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Die Hautbarriere und Mythen der Hautpflege. Interview mit Carolin Mündemann

Die Session von Carolin Mündemann auf dem 3. NaturkosmetikCamp stand ganz im Zeichen der Hautbarriere und Mythen rund um das Thema der Hautpflege. Wir haben mit Carolin über diese Mythen und natürliche Hautpflege gesprochen.

Die Haut unterliegt vielfältigen Einflussfaktoren. Foto: Konstantin Yuganov/Fotolia

Die Haut unterliegt vielfältigen Einflussfaktoren. Foto: Konstantin Yuganov/Fotolia

Carolin, deine Session stand unter dem Titel „Die kotzenden Keratinozyten“. Was verbirgt sich denn genau hinter dieser sehr bildlichen Alliteration?

Ich hatte kurz überlegt, die Session „Das stratum corneum – Struktur und Morphologie einer hoch effizienten Barriere“ zu nennen, aber mal ehrlich, das holt doch keinen hinter dem Ofen vor. Die Haut ist ein so faszinierendes Organ, auf ihren ca. 2 Quadratmetern Fläche bringt sie bis zu 4 Millionen Schweißdrüsen unter und 5 Millionen Haare und insgesamt 120 Milliarden Hautzellen, das ist doch der Wahnsinn! Insbesondere die Hautbarriere ist ein richtiger Tausendsassa. Sie ist verantwortlich dafür, dass wir Wasser in der Haut speichern können, sie schützt vor Austrocknung, chemischen Substanzen und auch vor UV-Strahlen. Gleichzeitig nutzen wir die Haut aber auch um Wirkstoffe einzuschleusen.

Aber die Frage ist doch: Was genau ist die Hautbarriere und wie funktioniert sie? Und da spielen die Keratinozyten eine zentrale Rolle, allerdings muss ich natürlich sagen: Die kotzen gar nicht wirklich, die spucken eher aus. Aber ich versuche das mal kurz zu erklären:

Die Haut besteht aus drei Schichten, um die Hautbarriere zu verstehen, muss man sich den Aufbau der Epidermis ansehen – der obersten Schicht der Drei – und den Zyklus der Hautzellen. Die Epidermis wiederum besteht aus 4 Schichten. Im Laufe eines 28 tägigen Zyklus wandert die Hautzelle, zu Anfang noch Keratinozyt genannt, durch die einzelnen Epidermisschichten. Währenddessen reift in jedem einzelnen Keratinozyt ein kleines Bläschen heran, das Ceramide, Cholesterol und freie Fettsäuren enthält. An einem gewissen Punkt in diesem Lebenszyklus der Hautzelle gehen diese Bläschen zugrunde und die Zelle spuckt die Lipide aus. Es passiert ein schneller Umbau der Keratinozyten in sog. Korneozyten, das sind dann die Hornzellen. Diese sind flach, ohne Zellkern und bestehen ausschließlich aus Keratin. Zusammen mit den Lipiden bilden die Korneozyten im Großen und Ganzen die Hautbarriere. Wobei ich anmerken muss, dass das alles nicht wissenschaftlich bis ins letzte Detail exakt formuliert ist und auch ein paar Feinheiten fehlen, die schulde ich hier der didaktischen Reduktion.

Es geht also um die Hautbarriere. Zu diesem Thema begegnen uns in den verschiedensten Kontexten einige Aussagen immer wieder – zum Beispiel „Die Haut muss atmen können.“ Kann und muss sie das tatsächlich?

Die Haut dampft jederzeit für unsere Augen völlig unsichtbar – und einige nennen das Hautatmung. Die physiologische Abdunstung von Wasser beträgt täglich ca. 250ml und ist ein wichtiger Parameter der Barrierefunktion der Haut, sie kann als sog. Transepidermaler Wasserverlust (TEWL) biophysikalisch gemessen werden.

