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Ein Unternehmen ist wie ein komplexes Getriebe. Interview mit Mercè Barahona zu Tops und Flops bei Unternehmensmodellen

Was führt zu Erfolg oder Misserfolg und wie wird dieser bewertet? Diese und weitere Fragen hat Mercè Barahona, Naturkosmetik-Unternehmensberaterin, in ihrer Session „Unternehmensmodelle – Tops & Flops“ beim NaturkosmetikCamp 2017 mit den Teilnehmern diskutiert. Im Interview verrät uns Mercè heute ein paar Tipps, damit man seine Ziele nicht aus den Augen verliert und Mitarbeiter und Kunden zufrieden sind.

Ein Unternehmen ist wie ein komplexes Getriebe. Foto: fotolia/cornecoba

Ein Unternehmen ist wie ein komplexes Getriebe. Foto: fotolia/cornecoba

In deiner Session beim NaturkosmetikCamp 2017 habt ihr Tops und Flops von Unternehmensmodellen behandelt. Eine Erkenntnis daraus war, dass interne Zielsetzungen die Basis für Erfolg bilden. Welche praktischen Tipps kannst du hier geben, damit Zielpläne wirklich eingehalten werden?

Wir haben in der Session erkannt, dass Ziele die Messgrundlage für den Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens bilden. Zielpläne können wirklich eingehalten werden, wenn sie nicht in Stein gemeißelt werden. Sinnvolle und realistische Ziele können Ansporn geben, utopische Ziele demotivieren. Ziele sind nicht nur etwas für das Vertriebsteam und sollten nicht nur an Umsatzzahlen geknüpft werden.

Ein Unternehmen ist wie ein komplexes Getriebe.

Meine Tipps: Alle, Chef und Mitarbeiter, sollten sich Ziele setzen, die zusammen betrachtet das Unternehmensgetriebe möglichst fließend und in einer Richtung laufen lassen. Diese Ziele sollten pro Quartal überprüft und analysiert werden. Die Unternehmensziele mitten im Kalenderjahr zu ändern, ist kein Zeichen für Schwäche, sondern Zeichen von Lernfähigkeit und Flexibilität.

Ein motiviertes Team trägt wesentlich zum Erfolg bei. Wie kann die Geschäftsführung dafür einen fruchtbaren Boden bieten?

Selbstverständlich sind eine gerechte und transparente Gehaltsstruktur sowie Aufstiegschancen schon mal gut für die Motivation. Mehr Zeit zu haben für die Balance zwischen Arbeit und Familie oder Weiterbildung ist jedoch heute für viele Mitarbeiter eher die Motivationswährung. Beides, Geld und Zeit, sind interessanterweise keine emotionalen Faktoren. Sie bilden eher eine geschäftliche und finanzielle Verhandlungsgrundlage. Eine Rahmenbedingung. Motivation lässt sich damit nur zum Teil dauerhaft gewährleisten.

Tiefgreifender wirkt die Motivation, die aus der Identifikation der Mitarbeiter mit der Philosophie und die authentisch gelebten Werten des Unternehmens entspringt. Menschen, die sich mit den Werten des Unternehmens identifizieren sind zufriedener mit ihren Jobs. Sie kämpfen und ziehen an einem Strang aus eigener Überzeugung. Sie sind loyal und gehen mit dem Unternehmen durch dick und dünn. Auf der Unternehmerseite erfordert dies ein sehr hohes Maß an Ethik, Transparenz und Authentizität.

Als weiche Faktoren für den Erfolg ist neben der Mitarbeiterzufriedenheit auch die Kundenzufriedenheit ausschlaggebend. Was macht Kunden glücklich?

