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Scents and sustainability: Nachhaltiges Wirtschaften von Naturkosmetikanbietern

Nachhaltigkeit ist ein gerne genanntes, doch oftmals unterbeleuchtetes Thema. Wie wird diese firmenspezifisch gesehen, umgesetzt, gelebt? Fragen sind: Was verstehen Unternehmen unter Nachhaltigkeit? Wie relevant ist nachhaltiges Wirtschaften? Welche Beispiele werden genannt? Wie wird nachhaltiges Wirtschaften für Kunden sichtbar?

Taoasis-Gründer Axel Meyer und Landwirt Martin Meiwes prüfen auf einem Lavendelfeld in Fromhausen bei Detmold ihr gemeinsames betriebenes Lavendelfeld. Foto: Taoasis

Taoasis-Gründer Axel Meyer und Landwirt Martin Meiwes prüfen auf einem Lavendelfeld in Fromhausen bei Detmold ihr gemeinsames betriebenes Lavendelfeld. Foto: TAOASIS

Im Gespräch mit drei etablierten Naturkosmetikanbietern geht es um das Thema des nachhaltigen Wirtschaftens, gerade im Bereich der Produktion natürlicher Duftstoffe. Rede und Antwort standen: Gian Furrer (Geschäftsleitung Farfalla), Titus Kaufmann (Geschäftsführer Primavera) sowie Ute Leube und Kurt Ludwig Nübling (Unternehmensgründer Primavera) und Axel Meyer (Geschäftsführer Taoasis).

Verständnis: Was es heißt, etwas nachhaltig zu tun

Der Deutungshorizont, was unter nachhaltigem Wirtschaften verstanden wird, ist unternehmensspezifisch anders. Hiernach folgen Definitionen, wie Nachhaltigkeit verstanden und praktiziert wird.

Ute Leube hebt die Aspekte der Langfristigkeit und des vertretbaren Austausches (Geben und Nehmen) hervor: „Nachhaltiges Wirtschaften heißt für uns, dass wir etwas von der Natur nehmen und auch wieder an die Natur zurückgeben möchten. Nur so ist auf Dauer die Balance zwischen Mensch und Natur gewährleistet. Uns verbinden langjährige Freundschaften mit unseren Bio-Anbaupartnern in vielen Ländern der Erde. Wir helfen aktiv bei der Umstellung auf Bio-Anbau, indem wir Unterstützung bei der Finanzierung leisten, faire Abnahmeverträge schließen und kontinuierlich Know-how vermitteln. Nachhaltiges Wirtschaften beginnt nach unseren Vorstellungen bereits beim Anbau vor Ort, der sachgemäßen Gewinnung und pflanzengerechten Herstellung der Rohstoffe bis hin zum Fläschchen im Regal, das der Kunde kaufen kann. Diese transparente Lieferanten- und Produktionskette macht im Umkehrschluss auch die Rückverfolgbarkeit möglich. “

Gian Furrer betont die Bedeutung einer Label-Lösung und fremdverifizierten Qualitätsbeurkundung. Er sagt: „Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für uns verantwortliche unternehmerische Entscheidungen, die im Einklang mit allen Unternehmensumfeldern getroffen werden. Die drei Größen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Soziales und Ökonomie – gehören zu unseren gleichberechtigten Kernkompetenzen. Die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik und das Label CSE auditierten alle Bereiche von Farfalla und zertifizierten sie als ’nachhaltig‘. Das CSE-Label ist das erste Nachhaltigkeitssiegel zertifizierter Unternehmensführung und bezieht sich im Gegensatz zu Produktzertifizierungen auf das gesamte Unternehmen.“

Axel Meyer hebt die Bedeutung der Natur hervor: „Nachhaltigkeit allgemein bedeutet für uns, vorausschauend zu denken und agieren. Und das funktioniert nur mit der Natur und nicht gegen sie! Wirklich nachhaltiges Wirtschaften bedeutet  für uns alles zu tun, um die Welt zu verändern und diesen wunderschönen Planeten zu retten. Geschäftlich wie privat gibt es dazu nahezu unzählige Möglichkeiten.“

Bei Primavera ist Nachhaltigkeit fest in den Unternehmensprinzipien verankert und wird auch von der Geschäftsführung aktiv getragen und gefördert. Foto: Primavera Life

Bei Primavera ist Nachhaltigkeit fest in den Unternehmensprinzipien verankert und wird auch von der Geschäftsführung aktiv getragen und gefördert. V. l. n. r.: Kurt Ludwig Nübling, Ute Leube, Titus Kaufmann. Foto: Primavera Life

Relevanz: Welche Rolle spielt das Thema?

