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Konventionell, naturinspiriert oder Natur- und Biokosmetik – wo liegen die Unterschiede bei den Inhaltsstoffen?

Die Hersteller von Kosmetikprodukten wollen innovativ sein, ihr Produkt laufend verbessern und wettbewerbsfähig bleiben. Neue Produkte erfordern in erster Linie neue Rohstoffe. Zum Nutzen der Verbraucher beziehen und kombinieren die Hersteller diese Inhaltsstoffe sorgfältig, um ansprechende Produkte zu entwickeln. Diese müssen sicher und wirksam sein und – bei Natur- und Biokosmetik – die Erwartungen bezüglich Authentizität erfüllen. Nach welchen Aspekten werden Inhaltsstoffe also ausgesucht und wie wirken sie sich auf die Eigenschaften der fertigen Produkte aus, die wir kaufen?

Wie trifft man die richtige Auswahl an Inhaltsstoffen für ein Produkt? Foto: Fotolia / kerdkanno

Wie trifft man die richtige Auswahl an Inhaltsstoffen für ein Produkt? Foto: Fotolia / kerdkanno

Sicherheit geht vor: Reduzierung der Auswahl

Egal ob ein Inhaltsstoff natürlich oder synthetisch ist, er muss sicher im Gebrauch sein. In der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 ist Sicherheit ein integraler Bestandteil. Um Verbraucher zu schützen, legt das Gesetz Regeln fest, welche Inhaltsstoffe ein Hersteller verwenden darf, indem zunächst Stoffe kategorisiert werden.

In den Anhängen dieses EU-Rechts ist vermerkt, welche Stoffe verboten sind (Anhang II), welche in beschränkten Mengen für die Verwendung sicher sind (Anhang III) und welche für eine bestimmte Funktion zugelassen sind (Anhang IV, Farbstoffe; Anhang V, Konservierungsstoffe; Anhang VI, UV-Filter). Die Anhänge decken jedoch nicht alle Inhaltsstoffe ab. Wenn Stoffe nicht in diesen Listen aufgeführt sind, dürfen sie dennoch verwendet werden, solange sie eine positive Risikobewertung des Sicherheitsgutachters besitzen.

Ursprung eines Inhaltsstoffes vs. Produktversprechen

Inhaltsstoffe aus der gesetzlich erlaubten Palette können noch weiter nach ihrem Ursprung unterteilt werden, also danach, ob sie natürlichen oder synthetischen Ursprungs sind. Pflanzenöle sind beispielsweise natürlich, Mineralöle synthetisch. Es gibt zudem halbsynthetische Substanzen, wie das aus Kokosfettsäuren abgeleitete Cocamidopropylbetain.

Während aus der Verordnung hervorgeht, welche Inhaltsstoffe verwendet werden dürfen, spielen die Herkunft der Stoffe und die Kombination von Stoffen unterschiedlicher Herkunft eine wichtige Rolle bei der Definition der Eigenschaften, der Klassifizierung und der Wahrnehmung eines Produkts durch den Verbraucher.

Gegenwärtig werden kosmetische Produkte grob in drei Klassen eingeteilt, je nach Zugabe natürlicher Inhaltsstoffe in der jeweiligen Rezeptur. Diese sind:

1) Konventionelle Kosmetik:

Produkte, bei denen es keine weitere Beschränkung der Auswahl der Inhaltsstoffe gibt als die, die gesetzlich geregelt ist. Üblicherweise sind die meisten Inhaltsstoffe petrochemischer Herkunft.

2) Naturinspirierte Kosmetik:

Produkte mit einer undefinierten Zusammensetzung aus natürlichen Zutaten, Derivaten von natürlichen Inhaltsstoffen, naturidentischen Reproduktionen von natürlichen Inhaltsstoffen und synthetischen Substanzen. Es gibt keine eindeutigen Kriterien für die Herkunft oder Herstellung von Inhaltsstoffen und keine Kontrolle der Mengen der verwendeten Stoffe im Fertigprodukt. Naturinspirierte Kosmetik kann auch rein synthetische Stoffe enthalten, die der Verbraucher nicht von authentischen natürlichen und biologischen Produkten erwartet. Produkte können eine begrenzte Anzahl bestimmter biologischer Bestandteile enthalten.

