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Die Ausbildung zur Naturkosmetikerin und der Weg in die Selbständigeit – ein Erfahrungsbericht

Etwa 20 Jahre lang war ich als Marketingleiterin in international tätigen Unternehmen und Konzernen beschäftigt. Mein Beruf war meine Leidenschaft. Die Rahmenbedingungen wurden jedoch zunehmend inakzeptabel und so wurde der Wunsch nach Veränderung immer stärker. Die Ausbildung zur Naturkosmetikerin und der Weg in die Selbständigkeit hatte begonnen …

Die Naturkosmetik war bei Elke Korn-Markl ursprünglich „nur“ als zweites Standbein gedacht. Foto: Elke Korn-Markl

Die Naturkosmetik war bei Elke Korn-Markl ursprünglich nur als zweites Standbein gedacht. Foto: Elke Korn-Markl

Warum ich mich für eine Umschulung zur Naturkosmetikerin entschieden habe

Parallel zu meinem Hauptberuf hatte ich mich schon sehr lange mit Naturkosmetik und ganzheitlicher Naturheilkunde beschäftigt. Auslöser war eine Kosmetikerin, die meine diversen Hautprobleme mit naturkosmetischen Produkten behandelt hat. Schon nach der ersten Behandlung hatte ich das Gefühl, dass meine Haut regelrecht aufatmet. Nach dieser Erfahrung habe ich mich über die Jahre intensiv mit Naturkosmetik und Naturheilkunde beschäftigt. Mit meinem Marketing-Background und einer eigenen kleinen Werbeagentur hatte ich eine solide Basis für die geplante Selbständigkeit. Die Naturkosmetik war ursprünglich nur als zweites Standbein gedacht.

Entscheidende Kriterien für die Ausbildung zur Naturkosmetikerin

Am Anfang stand die Suche nach einer geeigneten Schule. Neben einer fundierten Ausbildung war mir besonders wichtig, diese berufsbegleitend absolvieren zu können. An den meisten Schulen wurde damals nur mit konventionellen Kosmetikprodukten ausgebildet. Das kam für mich jedoch nicht in Frage. Die Auswahl an reinen Naturkosmetik-Ausbildungen war und ist nach wie vor sehr „übersichtlich“. Deutschlandweit gab es seinerzeit nur zwei Kosmetikschulen. Mit München lag die Geiger Akademie räumlich am nächsten. Neben den Informationen auf der Webseite wollte ich mir aber auch einen persönlichen Eindruck verschaffen. Nach einem ersten Telefonat mit der Schulleiterin Hildegard Geiger wurde ich zu einem persönlichen Kennenlernen und einer Probebehandlung in die aktuelle Ausbildungsklasse eingeladen.

Nach einer Führung durch die Schule bekam ich alle notwendigen Informationen zur Ausbildung. Anschließend behandelten die Schülerinnen der aktuellen Klasse jeweils eine Kundin (mich eingeschlossen). Das Besondere der Behandlung war die Verwendung frisch zubereiteter Produkte mit individuellen, auf den Hauttyp und Hautzustand abgestimmten Wirkstoffen. Ein Highlight war die Gesichtsmassage mit ebenfalls selbstgemachten Kräuterstempeln. Nach der Probebehandlung hatte ich die Möglichkeit, die Schülerinnen direkt nach ihren Eindrücken zu befragen. Danach war für mich klar, dass die Geiger Akademie „meine“ Schule ist.

Was zeichnet die Ausbildung an der Geiger Akademie aus?

Kosmetik für die Kabine frisch herzustellen und mit entsprechenden Wirkstoffen individuell auf den jeweiligen Kunden abzustimmen, ist in meinen Augen das Herzstück der Ausbildung und meines Wissens absolut einzigartig. Eine weitere Besonderheit sind „Ausflüge“ in das Ayurveda, wie Massagen mit ayurvedischen Elementen oder die Verwendung ayurvedischer Wirkstoffe. Als besonders angenehm empfand ich die kleine Klassengröße mit maximal 8 Schülerinnen. Zur besonderen familiären Atmosphäre haben nicht zuletzt die gemeinsamen Mittagessen beigetragen. Jeden Mittag wurden wir von Hildegard Geiger mit vegetarischen/veganen Mittagessen wunderbar frisch bekocht. Die Kontakte zur Schule sowie untereinander bestehen zum Großteil heute noch.

Raus aus der Ausbildung hinein in die Selbständigkeit!

Für ein eigenes Portfolio hatte ich bereits während der Ausbildung unzählige Unterlagen von Kosmetik- und Wellnessinstituten gesammelt, verglichen und für mich ausgewertet – sowohl was die verschiedenen Treatments anging als auch die Preisgestaltung sowie Positionierung etc. Ich habe also klassisches Benchmarking/Marktanalyse betrieben.

Mein erstes Behandlungsprogramm war danach auch schnell geboren. Für den Namen „NaturReich®“ hatte ich mich bereits während meiner Kosmetikausbildung entschieden und ihn als Markennamen beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen lassen. Was ich mir jedoch einfacher vorgestellt hatte, war die grafische Entwicklung des Corporate Designs. Für Dritte ist das wesentlich einfacher als für sich selbst. Aber nach einer Modifikation war auch diese Hürde geschafft.

