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Fünf Einblicke in die Naturkosmetikbranche in Japan und Korea

Mir begegnet immer wieder das Vorurteil, dass es in Asien ja keine „echte“ Naturkosmetik geben würde: „Alles nur grün gewaschen!“ Sicher, wie überall gibt es auch in Asien Kosmetik, die sich einen natürlichen Anstrich verpasst, indem ein einziger Bio-Inhaltsstoff im Marketing besonders in den Vordergrund gehoben wird, die sonstige Formulierung jedoch konventionell ist. Wenn man den japanischen und koreanischen Markt jedoch genauer betrachtet, kann man einige spannende Entdeckungen machen, um die wir Europäer die Asiaten durchaus beneiden können.

Ob sich auch Kirschblüten in japanischen Kosmetikrezepturen befinden? Foto: Vesna Cvorovic / Fotolia

Ob sich auch Kirschblüten in japanischen Kosmetikrezepturen befinden? Foto: Vesna Cvorovic / Fotolia

1. Der Handel

Fangen wir doch mal mit dem Thema Retail an: In Deutschland gibt es leider keine große und weiter verbreitete Filialkette mit Ladengeschäften, die sich ausschließlich auf Naturkosmetik spezialisiert hat. Anders in Japan: Dort kann man bei CosmeKitchen sowohl europäische als auch asiatische, amerikanische oder australische Naturkosmetik kaufen. Jedes Produkt wird vor der Einlistung überprüft und muss den von CosmeKitchen festgelegten Kritieren genügen. Meist sind das im Grunde die Standards der gängigen internationalen Naturkosmetiksiegel, bei Haarpflege und Makeup gibt es einige wenige Ausnahmen (können auch mal naturnah sein). CosmeKitchen hat über 40 Filialen, davon etwa die Hälfte in Tokio und dem dazugehörigen Metropolgebiet.

In Japan werden Naturkosmetik-Konsumenten in den Filialen von CosmeKitchen fündig. Foto: Julia Keith

In Japan werden Naturkosmetik-Konsumenten in den Filialen von CosmeKitchen fündig. Foto: Julia Keith

2. Die Preise

Da Kosmetik in Asien einen hohen Stellenwert hat, liegen die Preise für Kosmetik höher als bei uns. So günstige und im Verhältnis qualitativ hochwertige Kosmetik wie in Deutschland gibt es wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt! Das gilt auch für Naturkosmetik: In Asien ist sie meist im mittleren bis höherpreisigen Bereich angesiedelt. Für ein zertifiziertes Gesichtsreinigungs-Produkt muss man in Japan beispielsweise mindestens 20 Euro bezahlen, meist eher mehr.

3. Der Anwendungskomfort

Dafür bekommt man dann allerdings auch ein Naturkosmetik-Produkt, dessen Anwendungskomfort sehr hoch ist. Denn in Asien reicht es nicht aus, dass Naturkosmetik aus hochwertigen natürlichen Inhaltsstoffen besteht, die Kundinnen erwarten dazu einen hohen Anwendungskomfort. Die koreanische zertifizierte Naturkosmetikmarke Whamisa bietet beispielsweise Gesichtscremes, die weder Streifen beim Auftragen bilden, noch in irgendeiner Weise schwer auf der Haut liegen und dazu gut pflegen – Texturen sind wirklich wichtig in Asien! Das gilt übrigens auch für Foundations oder mineralischen Sonnenschutz. Gerade neu entwickelt wurde z. B. die Highend-Naturkosmetikmarke Celvoke in Japan, deren Gesichtswasser wunderbar feuchtigkeitsspendend ist und gut mit konventionellen Marken aus dem Bereich mithalten kann.

Koreanische Naturkosmetik erfreut sich auch auf dem deutschen Markt zunehmend großer Beliebtheit - wie zum Beispiel die Produkte der Marke Whamisa. Foto: Julia Keith

Koreanische Naturkosmetik erfreut sich auch auf dem deutschen Markt zunehmend großer Beliebtheit – wie zum Beispiel die Produkte der Marke Whamisa. Foto: Julia Keith

4. Die Pflege-Rituale

Damit wären wir dann auch schon bei den asiatischen Hautpflege-Ritualen, die sich von unseren europäischen Gewohnheiten unterscheiden. In Japan und Korea ist es üblich, verschiedene pflegende Produkte systematisch und abgestimmt auf das jeweilige Hautbild hintereinander aufzutragen. Das Ziel ist es, die Haut bestmöglich mit Feuchtigkeit zu versorgen. Gerade macht insbesondere koreanische Kosmetik Furore und beeinflusst die internationalen Beauty-Trends. Entsprechend kommen typisch asiatische Produktkategorien nun auch in Europa auf den Markt: Da wären die befeuchtenden Sheet Masks (Tuchmasken), die zweifache Reinigung (Double Cleansing), die hydratisierenden Gesichtswasser oder aber Masken, die man über Nacht auf dem Gesicht lässt (Sleeping Masks). All diese Produkte werden mittlerweile auch in Naturkosmetik-Qualität von koreanischen und japanischen Firmen angeboten.

5. Die Verbindung zu Ernährung und Gesundheit

Auffällig ist, dass in Asien Kosmetik (und selbstverständlich auch Naturkosmetik) sehr eng mit dem Thema Ernährung verbunden ist – die Stichworte heißen Beauty Food und Inner Beauty. So führen viele Naturkosmetikfirmen oder Geschäfte auch Nahrungsergänzungsmittel oder Tees in ihrem Sortiment. Der dahinter stehende Megatrend Gesundheit (Health) ist ja auch schon bei uns angekommen. In asiatischer Naturkosmetik schlägt er sich zudem in den Inhaltsstoffen der Produkte nieder: Fermentierte pflanzliche Extrakte, „Superfoods“ wie Chiasamen oder Gojibeeren, Heilkräuter der traditionellen chinesischen Medizin und andere für uns vielleicht exotisch anmutende Inhaltsstoffe wie Heilpilze sind keine Seltenheit in japanischen und koreanischen Gesichtscremes oder Seren.

Der gelegentliche Blick über den europäischen Tellerrand nach Japan und Korea lohnt sich also – vor allem deswegen, weil der asiatische Markt für sein rasantes Tempo bekannt ist und sich Entwicklungen hier viel schneller ablesen lassen. Und Spaß macht es natürlich auch, dort neue Naturkosmetikprodukte zu entdecken!