3) Natur- und Biokosmetik:

Produkte, bei denen die überwiegende Mehrheit oder die gesamte Zusammensetzung natürlichen Ursprungs ist. Produkte dieser Kategorie können zertifiziert sein oder nicht. Da es jedoch für kosmetische Produkte keine offizielle Definition für die Begriffe „natürlich“ und „biologisch“ gibt, stellen die etablierten privaten Siegel für Natur- und Biokosmetik objektiv überprüfbare Kriterien auf, nach denen zertifiziert wird. Diese Kriterien basieren auf dem natürlichen Ursprung und dem Herstellungsprozess und schränken die Verwendung von naturidentischen Inhaltsstoffen stark ein: Nur Konservierungsmittel und bestimmte Mineralstoffe dürfen verwendet werden. Außerdem sind synthetische Inhaltsstoffe sowie aus GVOs stammende Stoffe grundsätzlich verboten. Für Produkte, die sich Biokosmetik nennen wollen, gibt es zudem einen fest definierten Prozentsatz an biologischen Inhaltsstoffen in der jeweiligen Rezeptur. All dies wird getan, um die Wahrnehmung der Verbraucher widerzuspiegeln und um ihre Erwartungen zu erfüllen.

Siegel für Natur- und Biokosmetik bieten objektiv überprüfbare Kriterien. Foto: Fotolia/Robert Kneschke

Siegel für Natur- und Biokosmetik bieten objektiv überprüfbare Kriterien. Foto: Fotolia/Robert Kneschke

Was sind die Trends im Bereich Naturkosmetik?

Mit der stetig steigenden Marktnachfrage und dem steigenden Absatz von Natur- und Biokosmetik beeinflussen Megatrends, wie ethischer und bewusster Konsum, Kaufentscheidungen und damit auch die Inhaltsstoffe, die in Produkten enthalten sind.

In letzter Zeit gibt es einen deutlichen Trend hin zu kosmetischen Inhaltsstoffen, die natürlich und nachhaltig sind und aus verantwortungsvoller Beschaffung stammen, die die Biodiversität respektiert und aufrechterhält. Neue Entwicklungen in der Biotechnologie und Mikrobiologie führen zu natürlichen Inhaltsstoffen mit Anti-Photoaging-Eigenschaften und neue Methoden zur Extraktion von Naturstoffen und zur Kombination von funktionellen Eigenschaften natürlicher Inhaltsstoffe werden interessanter, je mehr der Markt für Natur- und Biokosmetik wächst.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil dieses Trends ist es, dass nicht nur die Isolierung und Herstellung von Inhaltsstoffen berücksichtigt werden, sondern auch auf die Umweltauswirkungen nach der Gebrauchsphase. Ein Beispiel sind Rinse-off-Produkte wie Shampoos, die aufgrund ihrer biologischen Abbaubarkeit und geringen aquatischen Toxizität bewertet werden.

Die Hersteller von Fertigprodukten beherzigen die Forderungen der Verbraucher nach Naturkosmetik und verwenden weniger synthetische Inhaltsstoffe, bevorzugen pflanzliche Inhaltsstoffe und vermeiden tierische Inhaltsstoffe, letzteres, um ihre Produkte „vegan“ nennen zu können. Ein weiterer Grund für die Auswahl von Inhaltsstoffen sind ethische Erwägungen wie Tierversuche, jedoch ist dieser Trend vor allem in Nicht-EU-Ländern zu beobachten, denn Tierversuchen sind in der EU verboten.

In Zukunft werden biobasierte Produkte aus der grünen Chemie die Grundlage für neue Entwicklungen in verschiedenen Bereichen darstellen – auch in der Kosmetikbranche.

Weitere Trends in Bezug auf die Herkunft von Inhaltsstoffen nehmen gerade erst an Fahrt auf: Es werden momentan kosmetische Inhaltsstoffe und Verpackungsmaterialien entwickelt, die im Sinne der der EU-Kreislaufwirtschafts-Strategie aus aufbereiteten Siedlungsabfällen bestehen. Künftig werden innovative Inhaltsstoffe also nicht nur innerhalb eines Produkts zu finden sein.