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Das Thema „Palmöl“ – ein anspruchsvoller Dauerbrenner

Der aktuelle Status ist, dass neben den Lebensmitteln auch in vielen Naturkosmetik-Produkten Palmöl oder Palmkernöl enthalten ist. Das gilt nicht nur in Seifen, sondern auch in Rohstoffen wie z. B. Emulgatoren für Cremes und Lotionen. Es wäre natürlich grandios, dies zu ändern. Die Rohstofflieferanten sind dahingehend sensibilisiert. Doch warum wird Palmöl überhaupt in der Naturkosmetik verwendet und welche Probleme sind damit verbunden? Und geht es auch Nachhaltig? Diesen Fragen geht der Beitrag im Folgenden am Beispiel von SPEICK Naturkosmetik nach.

Palmöl: ein viel diskutierter Naturkosmetik-Rohstoff. Foto: ThKatz / Fotolia

Palmöl: ein viel diskutierter Naturkosmetik-Rohstoff. Foto: ThKatz / Fotolia

Die Problematik bei der Nutzung

Für Palmöl brennt der Regenwald ab – mit allen Konsequenzen für Flora und Fauna und den sozialen Bereich der Menschen in diesen Gebieten.

So weit ist alles bekannt.

Rohstoff in der Naturkosmetik

Aktuell kommen wir am Palm- bzw. Palmkernöl nicht vorbei – leider. Es gibt derzeit für funktionierende Produkte keine echten Alternativen. So lange wir es einsetzen müssen, um die von den KonsumentInnen gewünschten Produkte entwickeln zu können, ist nur nachhaltiges, zertifiziertes Palmöl eine echte Interims-Alternative. Ich persönlich bin auch überzeugt davon, dass die Entwicklung insgesamt noch geraume Zeit benötigen wird, um den aktuellen Status merklich zu verbessern.

Nachhaltiges Palmöl und die Rolle von RSPO und FONAP

Es gibt ernsthafte Anstrengungen, Palmöl nachhaltiger zu machen. Der bedeutendste ist der im wesentlichen von der Industrie getragene RSPO. Hier wird nach bestimmten Kriterien gewonnenes, nachhaltiges Palmöl zertifiziert, und Rodungen werden eingedämmt. RSPO steht für Roundtable on Sustainable Palm Oil, ist ein Zertifizierungssystem und wurde auf Initiative des WWF gegründet. Vorrangig gelten folgende Kriterien:

  • Keine Rodung von besonders schützenswerten Wäldern für neue Plantagen,
  • Umweltbewusste Produktion,
  • Respektierung der Rechte der lokalen Bevölkerung sowie die
  • Respektierung von Arbeitnehmerrechten.

Inzwischen gibt es sogar eine erste Weiterentwicklung dieses Konzepts. FONAP (Forum Nachhaltiges Palmöl) ist ein Zusammenschluss aus Unternehmen, Verbänden und NGOs, der gemeinsam tragfähige Lösungen für die Verbesserung der Praktiken im Palmölsektor erarbeiten will.

Ziel des Forums Nachhaltiges Palmöl ist es, den Anteil von segregiertem (isolierte Produktion und Lieferkette), zertifiziertem Palmöl aus nachhaltiger Produktion im deutschen, österreichischen und Schweizer Markt signifikant zu erhöhen und möglichst schnell 100% zertifiziertes Palmöl für diese Märkte verfügbar zu machen. (Zitatquelle: forumpalmoel.org/de)

Zusätzlich zur Selbstverpflichtung der FONAP-Mitglieder, zur Vernetzung mit anderen europäischen Initiativen und zur Schaffung von Transparenz, setzt sich FONAP für die Verbesserung der Zertifizierungssysteme ein.

Das Engagement von SPEICK Naturkosmetik bei FONAP

Unsere Pflanzenöl-Seifen beinhalten – neben anderen Pflanzenölen – reines Palmöl; seit 2013 ausschließlich RSPO-zertifiziertes Palmöl aus nachhaltigem Anbau. Aufgrund seiner idealen Zusammensetzung für Seifen verwenden wir es für die Formulierungen unserer Seifen, die wir in klassischer Seifensieder-Tradition ausschließlich aus reinen Pflanzenölen herstellen. Uns bei SPEICK Naturkosmetik geht es hierbei um die ganzheitliche Betrachtung der Sachlage – speziell bei uns im Unternehmen. Wir kümmern uns ja tatsächlich um beide Bereiche (Palmöl-frei bzw. nachhaltiges zertifiziertes Palmöl), und unser Labor setzt alle Hebel in Bewegung, auch im Bereich der Lieferkette. Die Partner werden dann aktiv, wenn es ein erkennbares Abnahmepotenzial am Markt gibt. Die gute Nachricht: Es ist einiges an Bewegung in die Weiterentwicklung von nachhaltigem, zertifiziertem Palmöl gekommen. Als Mitglied bei FONAP engagieren wir uns für den nachhaltigen Anbau von Ölpalmen und setzen ausschließlich zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl ein.

SPEICK Naturkosmetik setzt in den Seifen auf zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl. Foto: SPEICK Naturkosmetik

SPEICK Naturkosmetik setzt in den Seifen auf zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl. Foto: SPEICK Naturkosmetik

Der Verzicht von Palmöl in der Naturkosmetik – eine sinnvolle Alternative?

Das Thema Palmöl und die Umweltschäden des konventionellen Anbaus stehen im Fokus der Konsumenten und der Medien. Entscheidend für den Umgang ist der nachhaltige Anbau und nicht der komplette Verzicht. Denn: Nicht das Palmöl an sich stellt das Problem dar, sondern die kurzsichtige Art des Anbaus, die für die fortschreitende Rodung immer weiterer Regenwaldflächen verantwortlich ist – aus ökonomischen Motiven, aufgrund mangelnden Bewusstseins und aufgrund fehlender Steuerung der Regierungen.

Andere Ölpflanzen wie z. B. Soja, Raps oder Kokospalmen erzeugen im konventionellen Anbau ähnliche Probleme. Darüber hinaus ist Palmöl im Grunde ein sehr nachhaltiges Pflanzenöl, da die Ölpalme global eine der ertragreichsten Ölfrüchte ist. Um die entsprechende Menge Öl zu erzielen, benötigt man für den Anbau anderer Ölpflanzen bis zu sieben Mal mehr Fläche.

Die Verwendung 100% RSPO-zertifizierten Palmöls genügt uns bei SPEICK Naturkosmetik jedoch nicht. Seit 2016 sind wir Mitglied bei FONAP und engagieren uns damit – über den verantwortungsvollen Einkauf hinausgehend – für den nachhaltigen Anbau von Ölpalmen.