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Gibt es in Zukunft keine Kosmetikrohstoffe mehr in Bioqualität? Interview mit Franziska Breisinger von AOT

Welche Anforderungen stellt Bio an einen Kosmetikrohstoff? Franziska Breisinger, Verkaufsleiterin von All Organic Treasures, hat beim vergangenen NaturkosmetikCamp eine sehr interessante Session zu diesem Thema gehalten. Wir wollten mehr wissen und haben mit Franziska darüber gesprochen, worauf man beim Rohstoff-Einkauf achten sollte und wo hier die Herausforderungen liegen.

Sheabutter aus Burkina Faso. Foto: All Organic Treasures

Sheabutter aus Burkina Faso. Foto: All Organic Treasures

Gleich vorweg gefragt, warum sind Bio-Rohstoffe für Kosmetik-Produkte knapp?

Ich würde nicht grundlegend sagen, dass Bio-Rohstoffe knapp sind. Der gesamte Bio-Markt, ob im Lebensmittelbereich oder in der Kosmetik, wächst. Die meisten Rohstoffe werden für beide Bereiche genutzt, da kommt es automatisch manchmal zu Schwierigkeiten. Zu hohe Nachfrage bei entsprechend wenig Angebot ergibt natürlich einen Verfügbarkeitsengpass. Rohstoffe wie fette Öle, ätherische Öle, Wachse oder ähnliches sind Naturprodukte. Auch klimatische Bedingungen oder Verunreinigungen durch Kontaminanten, wie Pestizide, lassen so manches Produkt zusätzlich knapp werden.

Es gibt unterschiedliche Regeln für Bio im Lebensmittel- und Kosmetikbereich. Wo liegen konkret die Unterscheide?

Die EU-Bio-Richtlinie gilt ausschließlich für Lebensmittel. Wer auf ein Lebensmittelprodukt BIO draufschreibt, ist gesetzlich dazu verpflichtet, auch zertifiziert zu sein. Für Naturkosmetik gibt es unterschiedliche Zertifizierungen, mit einem verschieden hohen geforderten Anteil an Bio-Rohstoffen wie z.B.: Natrue oder COSMOS. Jedoch muss für manche Rohstoffe eine Bio-Zertifizierung vorliegen, auch im Naturkosmetikbereich. Diese ist dann den Biolebensmittel-Gesetzen unterstellt, das macht keinen Unterschied.

Es gibt auch einige Rohstoffe, die per se nicht als Lebensmittel geeignet sind wie zum Beispiel Jojobaöl oder Rizinusöl. Da diese aber auch landwirtschaftlichen Ursprungs sind, können auch diese nach den Richtlinien zertifiziert werden.

Worauf sollte man beim Rohstoff-Einkauf achten, wo liegen hier Herausforderungen? Kannst du hier ein paar Tipps geben?

Auf jeden Fall sollten die Rohstoffe eine gültige Bio-Zertifizierung haben und auch korrekt gelabelt sein. Hier gibt es im Kosmetikbereich manchmal Fehlinformationen. Auch sollte man sicherstellen, dass alle Dokumente, wie eine Spezifikation und Analyse, vorhanden sind. Des Weiteren sollten auf Nachfrage, Ergebnisse zu Rückständen, wie Pestiziden oder Weichmachern, zur Verfügung gestellt werden können.

Franziska Breisinger in ihrer Session beim NaturkosmetikCamp 2018 in Brandenburg. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Franziska Breisinger in ihrer Session beim NaturkosmetikCamp 2018 in Brandenburg. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Ein Ergebnis deiner Session war, dass Kosmetikhersteller die Verantwortung selbst tragen und entscheiden müssen, welche Rohstoffe eingekauft werden sollen. Nach welchen Standards werden die Qualitäten bewertet?

Der Hersteller muss natürlich in Zusammenarbeit mit seiner jeweiligen Zertifizierung entscheiden, ob er konventionelle oder Bio-zertifizierte Rohstoffe einsetzt. Auch muss er anhand seiner Produkte entscheiden, welche Art Rohstoff er benötigt – ob es ein kaltgepresstes Öl sein muss oder er eine raffinierte Qualität benötigt. Im danach gelagerten Schritt sind Entscheidungsgrundlagen wie Verfügbarkeit, Preis, Sensorik und Qualität kaufentscheidend.

AOT bietet Rohstoffe und Öle sowohl für Biolebensmittel als auch Naturkosmetik an. Wo liegt für euch der größte Unterschied in der Zusammenarbeit mit euren Kunden?

Die Grundansprüche sind natürlich identisch wie oben: Qualität, Verfügbarkeit und Preis. Auch die Ansprüche was Zertifizierungen, Analytik und Qualitätsfragebögen angeht, ist inzwischen in beiden Bereichen sehr hoch. Kosmetikhersteller haben durch ihre Branche eine bessere Vorausplanung, wobei Lebensmittelhersteller oft sehr kurzfristig planen müssen. Dagegen sind Lebensmittelhersteller in der Entwicklung von Neuprodukten deutlich flexibler und spontaner, im Kosmetikbereich bedarf dies üblicherweise einer sehr langen Vorlaufzeit.

Vielen Dank, Franziska Breisinger, für deine aufschlussreichen Antworten und Einblicke in deine NaturkosmetikCamp-Session 2018.