BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Bio- und Naturkosmetik

Einsichten einer Naturkosmetik-Bloggerin. Interview mit Julia Keith von beautyjagd

Julia Keith von beautyjagd wird das 5. NaturkosmetikCamp eröffnen. Unter dem Titel „Einsichten einer Bloggerin“ wird sie einen sehr persönlichen Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft der Naturkosmetik werfen. Eine kleine Einführung in ihre Eröffnungskeynote gibt Julia schon heute im Interview.

„Einsichten einer Bloggerin“ – Eröffnungs-Keynote mit Julia Keith beim NaturkosmetikCamp 2018 . Foto: Julia Keith

„Einsichten einer Bloggerin“ – Eröffnungs-Keynote mit Julia Keith beim NaturkosmetikCamp 2018 . Foto: Julia Keith

Wir freuen uns sehr, dass du beim NaturkosmetikCamp die Eröffnungskeynote hältst und die Einsichten einer Bloggerin mit uns teilst. Auf was dürfen sich die Teilnehmer freuen?

Ich freue mich ebenfalls, die Keynote zur Eröffnung zu halten! Der Einstieg wird etwas persönlicher werden, ich werde nicht nur erzählen, wie ich zum Bloggen gekommen bin, sondern auch, was das mit meinem Leben gemacht hat. Bloggerin zu sein hört sich für viele glamourös an, aber es hat letztlich mehr mit Netzwerken und Disziplin als mit Bio-Champagner zu tun. Ohne die Freude am Thema Naturkosmetik ginge es bei mir nicht.

Wichtig ist außerdem, dass man offen für Veränderungen ist und sich gleichzeitig treu bleibt.

Das gilt auch für die Bereiche Professionalisierung und Social Media.

Obwohl dank Facebook und Co. die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird, bleibst du als Bloggerin dem geschriebenen Wort treu. Was macht dich da so zuversichtlich, dass auch in Zukunft Menschen noch Blogs lesen?

Ich denke, dass verschiedene Kanäle bestens nebeneinander existieren können. Jeder Kanal hat seine Vor- und Nachteile. Für komplexe Themen geht es gar nicht anders, als sich mit vielen Worten darüber zu äußern – das sieht man z.B. auch an der Beliebtheit des Formats „The Long Read“ bei der englischen Zeitung The Guardian. Wenn es dagegen mehr um Bilder und schnell konsumierbare Häppchen zwischendurch geht, da ist Instagram ideal. Und wer nach Link-Tipps sucht oder Lust auf Diskussionen hat, kann man bei Facebook fündig werden.

Du betreibst seit kurzem auch einen eigenen Podcast. Warum?

Einfache Antwort: Ich rede gern! Und ich mag es, mein Wissen und meine Eindrücke auch auf diese unmittelbarere Weise zu teilen. Ich selbst höre sehr gern Podcasts, die meinen Horizont erweitern. Da lag die Idee mit einem Beauty-Podcast nicht fern. Ich suche mir meine Kanäle danach heraus, was zu mir und meinem Thema passt. So habe ich mir z.B. Snapchat eine Weile angesehen und mich dann dagegen entschieden. Ich habe es eher mit den bleibenden Inhalten.

Du schreibst, dass du Instagram und Facebook nur zum Spaß nutzt, um deine Unabhängigkeit zu bewahren. Findest du, dass junge Influencer, die nur noch auf diesen Kanälen präsent sind, zu viel aufs Spiel setzen?

Ja, ich mache mich nicht so gern abhängig und bin freiheitsliebend – genau deswegen habe ich mich ja auch selbständig gemacht. Natürlich ist man nie ganz frei (wie sollte das gehen als sozialer Mensch), aber ich achte schon darauf, mein Risiko zu verteilen. Vielleicht ist das ein Learning aus dem Finanzbusiness, in dem ich ja vorher gearbeitet habe.

Grundsätzlich muss jedes Unternehmen und jeder Influencer für sich selbst eine individuelle Antwort finden, welche Strategie man kommunikativ eingeht. Das ist ja auch zielgruppenabhängig. Da man unmöglich alles machen kann (und schon gar nicht gut), muss man sich auf seine eigenen Stärken und auch Bedürfnisse konzentrieren. Bei mir ist das so: Ich gehe gern in die Tiefe und möchte Kontrolle über meinen Content haben (z.B. wird er angezeigt oder nicht). Da kam für mich nur der Fokus auf die eigene Website in Frage. Trotzdem beobachte ich natürlich genau, was sich auf Social Media tut – und wenn mir eine Anwendung gefällt und zu mir passt, dann mache ich da gern mit, wie zum Beispiel mit meinem Podcast.

