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Schutz von Meeresschildkröten in Côte d’Ivoire – Interview mit Inez Linke von Oceanwell

Die Kieler Marke Oceanwell steht nicht nur für eine gesunde Hautpflege, sondern auch für die nachhaltige Nutzung der Ozeane. Mit der Kampagne „Protect the Ocean“ setzt sich die maritime Naturkosmetikmarke aktiv für den Schutz der Meere ein. Das erste Projekt des langfristig geplanten Engagements befasst sich mit dem Schutz von Meeresschildkröten in Côte d’Ivoire. Dort unterstützt Oceanwell die Küstenbewohner von Grand-Béréby beim Artenschutz und einer nachhaltigen Entwicklung der Region. Wir haben mit Inez Linke, Meeresbiologin und Mitbegründerin von oceanBASIS, über das Projekt gesprochen. Außerdem hält sei fest, wie auch Spa-Betriebe eine Beitrag zum Schutz der Meerestiere leisten können.

Projekt von Oceanwell zum Schutz von Meeresschildkröten. Foto: Inez Linke/Oceanwell

Projekt von Oceanwell zum Schutz von Meeresschildkröten. Foto: Inez Linke/Oceanwell

Liebe Inez, woher kommt der Bezug zur Côte d’Ivoire und warum setzt sich Oceanwell gerade für den Schutz von Meeresschildkröten ein?

Der Kontakt nach Côte d’Ivoire kam über einen befreundeten Kieler Biologen, der bei einem Familienbesuch vor Ort das Schildkrötenschutzprojekt kennengelernt hat. Uns begeisterte dieses Projekt, da es von ivorischen Biologen unter Einbindung der lokalen Dorfbevölkerung initiiert worden war. Vier Schildkrötenarten leben in dieser Meeresregion; sie alle sind stark gefährdet.

Inzwischen arbeiten 16 junge Männer aus den angrenzenden Dörfern als „Protecteur des Tortues“. Die Maßnahmen reichen von regelmäßigen Kontrollgängen bis hin zu Überführungen der am Strand schlüpfenden Schildkrötenbabies in das Meer. Damit wird die Wanderung der Jungtiere vom Strand ins Meer gesichert und auch dutzende erwachsene Tiere vor Verfolgung geschützt.

"Protecteur des Tortues-Beschützer der Meeresschildkröten". Foto: Inez Linke, Oceanwell.

„Protecteur des Tortues-Beschützer der Meeresschildkröten“. Foto: Inez Linke, Oceanwell.

In welchen Bereichen besteht besonders großer Handlungsbedarf? Wo benötigen die Bewohner*innen bzw. die Region am meisten Unterstützung?

Wir sehen den größten Handlungsbedarf in der Unterstützung einer nachhaltigen Dorfentwicklung im Namen des Schutzgebietes. Ein Beispiel dafür ist die Anschaffunge einer motorgetriebenen Maniok-Zerkleinerungsmaschine für die Frauen-Kooperative des an das Schutzgebiet angrenzende Dorf Dawa. Sie ermöglicht es den Frauen, Maniok-Produkte in größerer Menge herzustellen und zu verkaufen. So verbessert sich der Lebensstandard und indirekt auch die Akzeptanz der Menschen für das Schutzprojekt.

Welche Maßnahmen und Projekte sind in der Zukunft noch geplant?

Aktuell unterstützen wir mit der Kampagne die Einrichtung eines Meeresschutzgebietes (MPA) vor dem Schildkrötenstrand, welches das erste MPA in Côte d’Ivoire sein würde. Dies würde den lokalen Behörden u.a. verbesserte Möglichkeiten geben, die umweltzerstörende nächtliche Schleppnetz-Fischerei durch illegale Trawler zu verhindern.

Schildkrötenbabies am Weg ins Wasser. Foto: Inez Linke, Oceanwell.

Schildkrötenbabies am Weg ins Wasser. Foto: Inez Linke, Oceanwell.

Was können Spa-Betriebe, wie Wellness-Hotels oder Day-Spas konkret tun, um der Verschmutzung der Meere entgegenzuwirken?

Wir empfehlen, keine Kosmetikprodukte zu benutzen, die Mikroplastik enthalten, denn das gelangt über kurz oder lang in die Meere und bedroht die Tierwelt. Inzwischen gibt es 6-mal mehr Plastik als Plankton in den Weltmeeren. Fische und andere Lebewesen halten die Plastik-Schwebeteilchen für Plankton und fressen sie. Sie verhungern mit vollem Magen.

Zudem gibt es zahlreiche Meeresschutzprojekte und -organisationen, wie z. B. den Verein „One Earth – One Ocean“, der sich dem Sammeln von Plastikteilen aus dem Meer verschrieben haben. Diese Organisationen sind auf Unterstützung in Form von Kooperationen oder Spenden angewiesen.

Am besten verwendet ein Spa zertifizierte Naturkosmetikprodukte für seine Anwendungen, denn diese enthalten nicht nur kein Mikroplastik oder chemische Zusätze, sondern sie unterstützen in der Regel zudem auch umweltschonende Ressourcen und den fairen Handel.

Vielen Dank, Inez Linke, für das Interview und den spannenden Einblick in eure Arbeit zum Schutz der Meeresschildkröten.