BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Bio- und Naturkosmetik

Naturkosmetik Branchenkongress 2017 im September zum 10. Mal. Interview mit Veranstalter Wolf Lüdge

Mit dem Fokus auf die zukunftsorientierte Ausrichtung der Naturkosmetik findet am 26. und 27. September der Naturkosmetik Branchenkongress 2017 in Berlin statt. Um vorab schon einen kleinen Einblick zu bekommen, haben wir uns mit Wolf Lüdge über sein neues Amt als Veranstalter und spannende Programmhighlights unterhalten.

Elfriede Dambacher, Programmvorsitz und Wolf Lüdge, neuer Veranstalter des Naturkosmetik Branchenkongress 2017. Foto: naturkosmetik verlag

Elfriede Dambacher, Programmvorsitz, und Wolf Lüdge, neuer Veranstalter des Naturkosmetik Branchenkongresses 2017. Foto: naturkosmetik verlag

Lieber Wolf, gleich vorweg: Du hast in diesem Jahr den naturkosmetik verlag übernommen und bist damit auch für den Naturkosmetik Branchenkongress 2017 zuständig. Elfriede Dambacher ist weiterhin als Programmvorsitzende tätig. Was hat dich an dieser Herausforderung gereizt?

Meine berufliche Biografie ist stark durch die Nachhaltigkeitsbranche und den grünen Lifestyle geprägt. Ich fühle mich in dem Umfeld extrem wohl. Menschen müssen ihrer Passion und Bestimmung folgen. Das tue ich mit der Ausrichtung und Organisation des Kongresses und meinem Beratungsansatz „Natural Leadership“.

Die Herausforderung im Naturkosmetiksektor und auch für mich als Ausrichter des Naturkosmetik Branchenkongresses sehe ich aktuell in den massiven Veränderungen des Marktes und den daraus resultierenden notwendigen Adjustierungen der Unternehmensstrategien. Ich hoffe, zusammen mit Elfriede Dambacher da auch weiterhin durch den Kongress Impulsgeber sein zu können.

Auf welche Themen freust du dich besonders beim Branchenkongress?

Da ich mich persönlich in den letzten Jahren sehr intensiv mit der strategischen Markenpositionierung beschäftigt habe, bin ich am meisten auf die Diskussionsrunde am zweiten Tag des Kongresses – „Naturkosmetik zukunftsfähig entwickeln“ – gespannt. Für mich ist es hier wichtig zu beleuchten, was den USP von Naturkosmetik zukünftig ausmacht, d.h., wie ist der aktuelle Vorsprung zu halten, um die anspruchsvollen Konsumentinnen und Konsumenten dauerhaft zu überzeugen.

Aber auch alle anderen Themen sind sehr spannend, wie die Themen rund um die Verpackung und die Entwicklung der Märkte, speziell auch in Asien.

Greifen wir das Thema Asien auf. Ein Schwerpunkt eures Programms ist „Naturkosmetik in Asien“. Warum sind aktuell alle Augen auf Asien gerichtet und auf welche Referenten dürfen sich die Teilnehmer freuen?

In den letzten Jahren wurde die gesamte Beauty-Industrie durch asiatische Produkte beeinflusst. Der asiatisch-pazifische Raum ist nach Europa der zweitgrößte Markt für Kosmetik. Im Vordergrund des Beauty-Booms steht derzeit „K-Beauty“, also Marken und Produkte aus Südkorea. Asiatische Kosmetik steht auch bei uns hoch im Kurs, die mediale Aufmerksamkeit ist groß, die Begehrlichkeiten bei Kundinnen ebenso. Stimmige Konzepte und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen Kundinnen und Kunden. Jedoch auch im asiatischen Raum liegt der Fokus der Kosmetikverwender zunehmend auf natürlichen Inhaltsstoffen – mit steigender Nachfrage nach Natur- und Biokosmetik.

Das Forum „Boomender Markt Asien: East meets West“ beleuchtet intensiv die Naturkosmetik und den Markt in Asien. Nach einer Einführung durch Moritz Aebersold, Asienexperte und Inhaber Contura Consulting AG, werden sich folgende Experten einbringen: Mitsuro Ogi, CEO von Cosme Kitchen aus Japan, Won Chung, CEO von Whamisa, Südkorea, und Rongmei Hui-Drobnik, Branchenexpertin für den asiatischen Markt.

Was gibt es sonst noch, auf das sich die Teilnehmer des Naturkosmetik Branchenkongress 2017 freuen dürfen?

Das Forum B „Von Fairtrade zu Realtrade“ am zweiten Tag beschäftigt sich mit dem Kampf um die Rohstoffe und den Folgen für die Herkunftsländer. Für mich ist spannend zu diskutieren, ob es eine nächste Stufe der Wertschöpfung in den Herkunftsländern geben kann, um die Ungleichverteilungen zwischen Nord und Süd abzumildern. Das wird auch eine interessante Diskussion.

Spannend ist aber auch das Thema „Naturkosmetik auf Amazon“. Wird Amazon alle gewohnten Handelsstrukturen ins Wanken bringen und ist das Chance oder Risiko für Naturkosmetikhersteller?

Das ist eine sehr spannende Frage und in dieser Zeit aktueller denn je. Man kann Amazon mögen oder nicht mögen. Jedoch muss man Amazon in seiner Vertriebsstrategie berücksichtigen. Durch die Akquisition von „Whole Foods“ in den USA sowie die Kooperation mit Rossmann und Basic in Deutschland wird deutlich, dass Amazon nicht nur den E-Commerce beeinflusst. Amazon sortiert Vertriebsstrukturen neu. Amazon wird definitiv Auswirkungen auf die Vertriebsstrategien der Naturkosmetikmarken haben.

In der Kongressbeschreibung sagt ihr, dass die konventionelle Kosmetikindustrie vermehrt auch Naturkosmetik ins Sortiment mit aufnimmt, um Marktanteile auszubauen – mit der Gefahr, Werte zu vernichten, auf die die Naturkosmetikbranche lange stolz war. Wird es für kleine Unternehmen immer schwerer oder wird irgendwann die Glaubwürdigkeit der Großen auf breiter Ebene ins Wanken gebracht?

Die Pioniere der Naturkosmetik, Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts, waren durch die anthroposophische Medizin inspiriert, die Kraft der Pflanze in der Kosmetik anwenden zu können. Durch die ökologische und die Friedensbewegung hatten immer mehr Menschen den Anspruch, giftfreie Kosmetik zu verwenden. Die Marken aus diesen Umfeldern haben eine ungeheure Glaubwürdigkeit bei den Kundinnen und Kunden, die es auch in der Zukunft zu nutzen gilt.

Ich glaube nicht, dass durch konventionelle Anbieter Werte vernichtet werden. Aber vielleicht sind diese Marken aus der konventionellen Kosmetik in ihrer Kommunikation näher an den potenziell neuen Kundengruppen. Es muss der Anspruch sein, in der Kundenansprache und der Problemlösung neue Wege zu beschreiten.

Danke, Wolf Lüdge, für das Gespräch und euch einen erfolgreichen Naturkosmetik Branchenkongress 2017!