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Sehen und gesehen werden: soziale Netzwerke als Chance für Naturkosmetik-Player

Ach, Social Media, das war irgendwie schon einmal einfacher mit dir. Vor ein paar Jahren war die Social Media Welt ja (fast) noch in Ordnung. Posts wurden im Feed in chronologischer Reihenfolge angezeigt und der Kennzeichnungswahnsinn steckte noch in den Kinderschuhen – die sozialen Netzwerke waren digitale Spielwiesen. 2018 ist Social Media bisweilen ganz schön anstrengend. Algorithmen schränken die Zahl der angezeigten Posts deutlich ein und locken so mit Anreizen für bezahlte Beiträge. Soziale Netzwerke kannibalisieren sich gegenseitig und sind weniger sozial, als man denkt. Stichwort: Gekaufte Follower und Datenschutz-Skandal. Wer hat da noch Lust, als Unternehmen oder Unternehmer/in in der Manege des Social Media Zirkus mitzumachen? Dafür gibt es trotz allem einige gute Gründe:

Soziale Netzwerke als Chance für Naturkosmetik-Player. Foto: Fotolia/Sondem

Soziale Netzwerke als Chance für Naturkosmetik-Player. Foto: Fotolia/Sondem

1. Kostenfrei – wenn auch leider nicht umsonst

Ein Plus der sozialen Netzwerke: die Einstiegshürden könnten kaum niedriger sein. Jedes noch so kleine Unternehmen kann x plus 0 einen Account bei Instagram, Facebook, Pinterest und Co. eröffnen und sofort loslegen. Die Kehrseite: auch wenn Anmeldung und Nutzung kostenlos erfolgen – umsonst sind Plattformen wie der Facebook-Riese dennoch nicht. Denn jeder Nutzer zahlt letztendlich mit einer anderen Währung: seinen Daten. Damit wird gehandelt und vermarktet, was das Zeug hält.

Spätestens mit dem In-Kraft-Treten der DSGVO am 25.05. ist Datenschutz ohnehin ein Top-Thema für jeden, der im Netz präsent ist. Datensicherheit in sozialen Netzwerken? Nun, das bleibt abzuwarten.

2. Kommunikation in Echtzeit – informell, schnell und unmittelbar

User nehmen auf sozialen Netzwerken, häufig unter dem Deckmantel anonymer Nicknames, kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, ihre Meinung frei zu äußern. Selten erhaltet ihr auf anderen Wegen so unmittelbar Feedback zu euren Produkten, Angeboten, Dienstleistungen etc. und habt auf informellem Weg den direkten Draht zu euren (potenziellen) Kunden. Im Umkehrschluss heißt das aber natürlich auch, dass man mit negativem Feedback oder sogar einem Shit-Storm professionell umgehen können muss.

i+m berichtet am Fair Friday auf Instagram über soziale Projekte. Foto: Ida König

i+m berichtet am Fair Friday auf Instagram über soziale Projekte. Foto: Ida König

Soziale Medien sind eine gute Möglichkeit, um Wünsche, Bedürfnisse, Meinungen und Anregungen eurer Fans und/oder Kunden einzufangen; gezielt ist das sogar über einfache Umfrage-Tools innerhalb der Netzwerke möglich. In Summe ergibt sich damit insbesondere für Nischenmarken eine vergleichsweise kostengünstige Ergänzung zu aufwendiger Markt- und Meinungsforschung.

Bestenfalls lässt sich sogar eine ganz eigene Community aufbauen – das ist bspw. der Marke Ponyhütchen auf Facebook gelungen. Im #ponypower Club, der markeneigenen, öffentlichen Facebook-Gruppe, erhalten die Mitglieder exklusive Informationen und Angebote und können ihre Fragen direkt an das Ponyhütchen-Team stellen.

