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Wie gelingt eine Kooperation mit Blogger*innen? Interview mit Franziska Schmid und Jessica Kunstmann

Franziska Schmid von Veggie Love und Jessica Kunstmann von New Moon Club haben in ihrer NaturkosmetikCamp-Session vergangenes Jahr ganz offen über die Zusammenarbeit von Blogger*innen und Unternehmen diskutiert. Im Interview erzählen die beiden engagierten Bloggerinnen, was es braucht, damit eine Kooperation gelingen kann und wo die häufigsten Stolpersteine zu finden sind.

Wie gelingt eine Kooperation mit Blogger*innen? Foto: Fotolia/georgerudy

Wie gelingt eine Kooperation mit Blogger*innen? Foto: Fotolia/georgerudy

Liebe Franziska, liebe Jess, lasst uns gleich voll einsteigen: Was würdet ihr sagen, welche entscheidenden Elemente braucht es, damit eine Kooperation gelingen kann?

Meist sind es mehrere Faktoren, die in Kombination miteinander eine gute Kooperation ausmachen. Dazu gehören:

Glaubwürdigkeit

Diese gilt selbstverständlich für beide Seiten. Als Blogger*in sollte man sich immer fragen, ob man authentisch über eine Marke oder ein Produkt berichten kann. Passt es zur eigenen Person und zum Blog? Ebenso ist es wichtig für Unternehmen, mit Content Creators zusammen zu arbeiten, die zur Philosophie und den damit einhergehenden Werten passen.

Langfristigkeit

Es macht Sinn, nicht nur einmalig zusammenzuarbeiten, sondern eine Kooperation für einen längeren Zeitraum zu planen. Das können einige Monate oder im Idealfall auch Jahre sein. Je mehr Wissen und tiefere Einblicke wir als Blogger*innen in ein Unternehmen bekommen, desto bessere und gehaltvollere Inhalte können wir für unsere Leser*innen kreieren. Wir merken zudem immer wieder, wie sehr wir uns gerade in längerfristigen Zusammenarbeiten als (inoffizielle) Markenbotschafterinnen fühlen und das Unternehmen auch über unsere Artikel hinaus gut repräsentieren. Davon profitieren natürlich auch Unternehmen. Wir wissen es zudem zu schätzen, dass Unternehmen im besten Fall über den finanziellen Aspekt auch Ressourcen wie Wissen/Bildung und Zeit in eine Zusammenarbeit investieren, um uns Marke und Produkte näher zu bringen – da macht es Sinn, langfristig zusammenzuarbeiten.

Wertschätzung und Respekt

Die Grundlage für jede gute Geschäftsbeziehung.

Nutzen für alle

Nur wenn die, im Rahmen einer Kooperation geschaffenen, Inhalte einen Mehrwert für Leser*innen, die Marken bzw. das Unternehmen sowie die Content Creators bieten, macht eine Kooperation überhaupt Sinn.

Franziska Schmid und Jessica Kunstmann bei ihrer Session beim NaturkosmetikCamp 2018 in Brandenburg. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Franziska Schmid und Jessica Kunstmann bei ihrer Session beim NaturkosmetikCamp 2018 in Brandenburg. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Transparenz

Dieser Punkt gilt ebenfalls für beide Seiten, allerdings auf andere Art und Weise. Transparent zu sein für Blogger*innen bedeutet, die Inhalte einer Kooperation entsprechend als Werbung oder Anzeige zu kennzeichnen. Um die Basis für eine gute Zusammenarbeit zu schaffen, ist es sehr hilfreich, wenn sich Unternehmen transparent ihren Kooperationspartner*innen zeigen. Je mehr wir von Unternehmen über ihre Geschichte, Philosophie und Produkte lernen können, desto besser.

Mit unterschiedlichen Content Creators arbeiten

Gerade im Bereich Naturkosmetik setzen einige Unternehmen nach wie vor nur auf die Zusammenarbeit mit Blogger*innen, die auf Naturkosmetik spezialisiert sind. Wir empfehlen auch über den Tellerrand hinaus zu schauen und mit einer Mischung von Content Creators aus verschiedenen Bereichen und mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten zu kooperieren. Das sorgt für diverse Inhalte auf verschiedenen Plattformen und damit auch für eine breitere Reichweite für Unternehmen.

