Die Qualität der Rohstoffe hängt direkt vom Boden ab. In der EU gibt es hier oft weniger Bedenken. Außerhalb dieser muss man aber schon genauer schauen, auch bei Bio.

Elke Hockauf (Authentic Eco) machte sich mit den Teilnehmer*innen ihrer Session auf die Suche, was sich die Naturkosmetik-Community von einer gemeinsamen Plattform wünscht. Basis sind zuverlässige, ausführliche und aktuelle Informationen. Als größte Herausforderung wurde gesehen, woran festgemacht wird, wer konkret dabei sein darf, sprich die gemeinsame Wertefindung. Es gibt heute sehr unterschiedlich hohe Ansprüche, deswegen sollte die Community dabei helfen, Wissen zu bündeln und sich untereinander zu helfen.

Den Abschluss des fachlichen Austauschs bildete die Podiumsdiskussion „Naturkosmetikgemeinschaft und Solidarität – nicht nur in Zeiten von Corona“. Die Teilnehmer*innen Stephan Becker (GRN, benecos), Franziska Breisinger (AOT), Larissa Beck (peclavus), Carolin Haverkamp (KHK) und Elke Hockauf (Authentic Eco) erzählten sehr offen und auch emotional über Herausforderungen der letzten Monate und wie diese gemeistert wurden. Immer wieder wurde betont, dass gerade mit Menschlichkeit der Krise getrotzt wurde. Sei es mit Lieferanten und Partnern, wo Verträge noch mal an die jeweilige Situation angepasst werden konnten, Vertriebswege optimiert wurden oder auch die Mitarbeiter*innen viel Solidarität zeigten, zusammenzuarbeiten und trotz der schwierigen Zeit Kreativität bewiesen. Eines ist klar geworden: Die Naturkosmetik geht gestärkt aus der Krise hervor!

Fazit: Fachlicher Austausch klappte auch online wunderbar, aber für den persönlichen Austausch braucht es die Begegnung von Mensch zu Mensch

Da wir im aktuellen Blogbeitrag nicht ausführlich auf alle Themen eingehen können, werden wir alle Sessionleiter*innen zu einem Interview oder einen Fachbeitrag im NaturkosmetikCamp-Blog einladen. Die Teilnehmer*innen des NaturkosmetikCamp 2020 finden alle Ergebnisse in Form von Mindmaps im geschützten Bereich. Danke an dieser Stelle an das Team aus Moderator*innen und Mindmapper*innen, die dazu beigetragen haben.

Unser Team beim NaturkosmetikCamp 2020. Foto: NKC

Unser Team beim NaturkosmetikCamp 2020. Foto: NKC

Was ist nun zu einem OnlineCamp im Gegenzug zu einem Real-Life-NaturkosmetikCamp zu sagen? Das Camp hat gezeigt, dass auch Online der fachliche Austausch in der Community funktioniert – nicht nur in Zeiten von Corona und besser als gedacht. Zwei weiter Vorteile sind der verringerte Kosten- und Zeitaufwand, aber auch der kleinere ökologische Fußabdruck. ABER: Die Begegnung als ganzer Mensch kann nicht durch einer Online-Konferenz ersetzt werden. Wir sind keine Avatare, sondern Menschen. Wir brauchen Spontanität und die emotionale Begegnung auch abseits der Sessions – in den Pausen oder beim Abendprogramm.

Das sagen die Teilnehmer*innen zum NaturkosmetikCamp 2020 auf zoom

Aus dem Experiment NaturkosmetikCamp Online entsteht eine wichtige Erkenntnis für die Zukunft: Die Balance ist entscheidend. Mindestens einmal im Jahr muss man sich auch persönlich treffen, ob auf der Vivaness, dem Branchenkongress oder beim NaturkosmetikCamp. Dazwischen heißt es, sich auch auf neue Wege des Austauschs einzulassen. Wir halten euch hier auf dem Laufenden!

Im Juni 2021 gibt es (endlich) wieder ein Real-Life NaturkosmetikCamp

Das NaturkosmetikCamp 2021 wird im Hotel Panorama Royal stattfinden. Foto: Panorama Royal

Das NaturkosmetikCamp 2021 wird im Hotel Panorama Royal stattfinden. Foto: Panorama Royal

Letztes Jahr gönnten wir uns nach 5 Jahren eine kreative Pause, dieses Jahr mussten wir aufgrund Corona in den virtuellen Raum gehen. Es ist so nicht verwunderlich, dass wir es schon jetzt kaum erwarten können, bis am 18. bis 20. Juni 2021 endlich wieder das NaturkosmetikCamp, so wie wir es alle lieben, mit allen Facetten stattfindet. Die ersten Infos zur Ideenwerkstatt findet ihr bereits online. Es geht in das Hotel Panorama Royal nach Tirol. Der offizielle Anmeldestart ist am 1. Februar. Am besten den Termin gleich im Kalender markieren. Es gibt maximal 120 Teilnehmerplätze und schon jetzt haben viele, die eigentlich in diesem Jahr dabei sein wollten, ihre Plätze gesichert.

Möchtest du Partner des 7. NaturkosmetikCamp werden, empfehlen wir ebenfalls ein rasches Feedback. Auch hier haben so gut wie alle die Zusammenarbeit für 2021 verlängert.

Danke an unsere Partner!

Ein großes Dankeschön möchten wir unseren Partnern aussprechen, die mit uns auch in diesem besonderen Jahr mit uns gegangen sind. Aufgrund dieser besonderen Solidarität können wir sie uneingeschränkt empfehlen.

  • Premium-Partner: AOT, Authentic Eco, GRN, KHK, peclacvus
  • Basic Partner: CSE, Naturkosmetik Branchenkongress, oceanwell, Pharmos Natur, Saccani Translations, Schöler, Vivaness
  • Medien-Partner: BioHandel, Biorama, BIOUTY, cosmia, INSIDE beauty
Unsere Partner beim NaturkosmetikCamp 2020. Foto: NKC

Unsere Partner beim NaturkosmetikCamp 2020. Foto: NKC