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Von der Landwirtschaft zur Biokosmetik. Interview mit Maria Pieper von MARíAS

Wie entsteht aus der Liebe zum Landleben und der Begeisterung über die Wirkung von Kräutern ein etablierter Anbieter von zertifizierter Biokosmetik? Darüber haben wir mit Maria Pieper, Gründerin und Geschäftsführerin von MARÍAS Organic Skincare im Interview – neben weiteren Themen wie der Arbeit im Familienbetrieb – gesprochen:

Familiär und beruflich miteinander verbandelt: Maria und Anna Pieper. Foto: MARíAS

Familiär und beruflich miteinander verbandelt: Maria und Anna Pieper. Foto: MARíAS

Vor mehr als 25 Jahren übernahmst du eine biologische Kräuterfarm in der Steiermark. Wie entstand daraus deine Marke MARíAS Organic Care mit Sitz in Salzburg?

Wir haben 1985 an einem wunderschönen einsamen Ort, ganz an der slowenischen Grenze in der Südsteiermark eine Landwirtschaft mit 8 Hektar Grund, darauf ein modernes Holzblockhaus, gekauft. Zu dieser Zeit haben sich viele „Aussteiger“ an den unterschiedlichsten Orten aus verschiedenen Beweggründen niedergelassen. Mein Mann wollte Bauer werden, geworden ist es letztendlich die Pieper Biokosmetik Manufaktur GmbH mit Sitz in Salzburg.

Man darf sich dieses Landleben aber nicht zu romantisch vorstellen, es war eine Zeit der Begeisterung und des Aufbruchs, aber auch der harten Arbeit, wenn man die Überzeugungen auch in Taten umsetzen wollte. Ich habe mit meinem Gehalt als Lehrerin für die finanzielle Sicherheit der Familie gesorgt und daneben mit großem Interesse begonnen, die Kräuter zu Pflegeprodukten zu verarbeiten. Zuerst für die Familie, für Freunde und Kolleginnen, dann folgten die ersten Kunsthandwerksmärkte – damit war bereits ein kleines Zusatzeinkommen gesichert. 1993 erhielt ich offiziell den Gewerbeschein für die Produktion und den Vertrieb von kosmetischen Produkten – die Firma war somit legalisiert.

Zu dieser Zeit wurde auch die Landwirtschaftskammer auf mich aufmerksam und lud mich zu Vorträgen ein. Ich fuhr in die Gemeinden, erzählte den interessierten Einheimischen, von welch wunderbarer Natur sie umgeben sind und wie sie daraus Pflegeprodukte herstellen können – wie z. B. den „Fußgeist“, wenn die müden Beine schwer sind, oder wenn sich der Fußpilz in den Stiefeln des Bauern eingenistet hat bzw. um ihn (den Fußpilz) abzuwehren.  Heute heißt das Produkt „Body Fit“ und in den Wellnesshotels werden damit aktivierende „Sportmassagen“ durchgeführt. Diese Vorträge waren immer mit dem Verteilen eines ausführlichen Scriptums inklusive Rezepturen und dem anschließenden Verkauf meiner inzwischen umfangreichen Produktpalette verbunden – das erste Direktmarketing mit anschließendem Versand. Inzwischen hatten wir 3 Kinder – unsere Tochter Anna hatten wir mitgebracht und die beiden Söhne Johannes und Valentin waren in der Südsteiermark zur Welt gekommen.

Die Produkte von MARíAS entstehen schon längst nicht mehr in der heimischen Rührküche von Maria Pieper. Foto: MARíAS

Die Produkte von MARíAS entstehen schon längst nicht mehr in der heimischen Rührküche von Maria Pieper. Foto: MARíAS

Wie führte euer Weg euch dann von der Südsteiermark zurück nach Salzburg?

Wenn man mich heute fragt, warum wir wieder nach Salzburg zurückgekehrt sind, kann ich zwar viele Gründe aufzählen, aber letztendlich glaube ich ganz einfach, dass die Zeit abgelaufen war. Ich möchte die Jahre in diesem schönen Holzhaus, dieses einfache Leben verbunden mit der Natur, nicht missen. Es hat uns sehr geprägt und es war nicht immer einfach. Aber ich lebe wieder sehr gerne in Salzburg, ich liebe diese Stadt, die sich alljährlich im Sommer zur weltoffenen Plattform verwandelt.