Für die hier genannten Firmen spielt Nachhaltigkeit eine große Bedeutung. Einfach auf den Punkt bringt es Gian Furrer: „Nachhaltiges, menschliches und konsequentes Handeln ist und bleibt die Essenz der Firmenphilosophie – ebenso, wie bio für uns „logisch“ ist. Es bildet somit das Fundament jeder Strategie.“ Eine ähnliche Bedeutung skizziert Axel Meyer – mit einem besonderen Blick auf umweltpolitische Themen: „Die Nachhaltigkeit ist bei Taoasis fest in der DNA des Unternehmens verankert und wird auch als solche seit nunmehr 25 Jahren gelebt. Unser gesamtes Produkt-Portfolio an Naturdüften und Körperölen stammt aus zertifiziertem Demeter- oder Bio-Anbau. Dadurch tragen wir seit vielen Jahren zur Gesundung unseres Planeten bei, denn sowohl der Boden, als auch das Grundwasser und die Luft werden nicht durch chemische Pestizide wie Glyphosat belastet.“

Titus Kaufmann sieht eine holistische Bedeutung des Themas für sein Unternehmen. Er beschreibt umfassend: „Nachhaltiges Wirtschaften definiert Primavera ganzheitlich: Das heißt, wir übertragen die Prämissen des respektvollen Miteinanders selbstverständlich auch mit großer Sorgfalt auf unsere Kunden, Fachhändler und Mitarbeiter. Die Entfaltung der besten Wirksamkeit unserer Produkte, insbesondere jene aus der Aromatherapie, erfordert Wissen und Anwendungskompetenz. Geschulte Partner aus dem Fachhandel sind dabei unerlässlich, damit unsere Kunden optimal beraten und betreut werden können, und so der Funke der Begeisterung überspringt. Die Kunden, die im Übrigen bereits häufig selbst sehr gut informiert sind, danken uns dieses Engagement mit ihrer langjährigen Treue. Letztlich sind es unsere engagierten Mitarbeiter, dass hier im gesamten Zusammenspiel wertvolle Synergien entstehen.“

Beispiele: Wie Nachhaltigkeit praktiziert wird

Gian Furrer nennt beispielhaft Farfalla’s Engagement: „Wir unterstützen Projekte im In- und Ausland – beispielsweise ein Duftpflanzenprojekt in Madagaskar. Die Insel ist ein hot spot der Biodiversität mit einer beeindruckenden Vielfalt einzigartiger Tier- und Pflanzenarten, aber auch eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Für Farfalla ist das Projekt eine Herzensangelegenheit, weil durch die direkte Teilhabe der dort üblichen Ausbeute der Bauern Einhalt geboten wird und ihnen neben dem Einkommen auch Sozialleistungen gesichert werden. Eine große Anzahl von madagassischen Kleinbauern sind am Projekt angeschlossen und richten sich streng nach den Richtlinien ESR/Ecocert, des Fairen Handels sowie des biologischen Landbaus aus.“

Farfalla engagiert sich u. a. mit einem Duftpflanzenprojekt auf Madagaskar. Foto: Farfalla

Farfalla engagiert sich u. a. mit einem Duftpflanzenprojekt auf Madagaskar. Foto: Farfalla

