BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Bio- und Naturkosmetik

Sinnstiftendes Führungsvermögen für emotionale Arbeitsplätze

Ich traue mich über sinnstiftendes Führungsvermögen etwas zu sagen – so geschehen zuletzt beim NaturkosmetikCamp 2016 –, weil ich an die 500 Menschen gecoacht habe, die mir dazu etwas zu sagen hatten, und zwar ziemlich viel. Ich beziehe meine Überzeugung, wie gute Führung funktioniert, auch aus einer ganzen Reihe an Radiosendungen, die ich auf der Salzburger Radiofabrik im Format „Fair-Play“ in den letzten Jahren gemacht habe. Außerdem war ich lange Jahre selbst Führungskraft.

Sinnstiftendes Führungsvermögen - Voraussetzung zur Schaffung emotionaler Arbeitsplätze. Foto: Robert Kneschke/Fotolia

Sinnstiftendes Führungsvermögen – Voraussetzung zur Schaffung emotionaler Arbeitsplätze. Foto: Robert Kneschke/Fotolia

Die Gestaltung von Beziehungen als Führunsgaufgabe

Immer wieder sagen Unternehmer mit Spirit ähnlich Einfaches, Menschliches. Beispielhaft habe ich in meiner Führungssession auf dem Naturkosmetikcamp 2016 einen Radiobeitrag vorgespielt, bei dem Albert Schmidbauer – Eigentümer von Biogena – zum Thema sagt (sinngemäß):

Wir müssen alles Positive als Führungskraft vorleben, wir müssen Menschen von unseren Haltungen und Ideen überzeugen, „Leitplanken“ schaffen und dann die Menschen aus ihrem Inneren heraus losmarschieren lassen. Das bringt Kultur und gleichzeitig unternehmerischen Erfolg. Wenn wir die Kultur leben, kommt der wirtschaftliche Erfolg automatisch.

Ich teile Albert Schmidbauers Ansichten zutiefst. Ich bin der Überzeugung, dass Führung heutzutage noch viel zu sehr als Aufgabenabarbeitung gesehen wird. Vielmehr wird es Anforderung der Zukunft sein, die Beziehungen zu gestalten, zu formen, zu nutzen, um individuelle Potenziale für das Gesamte aufzubereiten. Ansonsten bleibt es beim aufgabenbezogenen Anordnen von Aufgaben, maximal kommt es zu Delegation. Die Musik spielt erst ab einem hohen Grad der Beziehungsorientierung, Partizipation und die Königsdisziplin „Arbeiten aus Überzeugung“ wird möglich. (vgl. nachstehende Grafik von Christian Holzer: Sinnstiftendes Führen, abgeleitet vom Situativen Führungsmodell von Hersey/Blanchard 1977.)

Modell der sinnstiftenden Führung. Grafik: Christian Holzer

Modell der sinnstiftenden Führung. Grafik: Christian Holzer

Bisher haben wir so getan, als ob Emotionenzeigen und Wirtschaften nichts miteinander zu tun haben. „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ könnte man sagen. Knallhart darwinistisch den anderen über den Tisch zu ziehen galt als salonfähig und nachahmenswert. Gefühle im Geschäftsleben hatten den Nimbus von soft, weich und unerfolgreich.

Dabei sind die guten Arbeitsplätze gerade nicht emotionsneutrale Zone. Interessanterweise werden Emotionen und Kunden seit langer Zeit in enge Verbindung gesetzt. Dem schwedischen Markenexperten Thomas Gad zur Folge müssen Marken die Menschen berühren.

Emotionen als Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg

Die emotionale Beziehung zum Kunden ist der Schlüssel zum geschäftlichen Erfolg. Warum hat es so lange gedauert bis man auf die Idee gekommen ist, auch zu Mitarbeitern in strategische emotionale Beziehung zu treten? Ich kenne Unternehmen, die den Mitarbeiter als „König“ bezeichnen. Die Kunden profitieren vom Wohlgefühl des Mitarbeiters. Kunden spüren echte Freude, sie kaufen gerne mit gutem Gefühl.

Offensichtlich war man lange vielerorts der Ansicht, dass gutes Personal einfach dankbar ist, in einem Unternehmen sein zu dürfen. Wenn man sich vor Augen hält, dass man in den 1980er Jahren das Personal mitunter auf einen Kostenfaktor auf zwei Beinen reduziert hat, verwundert das lange Mauerblümchendasein einer Arbeitgebermarkenentwicklung (Employer Branding) nicht. Wie sind Unternehmen als Arbeitgeber? Wie gestalten sie ihre Führung und ihre Beziehungen zueinander positiv? Welche Unternehmenskultur findet man tatsächlich vor? Warum sollten Slogans a la „Amore, motore Agip….“ nicht auch für Mitarbeiterfindung und -bindung funktionieren? Strategisch durchdachter Aufbau einer Arbeitgebermarke, basierende auf den Grundwerten des Unternehmens, ohne zu flunkern, mit der Absicht zu echten Emotionen in echten Beziehungen. Wenn das klappt, dann bleiben die Leute wach, gesund, motiviert und bei der Stange. Übrigens setze ich solcherart Firmen mit dem Wiener Marketingfilmer Jörg Pattis in Szene (siehe www.employerbranding.life), nicht jedoch ohne vorher genau die wirklich echte Unternehmenskultur vermittelt zu bekommen.

Christian Holzers Session beim 3. NaturkosmetikCamp. Foto: Dirk Holst/NaturkosmetikCamp

Christian Holzers Session beim 3. NaturkosmetikCamp. Foto: Dirk Holst/NaturkosmetikCamp

Im Diskussionsteil bei der erwähnten Session beim NaturkosmetikCamp habe ich mir dieses Mal wieder einmal erlaubt, die ZuhörerInnen auf einer Linie von 0 (ich arbeite in ganz miserabler Unternehmensführung) bis 100 (es ist ein Traum dort zu arbeiten, wo ich bin) Aufstellung zu nehmen. Ich war sehr überrascht, mehrheitlich Menschen in der oberen Hälfte anzutreffen, üblicherweise liegen Höchstwerte spiegelverkehrt in der unteren Hälfte. Es dürfte an der Naturkosmetikbranche liegen, gepaart mit sehr reflektierten Menschen als Gäste des NaturkosmetikCamps, dass so positive Führung in der Realität erlebt wird. Die Aussagen der Menschen am sehr unzufriedenen Ende der Linie zeigten gängige Defizite auf: Keine Mitsprache, keine Eigenverantwortung erwünscht, kein Herz. Die TeilnehmerInnen der Session zogen aus meinem Vortrag folgende Bilanz: Gut ist Arbeiten aus Überzeugung, in Beziehungsarbeit ohne Energievampire und mit viel Vertrauen. Aber: Es gibt noch viel zu tun.