Wir haben kurz vor der Jahrtausendwende nicht ohne Trennungsschmerz die Landwirtschaft verkauft und sind nach Salzburg zurückgekehrt. Hier haben wir das Elternhaus meines Mannes, direkt an der Salzach gelegen, renoviert und einen Neubau für Produktion und Verwaltung hingestellt. 2012 sind wir mit Produktion und Versand in einen größeren Standort übersiedelt.

Wir produzieren einerseits Produkte für unsere eigene Marke, entwickeln und produzieren aber auch für Fremdmarken wie z. B. Mani Olivenöl, Bioemsan, Hanf & Natur, Fangocur, EZA u. a. Wir haben uns entschlossen, zukünftig keine Fremdaufträge mehr anzunehmen und den Fokus auf unsere Eigenmarke zu legen.

Das diesjährige Motto beim NaturkosmetikCamp lautete „In Balance mit der Natur“. Welche Aspekte zeichnen für dich eine Kosmetiklinie aus, die diesem Motto gerecht wird?

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Naturkosmetik und Biokosmetik. Vor 30 Jahren, als wir in der Südsteiermark eine Kräuterfarm übernommen haben, war es selbstverständlich, dass Naturkosmetik ausschließlich landwirtschaftliche Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau enthält. Inzwischen hat sich viel geändert. Es gibt Siegel für Natur- & Biokosmetik und nur wenn man deren zugrunde liegenden Richtlinien kennt, erkennt man die Wertigkeit des Produktes. Das bedeutet z. B., dass ein Produkt, das als Naturkosmetik angeboten wird und eines der bekannten Siegel für Naturkosmetik trägt, Pflanzenöle aus konventionellem Anbau enthalten darf. Die Balance mit der Natur ist somit nicht gegeben.

In Österreich ist der Begriff der Bioskosmetik gesetzlich geschützt. Foto: MARíAS

In Österreich ist der Begriff der Bioskosmetik gesetzlich geschützt. Foto: MARíAS

In Österreich, also da, wo MARíAS ansässig ist, sind die Anforderungen an Biokosmetik gesetzlich geregelt. Inwiefern profitieren davon aus deiner Sicht die Konsumenten?

Da es sich um keinen privatrechtlichen Standard handelt, wie dies bei anderen Richtlinien der Fall ist, darf ein österreichischer Produzent z. B. die Begriffe Natur- oder Bio(-Kosmetik) nicht verwenden, wenn seine Produkte nicht dem Codexkapitel entsprechen. Einige Punkte sind in Österreich strenger geregelt – wie z. B. der Anspruch auf ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe, ausgenommen einige genau definierte zugelassene naturidente Konservierungsstoffe. Auch die Verarbeitungsschritte, z. B. für Pflanzenöle, sind eingeschränkt – so sind z. B. keine hydrierten Öle und Fette zugelassen.

Zusammengefasst würde ich sagen, in Produkten mit dem Hinweis auf der Etikette „Hergestellt gemäß ÖLMB (Österreichisches Lebensmittelbuch) Kapitel A8 Abschnitt Biokosmetik“ ist mehr unveränderte Natur enthalten.

Du hast drei Kinder, zwei davon – Anna und Johannes – arbeiten bereits sehr engagiert im Unternehmen mit. Wie gestaltet sich hier die generationsübergreifende Zusammenarbeit? Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Es kommt etwas Neues hinein, mehr Professionalität und ich finde es passiert eine gute Mischung. Die Kinder haben einerseits den ursprünglichen „Geist“, die Philosophie, den Pioniergeist, der uns in der Steiermark antrieb, erlebt, andererseits hat Johannes durch sein Studium der Unternehmensführung an der FH in Krems das Wissen erworben, das für ein gesundes Wachstum der Firma erforderlich ist. Anna arbeitet von Hamburg aus für die Firma. Sie hat vor einem halben Jahr ein Baby bekommen und wir haben mit Jonathan einen neuen Star für unsere Babyserie „Mammamia“!

Bezüglich der Zukunftspläne: Mit Unterstützung einer Agentur sind wir gerade dabei, ein innovatives, auch optisch ansprechendes Angebot an Zimmerkosmetik in Bioqualität für Hotels – regionale Rohstoffe, Verpackung hergestellt aus natürlichem Ausgangsmaterial – zusammenzustellen. Die Nachfrage ist überraschend groß. Was ursprünglich nur in Biohotels gefragt war, gewinnt nun auch in „normalen“ Hotels immer mehr an Bedeutung. Ich würde sagen, das ist ein gutes Zeichen – nicht nur für uns, sondern auch für unseren Planeten.