Man könnte jetzt also sagen, dass die „Hautatmung“ eben der ungehinderten Wasserdampfabgabe entspricht. Nun gibt es Inhaltsstoffe, die den TEWL senken können, also quasi die messbare Verdunstung, so z. B. Mineralöle und Silikone. Als Bestandteile von Cremes, auf die Haut aufgetragen, bilden sie eine Schicht auf der Haut und lassen kaum hauteigenen Wasserdampf hindurch. Das Problem dabei ist, dass man in der Kosmetik so in einen Teufelskreis geraten kann. Die Haut wird ohne aufgetragene Cremes, die Mineralöl und/oder Silikone enthalten, eher als trocken empfunden, es wird also nachgecremt oder eine Creme für trockene Haut genutzt, die anteilsmäßig mehr Mineralöle und Silikone enthält – und so kann der Kreis beginnen.

Einblick in die interaktive Session beim 3. NaturkosmetikCamp von Carolin Mündemann. Foto: Ida König

Einblick in die interaktive Session beim 3. NaturkosmetikCamp von Carolin Mündemann. Foto: Ida König

Inwiefern ist Naturkosmetik die richtige Wahl für eine intakte Hautbarriere? Worauf sollten Konsumenten deiner Meinung nach bei der Produktwahl besonders achten?

In Naturkosmetik werden keine Mineralöle verwendet, sondern ausschließlich natürliche fette Öle, die hauptsächlich aus langkettigen Fettsäuren bestehen. Diese integrieren sich nahtlos in die Hautbarriere. Dadurch ist ein Hautschutz gegeben, aber der TEWL wird eben nicht gesenkt, die natürliche Abdunstung nicht verhindert. Die Haut ist also ungehindert in ihren regenerativen Fähigkeiten.

Ich empfehle gerne die Haut auch kurmäßig mit reinen Ölen oder gut abgestimmten Ölmischungen zu pflegen. Wenn es heiß ist, wird das von manchen eher als unangenehm empfunden, aber im Herbst ist das eine tolle Pflege und stimmt die Haut super auf den Winter ein. Und im ausgehenden Winter, wenn die Haut den Winter so richtig satt hat, dann kann so ein Öl schön geschmeidig machen und schützen.

Welchen weiteren Mythos rund um die Hautbarriere möchtest du an dieser Stelle ein für alle Mal entkräften?

Ich möchte keinen entkräften, ich möchte lieber einen bestätigen: Die Entfernung der obersten Korneozyten, z. B. durch ein Peeling, ist wirklich sinnvoll. Dadurch verbessert sich die Penetration von Stoffen in die Haut, das kann man sich natürlich absolut zu Nutze machen. Wer keine empfindliche Haut hat, kann nach dem Peeling sehr gut eine pflegende Maske auftragen. Alle Anderen tragen ein Feuchtigkeitsserum und ein wirkstoffreiches fettes Öl auf und die Haut ist happy.

Deine Session war durch ein hohes Maß an Lebendigkeit geprägt – inklusive „knallermäßigem“ Überraschungseffekt! Ist dieser humoreske Ansatz fester Bestandteil deines Beratungs- und Trainingskonzepts?

Beim NaturkosmetikCamp habe ich zum ersten Mal ganz bewusst ausprobiert, was ich bis dahin immer schon in meinen Trainings gemacht habe, aber bis dato nicht kultiviert hatte: Ich habe vorgetragen mit dem Ziel, die Zuhörer zum Lachen und Staunen zu bringen mit Scherzen und eben einem Überraschungseffekt. Und die Resonanz gibt mir Recht, Ihr könnt Euch alle noch sehr gut erinnern, dass die Hautbarriere aus Lipiden besteht, „dem Zeug, das da eben rauskommt, wenn die Zelle kaputt geht“. Wer lacht, der lernt besser! ist mein Motto. Zukünftig möchte ich als Cosmedian Kosmetik und Comedy verbinden, ich arbeite gerade an Vorträgen und Trainings.