Qual der Wahl – Die Suche nach einem Kosmetikhersteller für die Kabine

Auch bei Verwendung von Frischekosmetik ist es aus betriebswirtschaftlicher Sicht wichtig, eine gute Kosmetiklinie für die Kabine und für den Verkauf zu haben. Aus rein praktischen Erwägungen ist es ebenfalls sinnvoll, denn die Vorbereitung eines Honig-Heilerde-Enzympeelings, einer Leinsamen- oder einer Flohsamen-Gesichtspackung benötigt sowohl Zeit als auch Fingerspitzengefühl für die richtige Konsistenz. Wer schon einmal eine solche Packung angewendet hat, weiß, dass allein das Auftragen schon eine kleine Herausforderung ist. Die Packung selbst sollte zudem 15 bis 20 Minuten einwirken, um den maximalen Effekt zu erzielen. Dadurch versteht es sich von selbst, dass eine solche Behandlung nicht unter 90 Minuten möglich ist. Für kürzere Behandlungszeiten empfiehlt es sich daher, mit einer klassischen Naturkosmetiklinie zu arbeiten.

Meine Wahl fiel hier auf Sensisana und Martina Gebhardt. Bereits vor etwa 20 Jahren war die Marke Martina Gebhardt meine allererste Begegnung mit der Naturkosmetik. Damals war ich selbst noch Kundin einer Naturkosmetikerin und durch diese Marke bekam ich diverse Hautprobleme endlich in den Griff, mit denen ich jahrelang zu kämpfen hatte.

Was meine Entscheidung dafür ganz erheblich beeinflusst hat, ist die Verfügbarkeit eines Baukastensystems für die Kabine. Aus wenigen Basisprodukten lassen sich über entsprechende Wirkstoffkomplexe – spagyrische Essenzen, Öle, ätherische Öle etc. – zahllose Produkte individuell zusammenstellen. Dieses Prinzip entspricht genau meiner Philosophie:

Jeder Mensch ist absolut einzigartig und verdient auch eine einzigartige Behandlung.

Mit fertigen Produkten für diverse Hauttypen und -zustände kann ich daher wenig anfangen.

Mein persönlicher Meilenstein: Herausforderung Hotel-Spa

2015 hatte ich die Chance, den Wellnessbereich im Hotel Unterwirt in Reit im Winkl zu pachten und ich habe ohne lange zu überlegen sofort zugegriffen. Innerhalb von nur knapp vier Wochen habe ich den Wellnessbereich mit vier Behandlungsräumen übernommen. Aufgrund des knappen Zeitfensters wurden zunächst die bewährten Behandlungen meiner Vorgängerin übernommen. Damit wollte ich die Umstellung der Gäste auf einen neuen Pächter möglichst reibungslos gestalten, was glücklicherweise sehr gut gelungen ist. Innerhalb des ersten Jahres habe ich das Wellnessprogramm jedoch neu konzipiert. Alle Behandlungen, ob Kosmetik, Körperanwendungen oder Massagen, sind nun durchgängig und zu 100 Prozent naturrein/biologisch. Der Großteil der Behandlung wird zudem mit alpinen Produkten aus der Region durchgeführt.

Massagepavillon auf der Sonnenterrasse des Hotels Unterwirt. Foto: Elke Korn-Markl

Massagepavillon auf der Sonnenterrasse des Hotels Unterwirt. Foto: Elke Korn-Markl

Heute verwirkliche ich im Hotel Unterwirt in Reit im Winkl meine NaturReich®-Philosophie von ganzheitlichen Anwendungen mit alpiner Inspiration und naturreinen Inhaltsstoffen. Die Kraft der Pflanzen in Verbindung mit altem Heilwissen und Tradition bildet, neben dem Ayurveda, die Grundlage meiner Wellnessbehandlungen. Respekt vor der Natur und vor den Menschen sowie Achtsamkeit im Umgang miteinander sind meine wichtigsten Prinzipien. Mein Wunsch ist, dass dies für jeden Gast spürbar wird. Dafür gebe ich mit meinem Team alles. Von kleinen Ritualen vor und nach jeder Behandlung bis hin zu individuellen DIY-Rezepten für die Anwendungen zu Hause. Hier mein aktuelles Spa-Programm.

Der Wunsch nach ganzheitlicher Entspannung …

… ist ein Bedürfnis, das in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Entsprechende Programme werden verstärkt nachgefragt. Ob zur Burnout-Prävention oder einfach nur für eine kurze Auszeit. Daher bieten wir ab 2017 im Sommer und Herbst jeweils ein Yoga- und Ayurveda-Retreat an. Für 2018 wird das Angebot um regelmäßige Entspannungsprogramme zur Burnout-Prävention sowie Yoga- und Qigong-Kurse und ein Rückenschul-Programm erweitert. Auch das Konzept für ein ganzheitliches DETOX-Retreat steht bereits. Das alpine Umfeld mit Blick auf die Berge und die Möglichkeit der Nutzung einer benachbarten Almhütte für unsere Programme bieten dafür das ideale Umfeld.

Was würde ich anders machen?

Nichts! Den Schritt in die Selbständigkeit habe ich nie bereut. Das konzeptionelle sowie praktische Arbeiten im Naturkosmetik- und Wellnessbereich ist jeden einzelnen Tag eine Bereicherung, trotz der vielen Arbeit, trotz Saisongeschäft, wenig Urlaub und der besonderen Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu schulen. Ich würde es immer wieder tun.

Meine Pläne für die Zukunft

Mein Konzept von ganzheitlicher Naturkosmetik & Wellness lässt sich übertragen. Daher sind für die Zukunft sowohl Kooperationen und Marketingunterstützung für andere Studios, Institute und Spas als auch die Pacht weiterer Hotel-Spas in der Region Chiemgau & Kaiserwinkl denkbar.