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Naturkosmetik-Trend: Feste Produkte ohne Wasser. Interview mit Carolin Haverkamp von KHK

Ein aktueller Trend in der Naturkosmetik sind feste Produkte, das sind Kosmetikprodukte, welche kein Wasser enthalten. Wir haben diese nun genauer unter die Lupe genommen und mit Carolin Haverkamp von KHK über Vor- und Nachteile sowie Best-Practice-Beispiele gesprochen.

Trend in der Naturkosmetik: Feste Produkte, die ohne Wasser auskommen. Foto: © Kristina Balić / Unsplash

Trend in der Naturkosmetik: Feste Produkte, die ohne Wasser auskommen. Foto: © Kristina Balić / Unsplash

In welchen Anwendungsbereichen machen feste Produkte Sinn und welche Best-Practice-Beispiele gibt es?

Aus meiner Sicht sind feste Produkte immer dann gut, wenn sie ebenso leicht wie ein flüssiges Produkt angewendet werden können und die gleiche Funktion erfüllen. Die Rückbesinnung auf die klassische Handseife in Form des Seifenstücks ist für mich das beste Beispiel.

Grundsätzlich sind feste Produkte, vor allem bei der Anwendung im eigenen Badezimmer, das dadurch ein Stück weit plastikfrei wird, ideal. Hier kann die gesamte Palette – u.a. feste Shampoos und Haarseifen, Zahnputztabs, Körperbutter, Deos oder auch wasserfreie und somit feste Cremes – verwendet werden. Einige Produkte, wie ein Parfümstick oder eine feste Handcreme im kleinen Tiegel, sind aber auch lange verwendbare Alltagsbegleiter unterwegs.

Für alle, die im Sommer draußen sportlich unterwegs sind, finde ich einen festen Sonnenstick gut. Die Sonnencreme kann man direkt mit dem Stick applizieren und sie muss nicht erst in den Händen verteilt werden, um sie dann auf der Haut aufzutragen.

Nachhaltigkeit ist ein Argument! Was bewegt Kund*innen außerdem noch zum Kauf?

Da feste Produkte quasi kein Wasser enthalten, bekommt der Verbraucher ein ergiebiges Produkt, dass nicht durch einen Wasseranteil „verlängert“ werden muss. Dadurch sind die Produkte so reichhaltig, dass meist kleine Anwendungsmengen ausreichen.

Gleichzeitig kann auf Konservierungsmittel verzichtet werden, ohne dass die Haltbarkeit eingeschränkt ist.

Gerade jetzt in der Sommer- und Reisezeit bieten die festen Produkte auch den Vorteil, dass sie meist leicht und platzsparend sind, nicht auslaufen können und bei Flugreisen keiner Mengenbeschränkung unterliegen.

Kann man bei diesen Produkten vielleicht sogar auf die Verpackung verzichten? Wenn nein, wie könnte eine nachhaltige Verpackung aussehen?

Einen vollständigen Verzicht auf eine Umverpackung bewerte ich im Handel, wenn es kein Unverpackt-Laden ist, sowie bei Online-Bestellungen aktuell schwierig. Wenn wir uns als Verbraucher zukünftig aber darauf einlassen, im Einzelhandel Produkte zu kaufen, die nicht perfekt aussehen, sondern auch eine kleine Macke haben können, kann ich mir vorstellen, dass beispielsweise Seifen in größeren Kartonagen an den Handel geliefert werden. So kann die Seife unverpackt vom Verbraucher entgegengenommen werden.

In der Sommerzeit bieten die festen Produkte, wie diese Bartpflege, den Vorteil, dass sie nicht auslaufen können. Foto: KHK GmbH

In der Sommerzeit bieten die festen Produkte, wie diese Bartpflege, den Vorteil, dass sie nicht auslaufen können. Foto: KHK GmbH

Die Verpackung kann bei festen Produkten generell stark reduziert werden, wenn beispielsweise ein Wachspapier oder eine Kartonage als Umverpackung genutzt wird, die im besten Fall einen Recycling-Anteil hat. Es besteht keine Notwendigkeit, eine Primärverpackung wie eine Tube zu verwenden, die dann in einer Sekundärverpackung eingepackt ist, die teilweise nochmals einen Beipackzettel enthält. Um bei dem Beispiel Seifenstück zu bleiben, kann ich mir einen kleinen, wiederverwendbaren Beutel vorstellen, den ich analog zum Obstnetz mit zum Einkaufen nehme, um mein Produkt direkt dort hinein zu packen.

Mit welchen Nachteilen hat die feste Kosmetik noch zu kämpfen gegenüber konventionellen Pflegeprodukten?

Carolin Haverkamp, Key Account Manager. Foto: Carolin Haverkamp

Carolin Haverkamp, Key Account Manager. Foto: Carolin Haverkamp

Der Vorteil der hohen Ergiebigkeit kann gleichzeitig ein Nachteil sein, wenn feste Kosmetika in der falschen Menge dosiert werden. Da wird eine Creme schnell als zu fettig oder ölig auf der Haut bewertet. Feste Cremes sind die ideale Kosmetik in der Winterzeit, wenn die Haut intensiver gepflegt werden möchte. Im Sommer ist eine deutlich leichtere Variante sinnvoll, die weniger ölhaltige Rohstoffe enthält und somit den Wasseraustausch zwischen Körper und Umwelt nicht einschränkt. Außerdem ist es schwieriger, feuchtigkeitsspendende Produkte zu entwickeln, auch wasserlösliche Wirkstoffe sind schwerer bis gar nicht einzuarbeiten.

Bei der Anwendung sehe ich den Nachteil, dass Seifenstücke von Hand zu Hand weitergereicht werden, was außerhalb der eigenen vier Wände als unhygienisch empfunden werden kann. Bei häufiger und kurz aufeinander folgender Verwendung werden Seifen außerdem matschig, sodass sie in der Schale unappetitlich aussehen. Zum Thema Putzen ist die Bildung von Seifenkalk ein direkt sichtbarer Nachteil im Waschbecken, den man in Kauf nehmen muss.

Ein festes Deo, das mit dem Finger aus einem Tiegel entnommen wird, kann zudem als unhygienischer empfunden werden, da die gesamte Oberfläche des Produktes im Moment der Anwendung offen ist. Hinzu kommt, dass die Applikation mit dem Finger nicht von allen gewollt ist.

Vielen Dank, Carolin Haverkamp, für den kleinen Einblick in die festen Kosmetikprodukte. Wir sind gespannt, was sich in diesem Bereich noch tun wird!