3. Grüne Werte vermitteln – strategisch und vielseitig

Einige Unternehmen haben das Social Media Game noch immer nicht verstanden und feuern lediglich fröhlich ihre lauten, unpersönlichen Werbebotschaften (Unsere Produkte sind die besten, schönsten, wirksamsten! Kaufen, kaufen, kaufen!) in die digitale Welt. Das ist auf Dauer nicht nur ermüdend, sondern bietet vor allem wenig Mehrwert.

Dabei lassen sich gerade Plattformen wie Facebook oder auch Instagram hervorragend dazu nutzen, die grünen Werte der Naturkosmetikbranche zu kommunizieren!

Neben inspirierenden Bildern der eigenen Produkt- und Markenwelt eignen sich daher Behind-the-scenes-Bilder aus der Produktion, virtuelle Ausflüge zu Fairtrade-Partnern, Infos über die Herkunft verwendeter Inhaltsstoffe, kurze Einblicke in den Unternehmensalltag, Live-Berichterstattung von Events – die Möglichkeiten sind breit gefächert.

Wie das erfolgreich auf Instagram funktionieren kann, zeigen beispielsweise die vielseitigen Insta-Storys von Primavera oder der „Fair Friday“ von i+m Naturkosmetik, der wöchentlich Hintergrundinfos und Einblicke in Fairtrade-Projekte liefert. Julia Keith hat in diesem Beitrag bereits aufgezeigt, warum insbesondere Naturkosmetik und Instagram so gut zusammenpassen.

4. Man muss nicht alles selber machen – Support durch Andere

Produkterklärung von Primavera in einer Instagram-Story. Foto: Ida König

Produkterklärung von Primavera in einer Instagram-Story. Foto: Ida König

Die soziale Komponente von Facebook und Co. hat nicht nur den Vorteil der Interaktion (siehe Punkt 2), sondern beinhaltet auch die Chance, nicht alles selber machen zu müssen. Damit meine ich weniger die komplette Auslagerung der Social Media Aufgaben an externe Dienstleister, sondern vielmehr die Möglichkeit von Kooperationen im Rahmen des Influencer Marketings – dem new king of content.

Blogger nehmen bspw. PR-Samples zwar in aller Regel ohne Zwang zur Review an, sind aber oftmals auf sozialen Kanälen überdurchschnittlich aktiv und berichten dort von ihren Erfahrungen mit Produkten. Der entsprechende Content kann dann natürlich auch auf den eigenen Kanälen geteilt werden. Eine andere Möglichkeit sind bezahlte Kooperationen mit Influencern, sei es ein Blogpost inklusive Social Media Sharing oder der immer häufiger anzutreffende Takeover von sozialen Kanälen durch einen passenden Influencer.

5. Folgt uns – soziale Netzwerke als Magnet für die eigene Website

Wer von Algorithmen und dem Zwang zu bezahlten Posts in den sozialen Netzwerken genervt ist, kann ja immer noch back to the roots gehen – lang lebe die Website. Die Vorteile von eigenem  Content liegen auf der Hand: er ist beständig, muss nicht gesponsert werden, Daten verbleiben intern. Ein unternehmenseigener Blog bietet als modernes Kommunikationsinstrument gleichzeitig die Möglichkeit zur Interaktion auf der eigenen Website.

Tipps zum Aufbau eines Corporate Blog findet ihr bereits in diesem Beitrag. Soziale Netzwerke können mit einem Unternehmensblog gut Hand in Hand gehen und wie eine Art zusätzlicher Verteiler genutzt werden, um Interessierte auf die eigene Website/den eigenen Blog zu lotsen. Auch die Einbindung in das Influencer Marketing ist möglich.

Die Chancen und Möglichkeiten, die soziale Medien bieten, sind also trotz der Schattenseiten nahezu grenzenlos. Fast – denn es braucht dafür neben einer Strategie und klar definierten Zielen vor allem Zeit, Ideen, Verantwortliche, Kontinuität und nicht zuletzt auch Budget. Der Aufwand lohnt sich meiner Meinung nach dennoch, denn auch im Netz gilt: sehen und gesehen werden.