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Ganzheitlich nachhaltig: Was heißt das für Naturkosmetik-Hersteller? Gudrun Leibbrand von Speick im Interview

Was heißt es, ganzheitlich nachhaltig zu sein? Und wie geht das bei einem Naturkosmetik-Hersteller? Speick Naturkosmetik ist bekannt dafür, engagiert mit gutem Beispiel voranzugehen. Deshalb haben wir bei Gudrun Leibbrand nachgefragt, wie man diesem Anspruch in der Praxis gerecht wird.

Ganzheitlich nachhaltig - geht das?. Foto: ©SPEICK Naturkosmetik

Ganzheitlich nachhaltig – geht das? Foto: ©SPEICK Naturkosmetik

Was ist eure Philosophie bei Speick?

Verantwortungsvolle Unternehmensführung, Ökologie und Regionalität, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit – diese Gründergedanken von Anthroposoph Walter Rau von 1928 haben für uns noch heute – oder erst recht heute – vorrangige Gültigkeit. Da die Beachtung der Ökologie zur Erhaltung unserer Lebensgrundlage gehört, ist es das unternehmerische Ziel, die lebenserhaltenden Elemente wie Erde, Luft, Wasser und Licht zu schützen und gleichzeitig nachhaltig schonend zu nutzen. Grundsätzlich ist es unser Anliegen, mit Partnern aus der Region zusammenzuarbeiten, um lange Transportwege zu vermeiden, aber auch um den regionalen Wirtschaftskreislauf zu stärken. Als mittelständisches Familienunternehmen produzieren wir seit jeher alles aus einer Hand hier bei uns am Standort: von der Produktentwicklung bis zum Versand.

Walter Rau und seine Frau Lola von Fumetti. Foto: SPEICK Naturkosmetik

Walter Rau und seine Frau Lola von Fumetti. Foto: SPEICK Naturkosmetik

Vorgelebte Werte aus der Geschäftsführung heraus geben Impulse nach innen an alle MitarbeiterInnen sowie nach außen an alle Partner auf den verschiedenen Ebenen. Wann immer es möglich ist, nutzen wir viele persönliche Gespräche für die lebendige Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsthemen. Neben den Produkten ist die Kommunikation ein wesentliches Tool, um unsere Inhalte sinnvoll zu transportieren. Jede Anfrage, die von den Konsumenten zu uns kommt – E-Mail, Social Media, Telefon – wird individuell und wertschätzend von uns beantwortet. Dabei gibt es keine „Serienbriefe“ etc., sondern herzliche Menschlichkeit in der individuellen Kommunikation. Und wir haben auch einen eigenen Speick Blog, wo sowohl interne MitarbeiterInnen als auch externe Autoren schreiben.

Unser Unternehmensgründer Walter Rau formulierte 1958 weitsichtig und sensibel: „Die Zeitschäden wachsen. Die ungesunde, nervöse Arbeitsweise, das verunreinigte Wasser, die durch Staub, Gase, Säuren verpestete Luft, ganz zu schweigen von dem Problem der Radioaktivität, das in der Zukunft vielleicht brennend wird – das alles zusammen sind Schäden äußerer Art, die mehr oder weniger auf die Haut einwirken. Dazu kommen aber noch die Nahrungsschäden, die durch Pflanzenschutzmittel, mineralogische Düngeverfahren, Konservierungsmittel usw. hervorgerufen werden.“

Alles beruht auf der Speick-Pflanze. Wo und wie wird diese angebaut und geerntet?

Ohne die Speick-Pflanze gäbe es kein Unternehmen Speick Naturkosmetik. Die kleine, unscheinbare Heilpflanze ist unser Hab und Gut, das wir hüten wie unseren Augapfel. Begehrt seit vielen Jahrhunderten zwischen Okzident und Orient, ist sie heute als eine von wenigen Pflanzen zertifiziert als kontrolliert biologische Wildsammlung. Dies haben wir 2003 initiiert – in Zusammenarbeit mit den Ranchern des Biosphärenpark Nockberge und den uns sehr verbundenen Almbauernfamilien. Wir pflegen extrem beständige und enge Kontakte in die Speick-Region. Die Pflanzen werden auf den Almen in liebevoller und anstrengender Handarbeit gesammelt.

Die Speick-Pflanze. Foto: ©SPEICK Naturkosmetik

Die Speick-Pflanze. Foto: ©SPEICK Naturkosmetik

Naturprodukte allein reichen heute nicht mehr. Was ist noch zu beachten?

