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Naturkosmetik im Bioladen – antiquiert oder zeitgemäß? Im Gespräch mit Christiane Huber

Naturkosmetik gibt es heute an vielen Orten zu kaufen: in der Apotheke, in den Drogeriemärkten, im Discounter, in spezialisierten Online-Shops – und nicht zuletzt natürlich auch im Bioladen. Doch ist der Bioladen noch der richtige Anlaufpunkt für Naturkosmetik? Dieser Frage ist Christiane Huber, Inhaberin von Biostars, in ihrer Session auf dem 5. NaturkosmetikCamp nachgegangen. Wir haben nachgehakt:

Naturkosmetik im Bioladen – antiquiert oder zeitgemäß? Foto: Fotolia/Robert Kneschke

Naturkosmetik im Bioladen – antiquiert oder zeitgemäß? Foto: Fotolia/Robert Kneschke

Christiane, zu Beginn deiner Session hast du verdeutlicht, dass der Naturkosmetikmarkt wächst, aber die Bioläden dabei derzeit an Marktanteilen verlieren. Woran liegt das?

Lange war Naturkosmetik ausschließlich im Bioladen erhältlich. Das hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. In der Session beim 5. NaturkosmetikCamp haben wir darüber gesprochen, dass Kund*innen zertifizierte Naturkosmetik inzwischen in vielen unterschiedlichen Läden oder auch online kaufen können. So hat sich die Kosmetik lange Zeit unkompliziert mitverkauft, einfach weil es sie im Bioladen gab.

Inzwischen erwarten die Kund*innen mehr: fachgerechte Beratung, zeitgemäße Präsentation und ein aktuelles Sortiment. Gerade bei der Beratung haben Drogeriemärkte, wie z. B. der Müller Naturshop, teilweise besser geschulte und informierte Mitarbeiter*innen.

Manche Bioläden haben sich da nicht mitentwickelt, weil Kosmetik oft nur ein Randsortiment ist, dessen Umsatzpotential nicht gesehen wird oder weil die Inhaber*innen keinen wirklichen Bezug zu dieser Warengruppe haben. Dass es auch anders geht, beweisen viele Läden, die eine gut laufende, umsatzstarke Kosmetikabteilung haben.

Wenn es um den Verkauf von Kosmetik und das damit verbundene Einkaufserlebnis geht, gibt es neben der Sortimentsgestaltung zwei große Stellschrauben: die Warenpräsentation und die Beratung. Welche Aspekte sind dabei (auch) im Bioladen besonders wichtig?

Ob man heute Naturkost noch aus einem Ikea-Regal verkaufen sollte, darüber lässt sich streiten; Kosmetik wirkt aber deutlich besser in einem anderen Rahmen. Dabei kann man schon mit kleinen Maßnahmen viel erreichen – hell und sauber sind die Grundbedingungen, optimal ist dazu ein Kosmetikregal mit Glasböden. Die Kund*innen sollen sich wohlfühlen, mit einer Raumbeduftung (die gerade verwendeten Düfte aktiv zum Verkauf anbieten) oder einem Strauß frischer Blumen wirkt die Kosmetikabteilung schon gleich ansprechender.

Bei der Beratung ist es notwendig, dass es im Laden mindestens eine*n Mitarbeiter*in gibt, die/der für den Kosmetikbereich verantwortlich ist und regelmäßig Schulungen besucht. Das Schulungsangebot der Hersteller und Großhändler wird bisher zu wenig in Anspruch genommen. Eine gute Beratung ist auch in der Abgrenzung zum Onlinehandel wichtig. Ein*e Kund*in, die im Laden gut beraten wird und sich gut aufgehoben fühlt, kauft das empfohlene Produkte gleich dort und bestellt es in der Regel nicht erst zu Hause im Onlineshop.

NaturkosmetikCamp 2018, Session "Ist der Bioladen noch der richtige Anlaufpunkt für Naturkosmetik?" mit Christiane Huber. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

NaturkosmetikCamp 2018, Session „Ist der Bioladen noch der richtige Anlaufpunkt für Naturkosmetik?“ mit Christiane Huber. Foto: NKC/Jasmin Walter Photography

Gerade kleine, inhabergeführte Bioläden tun sich beim Thema Naturkosmetik häufig schwer. In welcher Form und durch wen könnten sie Unterstützung erhalten?

Die Hersteller unterstützen die Läden ganz unterschiedlich, teils mit Schulungen oder Aktionstagen vor Ort. Von Seiten des Großhändlers ist eine Unterstützung durch Beratung bei der Sortimentsauswahl, bei der Umsetzung von neuen Konzepten oder auch durch Einlistung neuer Marken für den Fachhandel möglich.

Wenn ich an meinen lokalen Bioladen denke, ist das Naturkosmetik-Sortiment sehr überschaubar. Worauf kommt es bei der Gestaltung des Sortiments an?

Ein Naturkosmetik-Sortiment sollte schon eine, dem Laden angemessene, Auswahl an Produkten bieten. Wenn ein Laden sich mit dem Thema Kosmetik sehr schwer tut, ist es vielleicht im Einzelfall besser, ganz darauf zu verzichten und den Platz lieber für etwas anderes zu nutzen, z. B. um das Weinangebot auszubauen.

Notwendig für die Sortimentsgestaltung ist es, das Umfeld zu kennen. Welche anderen Läden sind in der Nähe, gibt es besonders viele Kleinkinder und wie ist das Mietpreisniveau rundherum.

Es gibt nicht EIN Sortiment, das in jedem Laden funktioniert, sondern es muss individuell dem Laden angepasst werden.

Immer wieder Neuheiten auszuprobieren, damit die Kunden öfter mal etwas Neues entdecken können, finde ich außerdem wichtig.

Angenommen, das Sortiment passt, die Präsentation der Artikel ist ansprechend und das Personal hat eine hohe Beratungskompetenz. Das wäre im Prinzip die Idealsituation. Welche weiteren Maßnahmen können dann noch unterstützend ergriffen werden, um die Kund*innen für die Naturkosmetik zu begeistern und schlussendlich zum Kauf anzuregen?

Da gibt es einige Möglichkeiten, wie z. B. einen Aktionstisch, um Kund*innen auf bestimmt Produkte aufmerksam zu machen – bspw. Detox-Produkte im Frühjahr kombiniert mit passenden Nahrungsergänzungsmitteln. Manche Läden veranstalten Themenabende, bei denen ein bestimmtes Thema, z.B. ätherische Öle, Naturkosmetik selbst gemacht, oder ein Hersteller im Mittelpunkt stehen.

Gerade im Bioladen ist die Beziehung zu den Kund*innen noch enger und das lässt sich gut nutzen, um auch Kund*innen, die bisher zwar auf biologische Nahrungsmittel achten, aber noch keine Naturkosmetik verwenden, auf dieses Angebot aufmerksam zu machen. Ein großer Pluspunkt ist, dass die Kund*innen dort sicher sein können, dass es ausschließlich Naturkosmetik gibt.

Christiane Huber, wir danken ganz herzlich für das Gespräch!