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Naturkosmetik verbindet Generationen! Autorin Waltraud Kehl über ihre langjährige Erfahrung mit Naturkosmetik

Waltraud Kehl ist Naturkosmetikerin aus Leidenschaft und Überzeugung. Warum sie sich dazu entschied, auf Naturkosmetik umzustellen und was die junge Generation der Naturkosmetiker*innen heute anders macht, erzählt sie im Interview. Außerdem gibt sie uns einen Einblick, was sie in ihrer langjährige Berufserfahrung gelernt hat. In ihrem neuen Buch beschäftigt sie sich mit Inhaltsstoffen und der Behandlung von Problemhaut. Die Autorin erklärt deshalb, warum gerade für betroffene Kund*innen fachliche Beratung besonders wichtig ist.

Naturkosmetik verbindet Generationen. Foto: Adobe Stock/fizkes

Naturkosmetik verbindet Generationen. Foto: Adobe Stock/fizkes

Liebe Frau Kehl, zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit als Kosmetikerin vertrauten Sie noch auf konventionelle Kosmetikprodukte. Nach kurzer Zeit haben Sie aber komplett auf Naturkosmetik umgestellt. Wie kam es zu diesem Umstieg?

Naturkosmetikerin und Autorin Waltraud Kehl. Foto: Kehl

Naturkosmetikerin und Autorin Waltraud Kehl. Foto: Kehl

Ich war etwas über 40, als ich auf meinem ersten Seminar für ätherische Öle war. Sie hatten mich schon immer fasziniert und ich wollte einfach mehr über ihre Wirkung wissen. Die Firma, die dieses Seminar angeboten hatte, führte natürlich auch Naturkosmetik, allerdings in einem sehr überschaubaren Rahmen. Bei der Unterhaltung mit anderen Seminarteilnehmer*innen wurde ich mit den Vorteilen der Naturkosmetik konfrontiert, aber auch über die vielen nicht gerade hautfreundlichen Inhaltsstoffe der konventionellen Kosmetik aufgeklärt. Ich erinnere mich noch gut, wie meine damalige konventionelle Kosmetikfirma argumentierte: „Es wird nur so viel Chemie benutzt, wie unbedingt notwendig.“

Nun ging es daran zu überprüfen, wie sich reine Naturkosmetik auf meine Haut auswirkte. Ehrlich gesagt dachte ich, Naturkosmetik ist bestimmt gut für junge Haut. Aber jetzt, in meinem Alter, braucht die Haut sicher mehr Power, um gut auszusehen. Und dieses Gefühl wollte ich natürlich auch meinen Kund*innen geben. Da ich aber bei mir selbst radikal auf Naturkosmetik umgestellt hatte, wurde mein Hautbild nicht schlechter, sondern sehr ausgeglichen. In dieser Zeit beschäftigte ich mich auch sehr intensiv mit den Inhaltsstoffen der konventionellen Kosmetik und war sehr betroffen von all den Stoffen, die dort eingesetzt wurden.

Etwa neun Monate nach dem Beginn meines Selbstversuchs habe ich dann meinen Kund*innen meine Entscheidung und das warum mitgeteilt. Nicht alle Kund*innen konnte ich überzeugen, aber ganz viele dazu gewinnen.

Worauf legt Ihrer Meinung nach die junge Generation der Naturkosmetiker*innen heute besonderen Wert in ihrer Arbeit? Besteht hier ein Unterschied zu früher?

Gerade junge Naturkosmetiker*innen sehen ihre Aufgabe in der dauerhaften Pflege der Haut. Sie sind nicht bereit, irgendwelche Stoffe zu verwenden, die kurzfristig eine schöne, glatte Haut vorgaukeln, aber Schäden in tieferen Hautschichten vorprogrammieren. Die Haut vieler Frauen gleicht in den tieferen Hautschichten einer Mülldeponie. Junge Naturkosmetiker*innen sind im Grunde sehr ehrlich und auch bereit, dem/der Verbraucher*in zu sagen, was möglich ist und was reine Werbeversprechen sind. Dieses Verhalten der jungen Generation ist auch in ihrem Verhalten, in der Kleidung und in ihrem Umgang zu sehen. Nicht das äußere, angepasste Bild ist entscheidend, sondern die Individualität.

Mit einem Satz: „Sie ist ehrlicher!“

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie in Ihrer langen Berufserfahrung in der Naturkosmetik gewinnen konnten?

Naturkosmetik kann immer mehr auf wissenschaftliche Ergebnisse vertrauen. Vieles von dem, das in den Produkten heute verwendet wird, hat eine zum Teil jahrhundertealte Tradition, d.h. Erfahrungswerte. Heute sind diese Erfahrungswerte wissenschaftlich untermauert und es werden immer mehr natürliche Stoffe untersucht, die sich für die Pflege eignen. Es ist unglaublich reizvoll, in der Kabine auch immer wieder ganz individuell auf die Haut eingehen zu können, einzelne Substanzen nach beruflichem Wissen und Ermessen zu mischen und so bei dem/der Kund*in wirklich das zu tun, was unsere Aufgabe ist: „die Seele berühren, den Geist beflügeln und die Haut besänftigen“.

Das neue Buch von Waltraud Kehl "Kosmetik. Ich bin es mir wert". Foto: tredition

Das neue Buch von Waltraud Kehl „Kosmetik. Ich bin es mir wert“. Foto: tredition

Sie haben gerade ein Buch zu Naturkosmetik herausgebracht. Darin haben Sie sich auch stark mit Inhaltsstoffen und der Behandlung von Hautproblemen beschäftigt. Worauf sollte der/die Konsument*in beim Kauf von Naturkosmetik-Produkten achten, wenn er/sie mit Problemhaut zu kämpfen hat?

Der Konsument muss sich eine/n Fachfrau/-mann suchen, zu dem er/sie Vertrauen hat. Er sollte ruhig fragen, woher er sein Wissen oder seine Erfahrungen hat. Die Fachkraft muss nicht gleich alles wissen und auf jede Frage eine Antwort haben, sollte aber bereit sein, sich kundig zu machen. Außerdem muss beim Kauf von Naturkosmetik unbedingt auf die entsprechende Zertifizierung geachtet werden. Green Washing mit einer Pflanze auf der Verpackung hilft nicht. Aber auch dem/der Verbraucher*in muss über die Beratung immer mehr klargemacht werden, was die entsprechenden Siegel bedeuten.

Schwierig im Geschäft ist es, konventionelle Kosmetik mit Namen zu nennen und schlecht zu reden. Aber bestimmte Inhaltsstoffe in konventioneller Kosmetik benennen und sagen, warum wir diese sehr kritisch sehen, ist erlaubt. Deswegen ist es natürlich auch wichtig, zu wissen, was nicht in Naturkosmetik enthalten sein darf und warum.

Vielen Dank, liebe Waltraud Kehl,  für das interessante Gespräch und herzliche Gratulation zum neuen Buch!