1928 gab es nur gute Produkte. In den 70er-Jahren entwickelte sich der Begriff Naturkosmetik. Seit 2001 gibt es zertifizierte Naturkosmetikprodukte. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kam erst in den vergangenen Jahren wieder zu Ehren. Es geht heute um Umwelt- und Ressourcenschutz sowie um Produkte, die der Gesunderhaltung der Haut dienen.

Unsere Philosophie ist: so viel wie nötig – so wenig wie möglich. Hilfe zur Selbsthilfe – das ist unser Anspruch an jedes Produkt, das wir im eigenen Haus entwickeln. Und es geht um ein soziales Miteinander in allen Unternehmensbereichen – innerlich und äußerlich. Es geht um faire Geschäftspraktiken. Und es geht um die Stärkung der regionalen Wirtschaft.

Was ist euch bei Rohstoffen, Rezeptur und letztendlich dem Produkt wichtig?

Gudrun Leibbrand im Interview zum Thema "ganzheitlich nachhaltig". Foto: Gudrun Leibbrand

Gudrun Leibbrand im Interview zum Thema „ganzheitlich nachhaltig“. Foto: Gudrun Leibbrand

Für uns als Unternehmen in der Naturkosmetik-Branche ist „bio“ im Rohstoffbereich Standard und damit normal. Es ist unser Ziel, Naturkosmetik zu entwickeln, die die Gesundheit, Lebenskraft und natürliche Schönheit eines jeden Menschen erhält und achtet. Hierfür verarbeiten wir, wann immer in Qualität und Quantität verfügbar, Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau. So weit – so gut.

Wir sind Gründungsmitglied des ersten deutschen Naturkosmetik-Zertifizierungssystems (BDIH). 2001 waren unsere ersten Produkte BDIH-zertifiziert. Seit 2014 lassen wir unsere neu entwickelten Produkte nach dem internationalisierten COSMOS-Standard zertifizieren und haben unsere BDIH-Produkte nach und nach umgelabelt. Seit Januar 2017 ist der COSMOS-Standard für Neuentwicklungen verpflichtend – das gilt für alle Mitglieder von BDIH, Ecocert, Cosmebio, ICEA und Soil Association, die zusammen das weltweit größte System zur Zertifizierung von echter Naturkosmetik repräsentieren.

Das Thema Verpackung ist nach wie vor ein umstrittenes Thema. Auf was achtet ihr hierbei?

Beim COSMOS-Standard werden nun auch die Verpackungen der Produkte mit unter die Lupe genommen. Das war eine überfällige Entscheidung, und ich persönlich habe diese Entscheidung sehr begrüßt. Wir haben bereits 2008 begonnen, unsere Verpackungen in puncto Nachhaltigkeit genau unter die Lupe zu nehmen. Nach dem Motto:

  • Glas, wo Glas möglich und ungefährlich ist.
  • Sortenreines PE, wo ich Kunststoff einsetzen muss.
  • Recycling- und/oder FSC-zertifizierter Karton für die Weiterpackungen und Faltschachteln.
  • Hochwertige Gesichtscreme verpacken wir in Aluminiumtuben.

Sowohl PE als auch Alu wird heute fast zu 100 Prozent recycelt, da auch wirtschaftliche Interessen hier eine große Rolle spielen.

100 Prozent – geht das?

Mit unseren neuen Produkten Speick Organic 3.0 Duschgel und Body Lotion haben wir uns 2016 auf den Weg in die Zukunft begeben: 100 Prozent kreislauffähig in Inhalt und Verpackung, minimalistische Rezepturen, vegan und palmölfrei und mit energetisiertem Wasser angereichert. Die Verpackung wurde aus Zuckerrohr hergestellt. Insgesamt stecken in den beiden Produkten drei Jahre intensive Entwicklungszeit und viel Herzblut. Belohnt wurden wir bereits mit zwei großartigen Prämierungen: dem internationalen „Sustainable Beauty Award“ 2016 als „Runner-up“ für die innovative und nachhaltige Verpackung.

Speick Organic 3.0 Duschgel und Body Lotion. Foto: ©SPEICK Naturkosmetik

Speick Organic 3.0 Duschgel und Body Lotion. Foto: ©SPEICK Naturkosmetik

Auf der Vivaness im vergangenen Februar 2017 wurde die brandneue Speick Organic 3.0 Body Lotion im Rahmen der „Best New Product Awards“ auf Platz 1 in der Kategorie „Körperpflege“ gehievt und auch den „Green Product Award 2017“ hat Organic 3.0 in der Kategorie „Consumer Goods“ gewonnen. Wir sind gespannt, ob unsere zukunftsfähigen Produkte auch hier eine Auszeichnung bekommen.

Vielen Dank für deine Antworten, Gudrun!