  • Erwartungen erfüllen, die durch das Marketing und das Image erweckt werden.
  • Kunden kaufen lieber bei Firmen, die sie gut und sympathisch finden. Das bedeutet für die Firmen: Werte leben, und nicht nur vermarkten.
  • Probiergrößen, gezielte und transparente Information, Erreichbarkeit und einen gesunden Umgang mit Reklamationen.
  • Die Kunden erwarten eine zuverlässige, gleich hohe Qualität und gute Lieferfähigkeit.
  • Innovativ und am Puls der Zeit zu sein, ist für Newcomer elementar wichtig. Für etablierte Firmen natürlich auch, aber sie überleben schnelllebige Trends, auch wenn sie ihnen nicht folgen. Nicht jede Firma muss alle Trends mitmachen. Viel wichtiger ist, dass die Identität der Firma nach außen klar und konsequent wiedergefunden wird.
Mercè Barahona bei ihrer Session beim 4. NaturkosmetikCamp zum Thema Tops & Flops von Unternehmensmodellen. Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst, www.dhstudio.de

Mercè Barahona bei ihrer Session beim 4. NaturkosmetikCamp zum Thema Tops & Flops von Unternehmensmodellen. Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst, www.dhstudio.de

Als Unternehmensberaterin betreust du Naturkosmetik-Unternehmen. Warum fühlen sich Kunden mit bestimmten Naturkosmetik-Marken besonders verbunden mit anderen weniger?

Heute haben die Konsumenten die Möglichkeit, sich vollständig über alles zu informieren. Wer will, ist heute in der Lage, hinter die Kulissen von Marketing-Phrasen zu schauen. Informierte Kunden, die die Firmen gefunden haben, mit denen sie sich auf einer Werteebene identifizieren, fühlen sich besonders verbunden. Affinität wird dann durch Emotionalisierung verstärkt.

Im Grunde suchen Menschen schlichtweg die Menschen hinter der Marke und den Produkten, die sie toll finden können.

Was sind die häufigsten Ursachen, dass ein Unternehmensmodell scheitert? Was sind deine Top-­5-­Stolperfallen?

Das kann völlig skurrile Gründe haben, die in keinem „Unternehmer-Manual“ zu finden sind. Grundsätzlich sollte man auf diese fünf Punkte achten:

  1. mangelhafte Personalführung
  2. unzureichende Marktkenntnisse
  3. Missachtung von Zahlen
  4. Unfähigkeit, Schwächen zu erkennen
  5. schlechte Qualität und mangelhafter Kundenservice

Du lebst in Hamburg und Barcelona. Was schätzt du besonders in der einen und der anderen Stadt?

Mercè bei der BioCultura 2017 in Barcelona. Foto: Mercè Barahona

Mercè bei der BioCultura 2017 in Barcelona. Foto: Mercè Barahona

Ich fand immer, dass Barcelona und Hamburg sehr gut zueinander passen. In Barcelona bin ich geboren, aber mittlerweile habe ich genauso lange in Hamburg gelebt. Wenn Hamburg am Meer liegen würde und so ein tolles Wetter wie Barcelona hätte, wäre das tatsächlich das Nonplusultra. Ich finde tatsächlich, dass Hamburg beruflich viel mehr Vielfalt und Chancen bietet als Barcelona. Ich hätte in Barcelona nur sehr prekär von der Bio-Branche leben können. Heute ist das anders und auch in Barcelona gibt es im Bio-Bereich gute, tolle Jobs. Ich mag sehr gerne in beiden Städten die Weltoffenheit (den katalonischen Separatismus klammere ich mal aus), die Vielfalt der Kulturen im friedvollen Umgang miteinander. In beiden Städten liebt und lebt man die Individualität. Beziehungen sind etwas zurückhaltend am Anfang, aber wenn sie angenommen werden, werden sie dauerhaft und tiefgehend.

Ich bin fest der Meinung, dass Sonne faul macht (an heißen Tagen fällt die Arbeit so furchtbar schwer!), aber es macht auch liebevoller. Auch wenn der Katalane an sich spröder ist als die meisten Spanier, ist er immer noch einen Tacken emotionaler als der Durchschnittstyp im coolen Hamburg.

Vielen Dank, Mercè, einmal für deine tolle Session und für deine Einblicke heute.