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Klänge aus der Natur – Potenziale von Akustik-Konzepten in Instituten, Spas und Shops erfolgreich nutzen

Wenn es um die Gestaltung von Räumen geht, die mit allen Sinnen zum Wohlfühlen, Entspannen oder auch Kaufen einladen sollen, spielen verschiedene Parameter eine Rolle. Ein Bereich, der bisher oft vernachlässigt wird, ist der der Akustik. Wir haben mit Sound-Experte Daniel Lathan darüber geredet, welche Chancen sich aus durchdachten Akustik-Konzepten für Kosmetikinstitute, Spas, Shops und den Handel im Allgemeinen ergeben.

Geräusche und Töne aus der Natur haben eine einzigartige Wirkung auf uns. Foto: Jacob Lund/Fotolia

Geräusche und Töne aus der Natur haben eine einzigartige Wirkung auf uns. Foto: Jacob Lund/Fotolia

Daniel, Du sprichst bereits seit mehr als 10 Jahren über die Wirkung von Natursounds und seit 2014 auch über deine daraus gewonnenen Erkenntnisse zum Thema Raumakustik. Warum wirken Klänge aus der Natur anders und was kann man von dem „natürlichen Klangraum“ lernen?

Es ist schon beeindruckend, dass alles um uns herum mittels mathematischer Parameter abgebildet werden kann. Mathematik ist aber dennoch nur ein Instrument. Mit Theorien und Modellen ist es letztendlich wie im Leben. Denn Sinn bekommt es erst, wenn Du etwas für die Gesellschaft tust. Du wirst Mathematik niemals „nutzen“ oder „gebrauchen“ können, um einen Song zu komponieren oder kreative Schaffensprozesse zu erklären. Aber wir können mathematische und physikalische Gesetzmäßigkeiten nutzen, um grundlegende Phänomene zu erklären, die Grenzen unseres Wissens und auch unserer Fähigkeiten aufzuzeigen und daraus Forschungsansätze abzuleiten. Während unser allgemeines Musikverständnis auf sogenannten Harmonien und rhythmischen Mustern basiert, so suchen wir automatisch nach entsprechenden Mustern in der Natur.

Ebenso verhält es sich mit raumakustischen Parametern, die leider oft mit Beschallung verwechselt werden. In der Natur korrespondieren orts- und zeitabhängige minimale Abweichungen von Klangquelle und raumakustischen Bedingungen (z. B. als Diffusor und Resonator agierendes Blattwerk im Sommer und schallabsorbierender Schnee im Winter) in einer dynamischen Raumchoreografie. Die Natur kennt keine Repeat-Taste oder starre Raumsysteme. Während Big Brother aus dem Science Fiction Schlaf erwacht und wir in schönen neuen Wellnessbetten den Rausch der hippen Lifestyle-Party der vergangenen Nacht auskurieren, glaube ich, wird es umso wichtiger, Begriffen wie Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit mehr Raum zu schenken. Wer aufmerksam die Entwicklung der vergangenen Jahre verfolgt, der kann daraus viel lesen.

Daniel Lathan bei einer Natur-Klang-Aufnahme (Fieldrecording) am Meer in Portugal mit einem seit 2005 kontinuierlich weiter entwickelten 3D-Mikrofon, das heute mittels spezieller Algorithmen bis zu 28 einzelne Lautsprecher individuell ansteuern und den Sound im Raum drehen und frei bewegen kann. Foto: sonami

Daniel Lathan bei einer Natur-Klang-Aufnahme (Fieldrecording) am Meer in Portugal mit einem seit 2005 kontinuierlich weiter entwickelten 3D-Mikrofon, das heute mittels spezieller Algorithmen bis zu 28 einzelne Lautsprecher individuell ansteuern und den Sound im Raum drehen und frei bewegen kann. Foto: sonami

Kannst Du konkrete Beispiele nennen, wie uns die Natur in Bezug auf Klang und Raumakustik – auch in Bezug auf die Markenkommunikation von Spas, Shops oder Hotels – dabei helfen kann, „gesünder zu leben“?

