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Die Akzeptanz des Bloggers ist mit der Professionalisierung gewachsen. Ein Interview mit Jessica Kunstmann

Jessica Kunstmann, Mitbegründerin des Blogs ALABASTER BLOGZINE, früher ALABASTERMAEDCHEN, ist professionelle Bloggerin und Content Creator. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen als Blogger, was sich im Bloggerbusiness geändert hat und ihre Neuentdeckungen von der Vivaness 2017.

Ein Interview mit Jessica Kunstmann, Mitbegründerin von ALABASTER BLOGZINE. Foto: Jessica Kunstmann

Ein Interview mit Jessica Kunstmann, Mitbegründerin von ALABASTER BLOGZINE. Foto: Jessica Kunstmann

Für das NaturkosmetikCamp 2017 hast du mit Franziska Schmid von Veggie Love zusammen ein Thema über Blogger, die „unbekannten Wesen“, eingereicht. Was hat euch dazu bewogen, darüber diskutieren zu wollen?

Die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr. Franziska und ich haben 2016 das erste Mal am NaturkosmetikCamp teilgenommen. Die Fragen, die wir in der Session beantworten werden, entsprechen denen, die uns beim letzten NaturkosmetikCamp sehr häufig in Einzelgesprächen gestellt wurden. Das offensichtlich vorhandene Interesse hat uns dazu ermutigt, selbst einen Themenvorschlag für eine Session einzureichen.

Du bist ja auch schon lange als Bloggerin aktiv. Was hat sich deiner Meinung nach am meisten im „Bloggerbusiness“ verändert?

Wenn du die Frage so stellst, dann, dass es tatsächlich ein „Business“ ist. Sprich, dass ich meine Miete und sämtliche Rechnungen mit der Tätigkeit als Blogger und Content Creator zahlen kann. Das wäre im Jahr 2011, als ALABASTER BLOGZINE gegründet wurde, kaum denkbar gewesen.

Damit einher geht natürlich auch die Wertschätzung. Als ich 2012 das erste Mal die Vivaness besuchte, konnten viele Unternehmensvertreter noch gar nichts mit dem Begriff Blogger anfangen. Tatsächlich wurde ich an dem einen oder anderen Stand ziemlich allein stehen gelassen oder mit Produkten abgespeist. Dabei wollte ich schon damals viel lieber einen Einblick ins Unternehmen und die dahinterstehende Philosophie bekommen und mit den Menschen hinter den Marken ins Gespräch kommen. Heute passiert das zum Glück nicht mehr.

Die Akzeptanz ist natürlich auch mit der Professionalisierung gewachsen. Die Arbeit am Blog gleicht in den groben Strukturen der in einer Redaktion. Es gibt feste Aufgabenverteilungen, einen monatlichen Redaktionsplan sowie ein Netzwerk aus Autoren, Fotografen und unserem Webentwickler.

Ihr habt euren Blognamen von ALABASTERMAEDCHEN zu ALABASTER BLOGZINE geändert. Warum die Namensänderung?

Im Jahr 2011 wurde ALABASTER BLOGZINE gegründet. Foto: Jessica Kunstmann

Im Jahr 2011 wurde ALABASTER BLOGZINE gegründet. Foto: Jessica Kunstmann

Aufgrund des eigenen Anspruchs sowie des Alters. Als das Blogzine gegründet wurde, waren meine Co-Founderin Mia und ich Mitte zwanzig. Dass wir einmal als Content Creator mit dem Bloggen unseren Lebensunterhalt finanzieren würden, konnten wir zu dieser Zeit nicht ahnen. Heute sind wir Anfang dreißig und fühlen uns einfach nicht mehr als „MAEDCHEN“. Zudem arbeiten wir inzwischen mit verschiedensten Gastautoren zusammen. Nachvollziehbarerweise konnten sich – nicht nur, aber gerade auch – männliche Autoren mit dem alten Namen nur wenig identifizieren.

In eurem Blog gibt es ganz verschiedene Rubriken – wie ist es zu dieser Auswahl gekommen?

Kurz gesagt: persönliches Interesse. Wir starteten als reiner Beauty-Blog. Schönheit kann man unter verschiedensten Facetten und auch sehr tiefgründig beleuchten. Dennoch war und ist es eben nicht das einzige Thema, welches uns beschäftigt. Da wir selbst Herr über unsere Inhalte sind, haben sich nach und nach die Schwerpunkte und Rubriken dazugesellt, die uns sonst noch bewegen.

Eine Freiheit, die ich sehr zu schätzen weiß.

Mittlerweile ist ALABASTER BLOGZINE kein reiner Beauty-Blog mehr. Foto: Jessica Kunstmann

Mittlerweile ist ALABASTER BLOGZINE kein reiner Beauty-Blog mehr. Foto: Jessica Kunstmann

Du warst ja auch auf der VIVANESS. Was hast du alles Neues entdeckt? Was hat dich überrascht?

Spannend fand ich, dass sich gleich mehrere Marken vom Thema Yoga haben inspirieren lassen oder bereits vorhandene Produkte in diesem Kontext neu inszenierten. Dazu zählen z.B. Primavera, Farfalla oder Taoasis. Zwischen Naturkosmetik und Yoga gibt es einige Schnittmengen. Diese Verbindung finde ich daher passend und zeitgemäß.

Ebenfalls hat es mich gefreut, einige Marken bzw. Neuheiten zu entdecken, die bewusst den Inhaltsstoff Aktivkohle aufgreifen. Bereits im vergangenen Jahr war Aktivkohle ein Trendthema in der konventionellen Kosmetik. Ich finde es begrüßenswert, dass die Branche hier so schnell reagiert. Schließlich holt man so auch Konsumenten ab, die bisher nur wenige Berührungspunkte mit Naturkosmetik hatten.

Am meisten überrascht haben mich allerdings die sechs neuen Bio-Parfums von Unique Beauty. Das dänische Familienunternehmen ist mir bisher vor allem aufgrund der tollen Haarpflegeprodukte auf Molkebasis ein Begriff gewesen. Und jetzt machen die Düfte? Da war ich tatsächlich sehr skeptisch. Seit ich am Stand die Parfums getestet habe, bin ich allerdings nur noch euphorisch und warte sehnlichst auf den Launch im Mai.

Und zu guter Letzt: Dein absolutes „Favourite“ unter den Naturkosmetikprodukten ist …?

Wie? Ich soll mich auf einen einzigen Favoriten festlegen? Unmöglich! Die Branche bietet so viele großartige Produkte, dass ich vielleicht meinen aktuellen liebsten pinken Lippenstift oder das meiner Meinung nach wirksamste Feuchtigkeitsserum benennen könnte. Doch selbst das wird schon schwierig.

Vielen Dank für das Interview, liebe Jess!