Du kennst die Naturkosmetikbranche in- und auswendig. Wie denken die Hersteller und Marken über Instagram, YouTube und Co. Ist der Blog heute das, was „früher“ die Zeitschrift war? Wie bewertest du die bevorzugte Medienlandschaft der Marketingverantwortlichen?

Menschen sind unterschiedlich – und genauso unterschiedlich sind auch die Kommunikationsstrategien der Hersteller und Marken. Wie anerkannt Instagram, Blogs, Youtube etc. sind, hängt oft davon ab, ob die Marketingverantwortlichen selbst Spaß daran haben, neue Wege zu beschreiten. Und auch, wie intensiv sie die neuen Medien selbst nutzen. Tendenziell würde ich die Branche insgesamt eher nicht unbedingt als „First Mover“ bezeichnen, was Internet und Social Media angeht – Ausnahmen gibt es aber natürlich immer, die da von Anfang an erfolgreich mitgemischt haben.

Das heißt nun keinesfalls, dass ich jeder Marke empfehle, auf jeden Social Media-Trend aufzuspringen, aber es heißt:

Unbedingt am Ball zu bleiben und zu sehen, wohin die Reise hinsichtlich der Kommunikation in Zukunft geht.

Denn da sind ganz schöne Umbrüche absehbar… Dafür braucht man nur mal wirklich jungen Leuten aufs Smartphone zu gucken! Auch bei den älteren Generationen schleichen sich weiter neue digitale Gewohnheiten ein. Unternehmen müssen nun einfach auf mehr Kanälen als früher spielen: Neben Print gibt es eben noch Blogs, Youtube, Facebook, Twitter, Instgram etc. Da muss man dann als Unternehmen die richtige Wahl für sich und seine Kunden treffen.

Aktuell im Trend: Gesichtspflegekonzepte mit feuchtigkeitsspendenden Gesichtswässern. Foto: beautyjagd

Aktuell im Trend: Gesichtspflegekonzepte mit feuchtigkeitsspendenden Gesichtswässern. Foto: beautyjagd

Du bist viel unterwegs. Auch international in UK, Asien und USA. Welche zwei Trends sind auch bei uns schon spürbar? Sind wir in Europa noch Trendsetter was Naturkosmetik angeht?

Trendsetter, dass Naturkosmetik überhaupt einen höheren Stellenwert bekommen hat – bestimmt! Mit beteiligt sind da auch die „neuen“ Medien, die den Kunden ganz andere Informationsmöglichkeiten eröffnet haben. Innerhalb der Naturkosmetik – produktseitig – passiert anderswo oft mehr, weil man sich dort mehr an der konventionellen Kosmetik orientiert, die ja sehr stark innovationsgetrieben ist. Konkret wären das z.B. Gesichtspflegekonzepte mit feuchtigkeitsspendenden leicht geligen Gesichtswässern. Oder aber übergreifender gesehen, die Entwicklung von anwendungsfreundlichen oder spannenden Texturen. Aber auch bei uns gibt es weiter Innovationen, meist jedoch von kleinen StartUps. Da kommt mir z.B. die innovative Verpackung und überhaupt die Idee des wasserlosen Pulverwunders von Plaine in den Sinn.

Magst du einen Blick in die Zukunft werfen und uns je ein Beispiel nennen? Was wird deiner Meinung auch in 10 Jahren noch Bestand haben – im Marketing und beim Produkt?

Meine Prognose geht dahin, dass Produktentwicklung, Marketing und Kommunikation immer enger verwoben werden. Da die Kunden zukünftig noch mehr wissen wollen, wo ihr Produkt herkommt und von wem es hergestellt wurde, hat die Naturkosmetik da schon eine gute Position. Ein Beispiel dafür sind faire Bio-Anbauprojekte von Rohstoffen. Sie werden immer wichtiger werden, sowohl für das Produkt selbst als auch für das Marketing und die Kommunikation. Auch authentische Gründungsgeschichten werden noch stärker nachgefragt werden. Da sollte sich die Naturkosmetik nicht die Chance entgehen lassen, ihr Engagement und ihre Transparenz kommunikativ stärker in den Vordergrund zu stellen.

Vielen Dank, Julia Keith, für deine Zeit und einen kleinen Einblick in deine Keynote beim NaturkosmetikCamp 2018 in Brandenburg. Wir sind gespannt und freuen uns schon! Hier geht es zu Julias Blog beautyjagd.