Was macht uns gesund? Was stiftet Sinn im Leben? Woraus schöpfen wir Kraft? Das sind alles Fragen, deren Beantwortung zeigen würde, dass ich keine Ahnung habe, mein Berufsziel falsch gewählt habe und besser Guru oder Priester hätte werden sollen. Ich kann den Markt nur beobachten und Prognosen erstellen – das ist die Mathematik. Wenn ich dies mit meiner persönlichen Überzeugung kombiniere, so kann ich rückblickend sagen, dass ich mit vielen Aussagen aus der Vergangenheit Recht behalten habe. Mein Idealbild oder meine Visionen müssen nicht allen gefallen. Ich kann demzufolge als Individuum am Konzert der Inspiration aktiv teilnehmen, maße mir aber nicht an, dieses dirigieren zu wollen.

Ich sehe das Trinkwasser mit einem QR-Code, der mich akustisch live an die natürliche Quelle bringt. Ich sehe Behandlungs- und Verkaufsräume, die ehrliche Atmosphären schaffen und nicht mit Produktinszenierungen und Scheinrealitäten arbeiten. Also weg mit der Biotapete aus gepressten Kornblumen und der Plätscher-Fahrstuhlmusik, die uns unterschwellig zum Kaufen oder Konsumieren auffordern soll.

Während die Anderen einem Trend hinterherlaufen, so werden einige Wenige die Chancen einer sich zunehmend verändernden Erwartung an Produkt- und Markenstrategien erkennen. Einige Wenige werden bereit sein, Neues zu probieren – auch wenn es noch nicht 100 %ig ausgereift ist. Du kannst ein noch so hässliches Haus als erster direkt am Strand bauen. Nach 5 Jahren werden alle, die in zweiter oder dritter Reihe gebaut haben, eifersüchtig auf Dich sein.

Grüne Naturkosmetik heißt natürliche, zertifizierte Inhaltsstoffe, Fair-Trade und nachhaltige Verpackung. Doch beim Marketing sieht es oft nicht so authentisch aus. Welche konkreten Chancen siehst du hier in der Akustik, z. B. im Biohandel?

Die Chancen sehe ich ausschließlich in Konzepten, die sich in allen Bereichen eines Unternehmens widerspiegeln – am Point of Sale, auf der Verpackung, im Online-Shop etc. Zu Beginn muss die Entscheidung stehen, den Hör-Sinn in seinen Markenauftritt integrieren zu wollen. Im Anschluss können konkrete Konzepte passend zur Marke und dem Unternehmen erarbeitet werden.

Es muss sich dabei gar nicht um Naturgeräusche im klassischen Sinn handeln. Die Möglichkeiten sind enorm. Die Natur zwitschert und plätschert nicht nur so vor sich hin. Es geht um das grundlegende Verständnis von natürlichen Prozessen, Variablen, Symmetrien und Gesetzmäßigkeiten, und darum, diese sinnvoll und nachhaltig so zu integrieren, dass daraus Konzepte entstehen, die sich wie ein grüner Faden durch das gesamte Unternehmen ziehen, dessen Individualität unterstreichen und selbstbewusst die Kommunikation unterstützen.

Schauen wir also, wer als erstes sein Haus in der ersten Reihe am Strand bauen wird.

Was würdest Du in Zukunft gerne machen? Welche Projekte reizen Dich? Woran arbeitest Du aktuell?

Meine Vision ist es, einmal ein komplettes Projekt nach meinen Vorstellungen umzusetzen. Also Raumakustik, Licht, Design und Beschallung so zu planen, dass wir das Gefühl von Freiheit, Ruhe und Geborgenheit haben. Im Bereich der Wissenschaft möchte ich gerne erforschen, wie sich Raumakustik auf den Schlaf auswirkt und meine mathematischen Ansätze im Bereich gestalterischer und akustischer Bezugssysteme in der Raumästhetik weiterverfolgen. Aktuell arbeite ich neben der Vermarktung meines DEEPSEA Raumes an mehreren Architekturprojekten als Berater und an weiteren Produkten in den Bereichen Akustik, Beleuchtung und Therapiemethoden.

In einer Zeit, in der sich ein Großteil weg von der Demokratie hin zur Kleptokratie bewegt, träume ich trotzdem weiter von Kooperationen und plane im kommenden Jahr zusammen mit Investoren endlich auch die Live-Streams klar auf dem Consumer Markt zu platzieren.

Danke für das Gespräch.