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Haltbarkeit Naturkosmetik: Was ist nach einem Jahr noch in der Creme? Interview mit Dr. David Hauck

Wie viel Wirkstoff ist nach einem Jahr noch in der Creme? Welche Naturstoffe sind besonders empfindlich und wie kann man Naturkosmetik schützen? Diese und mehr Fragen wurden bei Dr. David Haucks Session beim letzten NaturkosmetikCamp sehr rege diskutiert. Wir wollten mehr zum Thema Haltbarkeit wissen und haben den Chemiker und Forscher zum Interview gebeten.

Dr. David Hauck zum Thema Haltbarkeit Naturkosmetik. Foto: David Hauck

Dr. David Hauck zum Thema Haltbarkeit Naturkosmetik. Foto: David Hauck

Deine Session mit dem Titel „Was ist nach einem Jahr noch in der Creme?“ war das meistgevotete Thema beim NaturkosmetikCamp 2017. Wie hast du deine Session vor Ort erlebt?

Ich habe ein freundliches, aufgeschlossenes und interessiertes Publikum bei meiner Session erlebt. Wir haben gemeinsam überlegt, wie man die empfindlichen Naturstoffe schützen kann und Allergien und Irritationen vermieden werden können. Dadurch sind spannende Ergebnisse entstanden. Dieses Thema ist aktuell sehr heiß, das haben wir auch international auf den Messen erlebt. Hier gibt es einen blinden Fleck.

Neben meiner Session beim NaturkosmetikCamp 2017 hat sich auch das Allgäu von seiner besten Seite präsentiert – rundum gut.

Auf was soll man bei der Verwendung und der Herkunft der Rohstoffe achten, damit diese möglichst lange haltbar sind? Welche Rohstoffe sind grundsätzlich gut, welche weniger?

Das kann man pauschal schlecht sagen. Es ist immer eine Fall-zu-Fall-Entscheidung. Man sollte in der Formulierung immer genügend gesättigte Verbindungen, wie Jojobaöl, verwenden. Darüber hinaus Wirkstoffe sowie ungesättigte Öle und Parfüm mit antioxidativen Actives schützen.

Beim Thema Haltbarkeit macht der Handel auf der einen Seite Druck, auf der anderen Seite können die Richtlinien der Naturkosmetik diese Forderungen oft nicht erfüllen, im Gegensatz zur konventionellen Kosmetik. Verlangt der Handel hier zu viel?

Mit einer guten Logistik und kurzen Lagerzeiten kann man schon viel erreichen. Bei Lebensmitteln haben wir uns als Handel und Verbraucher auf kurze Lagerzeiten eingestellt. Hier ist die Kosmetik jedoch noch stark dagegen. Doch da Naturkosmetik meist auch aus Lebensmitteln besteht, sollte man hier umdenken.

Du sagtest in deiner Session, dass man durch richtige Antioxidationsmittel und gute Verpackung Allergene verringern oder vermeiden kann. Hast du konkrete Tipps für uns?

Ja. Am besten schon die Rohstoffe im Lager vor der Produktion mit dem richtigen Antioxidans versetzen. Man muss auch wissen, was man schützen will, und dementsprechend das richtige Mittel auswählen. Tiegel-Produkte sollten reduziert werden und Verpackungen sollten Sauerstoff-Barrieren aufweisen. Außerdem sollten Airless-Systeme bevorzugt werden. Das sind alles auch wirtschaftliche Fragen.

Des Weiteren sollte man sich überlegen, welches Antioxidationsmittel man dazugibt. Viele Firmen verwenden pauschal Vitamin E, das wirkt selber prooxidativ. Ich finde, man sollte sich mehr Kenntnisse in diesem Bereich aneignen. Das neue StoppOx ist im Moment in der Naturkosmetik ein „State of the Art“-Schutz.

Denkst du, schadet das Haltbarkeitsthema dem Image von Naturkosmetik? Wie kann man dem in der Kommunikation entgegenwirken?

Ich denke, es ist genau anders herum. Wenn ich etwas schützen muss, was lebt und wirkt, ist es doch eingängiger. Totes Paraffinöl muss ich nicht schützen. Klarerweise ist dann auch die Wirkung sehr übersichtlich.

Dein Unternehmen Dr. Hauck Research & Development führst du gemeinsam mit deiner Frau Brigitte. Was hat den Ausschlag für die Gründung gegeben?

David Hauck mit seiner Frau Brigitte. Foto: David Hauck

David Hauck mit seiner Frau Brigitte. Foto: David Hauck

Mitunter ausschlaggebend für die Gründung von Dr. Hauck Research & Development war, dass es in der Naturkosmetik tatsächlich zu wenig echte Forschung gibt. Meist werden nur Produkte entwickelt und es wird auch hier nicht zu sehr über den Tellerrand hinausgesehen. Es gibt noch viele offene Fragen, die sich der Branche stellen werden – Sicherheit und Wirkung von Naturstoffen und Produkten im Allgemeinen.

Diese Themen mit auch ganz neuen innovativen Ansätzen anzugehen und trotzdem wirtschaftlich zu bleiben, das ist ein Drahtseilakt. Gerade in einer produktentwicklungsgetriebenen Industrie. Die meisten Branchen geben mindestens fünf Prozent ihres Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus – die Naturkosmetik liegt weit drunter.

Vielen Dank, Dr. David Hauck, für diese aufschlussreichen Antworten zu diesem aktuellen Thema.