Viele Unternehmen arbeiten nicht mit Blogger*innen zusammen, mit der Begründung, dass der Erfolg der Kooperation nicht messbar ist. In der Session habt ihr euch über diesen Punkt unterhalten, welche Ergebnisse konntet ihr erarbeiten?

Prinzipiell kann man dazu sagen: online lässt sich sehr viel messen, vor allem im Vergleich zu Print. Im Fall von Kooperationen sollte man zudem definieren, welchem Zweck sie dienen soll. Geht es um Abverkauf von Produkten oder um Image und Bekanntheit? Durch einen gesetzten Link zum Shop kann beispielsweise ganz genau gemessen werden, wieviele Leser*innen klicken und kaufen.

Wenn es allerdings darum geht, Einblicke ins Unternehmen oder Produkte zu geben, ist zwar messbar, wie viele Menschen den Artikel auf dem Blog oder über Social Media sehen. Wieviele danach direkt ein Produkt kaufen oder die Marke weiterempfehlen, ist nicht direkt ersichtlich. Im Gegensatz zu gedruckten Medien kann man dennoch die Reichweite viel genauer messen. Die Inhalte bleiben zudem über einen langen Zeitraum online und auffindbar.

Jessica Kunstmann, New Moon Club. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Jessica Kunstmann, New Moon Club. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Naturkosmetik-Blogger*innen kennen viele Marken: Wo seht ihr bei Marken die häufigsten Fehler im Marketing?

Wie in vielen Geschäftsbereichen macht es auch im Marketing Sinn, eine Strategie und ein Konzept zu entwickeln und zu verfolgen, die genau auf die Marke und das Unternehmen zugeschnitten sind. Kooperationen mit Blogger*innen können ein Teil des Marketing-Mix sein, müssen es aber nicht zwingend. Nicht jede Marke muss alle Möglichkeiten im Bereich Kommunikation nutzen, sondern sollte lieber die ausschöpfen, die wirklich für ihre Bedürfnisse und Ziele Sinn machen.

Was haltet ihr vom Begriff des „Influencers“? Seht ihr euch auch als Influencerinnen oder sind Blogger*innen doch anders?

Wir sehen uns ganz klar als Bloggerinnen und definieren unsere Blogs als digitale Heimat. Die sozialen Kanäle wie Instagram, Facebook oder Pinterest sind da eher der verlängerte Arm. Zugleich haben unsere Inhalte Einfluss, inspirieren unsere Leser*innen, regen sie zum Nachdenken an oder haben einen anderen positiven Impact.

Franziska Schmid, Veggie Love. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Franziska Schmid, Veggie Love. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Das Bloggen in diesem Sinne gibt es nun ja schon eine Zeit. Wird sich die Art des „Bloggens“ in Zukunft ändern – was denkt ihr?

Geschichten erzählt oder aufgeschrieben wurde schon immer. Früher auf die Wände von Höhlen, später auf Papyrus und dann in Buchform. Zeitungen und Magazine gibt es auch im digitalen Zeitalter noch, ebenso wie Bücher. Blogs sind dagegen noch recht jung. Doch haben wir in den letzten Jahren eine Professionalisierung der Inhalte gesehen, ebenso wie eine größere Selbstverständlichkeit des Bloggens als Beruf.

Auch bei vielen Unternehmen gehören Blogs inzwischen fest zum Marketing-Mix und sind ein wichtiges Instrument, die Geschichte des Unternehmens zu erzählen und abzubilden. Wir sind uns sicher, dass sich das die kommenden Jahre weiter verstärken wird. Zudem sind Bewegtbilder in Form von Videos sowie Podcasts sehr wichtige Medien, die in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen werden.

Vielen Dank euch zwei, Franziska Schmid & Jessica Kunstmann, für euren Einblick als Bloggerinnen in die Zusammenarbeit mit Unternehmen und die Vertiefung zu eurer NaturkosmetikCamp-Session.