Kurt Ludwig Nübling bringt einige Beispiele vor: „Primavera bezieht heute einen Großteil der Pflanzenstoffe von Bio-Anbaupartnern weltweit. Das Netz reicht von Italien mit Partnern in Sizilien und Piemont über Korsika (Immortelle, Rosmarin, Hamameliswasser), die Türkei (Rosen) bis nach Bhutan (Bio-Lemongrass). Viele Projekte wurden auf Initiative von Primavera überhaupt erst gegründet und profitieren von mehrjährigen Verträgen, Vorfinanzierungen, Abnahmegarantieren mit fairen Preisen.“ Er skizziert, wie Nachhaltigkeit im ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Sinne mit Partnern gelebt wird: „Die Kooperationsbemühungen im Sinne nachhaltigen Handelns geben Menschen aus Entwicklungsländern wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe. Beispielsweise entwickelte sich aus einer  Anfang der 90er Jahre initiierten Partnerschaft mit Bhutan die Herstellung von Lemongrassöl in Bioqualität. Diese Zusammenarbeit ermöglichte den Partnern in Bhutan vor einigen Jahren den Bau einer Seifenmanufaktur. Dort werden zur Herstellung neben Lemongrass ausschließlich Pflanzenrohstoffe aus Bhutan verwendet. Im Rahmen des „Glück teilen“-Projekts wurden diese Bio-Seifen unter anderem in Primavera Sondereditionen eingebunden. Diese zusätzliche Einnahmequelle ermöglicht heute mehr als 100 Familien ein selbstbestimmtes Leben.“

Nachhaltigkeit vor der eigenen Haustür beschreibt Axel Meyer: „Ein aktuelles Beispiel ist unser Bio-Lavendel Projekt in Detmold wenige Minuten vom Firmenstandort entfernt. Bis vor zwei Jahren wurden hier Ackerbohnen mit massivem Pestizid-Einsatz angebaut. 2014 haben wir dann mit dem Bio-Landwirt Martin Meives 50.000 Lavendelpflanzen gesetzt, die zur Regeneration des Bodens beitragen und bereits unzählige Bienen – und Menschen angelockt haben (der WDR spricht von der Lage als „Petit Provence“). In diesem Jahr konnten wir per Hand die erste Bio-Lavendelernte durchführen, um im Labor die Inhaltsstoffe untersuchen zu können. Die Ergebnisse haben selbst Kritiker überrascht, denn die Zusammensetzung und Werte sind sogar noch besser als die des großen Vorbilds aus der Provence.“ Nachhaltigkeit erhält durch die Überzeugung, Hingabe und Qualitätswidmung durch den Landwirt eine sozial-ethische Konnotation. Auch internationale Projekte sind per Broschüre skizziert: „Wir arbeiten seit vielen Jahren eng und sehr vertrauensvoll mit unserem indischen Anbaupartner zusammen. Um diese Partnerschaft noch transparenter für unsere Kunden darzustellen, haben wir uns 2015 gemeinsam „Fair for life“-zertifizieren lassen. Aus diesem Projekt bieten wir einen Reihe von BIO- und Demeter-zertifizierten Ölen an.“ Die Sichtbarmachung leitet zur letzten Rubrik über.

Sichtbarkeit: Was der Kunde mitnehmen kann

Kurt Ludwig Nübling erläutert, dass Transparenz und Konsequenz bei Primavera relevant sind – und der Kunde davon auf mehreren Wegen erfährt. „Unsere transparente Lieferanten- und Produktionskette steht für Kompetenz, Ethik, Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Um unsere Standards zu halten, muten wir den Kunden auch mal eine Lieferlücke zu. Auch das bedeutet für uns nachhaltiges und glaubwürdiges Handeln, über das wir sprechen und die Hintergründe erläutern. Dies alles wird in der Unternehmens- und Produktkommunikation aufgegriffen, sowohl in Print als auch über unsere Internetseite sowie Social Media-Kanäle.“ Auch bei TAOASIS spielt die Vielfalt der Kanäle eine große Rolle. Axel Meyer sagt: „Die Mund zu Mund-Propaganda und natürlich auch die sozialen Medien spielen eine große Rolle. Die Größe eines Familienunternehmens setzt hier natürlich schon gewisse Grenzen hinsichtlich Öffentlichkeitsarbeit und Außenwerbung. Doch auch dieses Interview hier wird vermutlich Menschen motivieren, sich unsere Produkte einmal genauer anzuschauen, zu testen und damit ein kleines Stück dazu beitragen, unsere Welt zu verändern.“