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Früher und Heute: Kosmetikverpackungen im Wandel

In allen Bereichen des Konsums spielt die geeignete Verpackung eine große Rolle. Eine gelungene Verpackung ist oft der Beginn eines guten Absatzes und für die Kundengewinnung enorm wichtig. Das trifft natürlich auch auf die Kosmetik zu. Hier spielt die besonders auffällige Kartonage oder der stilsichere Flakon eine große Rolle bei der Anschaffung. Und hier beginnt auch die Problematik der Kosmetikverpackungen – insbesondere für die Naturkosmetik.

Die Verpackungsmöglichkeiten für Naturkosmetik sind vielfältig - es muss nicht immer der Tubenklassiker sein. Foto: agephotography/Fotolia

Die Verpackungsmöglichkeiten für Naturkosmetik sind vielfältig – es muss nicht immer der Tubenklassiker sein. Foto: agephotography/Fotolia

Die ersten Naturkosmetikprodukte wurden in schlichte Glasbehälter mit Schraubverschluss, Aluminiumtuben oder auch Kunststoffbehälter abgefüllt. Einen Umkarton gab es meist nicht. Die Naturkosmetik war ein Nischenprodukt und musste „nur“ der Kundin im Bioladen gefallen. Mit steigender Kundenzahl wuchs auch das Sortiment und die Zahl der Anbieter und somit auch der Wettbewerb – und mit dem Wettbewerb die Jagd nach der besten Verpackung.

Steigende Anforderungen an die Verpackungen für Naturkosmetik

Das SPEICK Organic 3.0 Duschgel: Nachhaltigkeit innen und außen. Foto: SPEICK Naturkosmetik

Das SPEICK Organic 3.0 Duschgel: Nachhaltigkeit innen und außen. Foto: SPEICK Naturkosmetik

Was ist aber in der Naturkosmetik die beste Verpackung? Wie wichtig ist der ökologische Gedanke und die Nachhaltigkeit der Verpackung bei Naturkosmetikprodukten? Befragt man den Konsumenten, ist ihm eine schöne Verpackung sehr wichtig. Außerdem ist er bereit, für eine besonders umweltfreundliche Verpackung auch einen Mehrpreis bis zu 1,- € zu bezahlen. Ob in der Realität dieser Aufpreis wirklich erzielt werden kann, ist nur eine Vermutung. Sicher feststellen können wir aber, dass an die Verpackung für Naturkosmetikprodukte höhere Anforderungen gestellt werden als für klassische Parfümerieware. Vor allem die Konsumentin wird immer umweltbewusster und möchte möglichst wenig Umverpackung, wenig Plastik, und eine möglichst gute CO2-Bilanz des Produktes.

Für Hersteller steigen die Anforderungen: durch eine immer größer werdende Flut an gesetzlichen Bestimmungen werden die Auslobungen und vorgeschriebenen textlichen Inhalte immer größer, sodass auf eine Umverpackung/Kartonage kaum mehr verzichtet werden kann – insbesondere, wenn es darum geht, den Text noch in einer vernünftig lesbaren Zeichengröße zu erstellen. Durch „vandalierende“ Kunden im Kosmetikregal ist der Schutz eines Kosmetikproduktes erforderlich – was oftmals auch nur durch eine geeignete Kartonage gegeben ist.

Die Wahl der geeigneten Kosmetikverpackung: vielfältige Entscheidungskriterien

Der vielreisende Kunde wünscht sich eine leichte, stabile Verpackung – also eher die PET-Flasche oder Alutuben. Da hier wertvolle Rohstoffe und Erdöl eingesetzt wird, werden diese Verpackungen nicht gerne gesehen.

Glas hat einen guten Ruf, da es leicht recycelt werden kann – allerdings auch nur unter Einsatz großer Mengen Energie. Für die Entnahme der Cremes werden in der Regel Pumpspender verwendet, die wiederum aus mehreren Materialien (weicher und fester Kunststoff und Metall) bestehen und nicht dem Recyclingkreislauf zugeführt werden. Glasbehälter sind außerdem schwer und für Reisen nicht gut geeignet. Auch steigt die Gefahr im Bad durch möglichen Bruch. Möchte man Glasbehälter reinigen, ist dies meist unökologisch, da die Fette sehr fest am Glas haften und eine große Menge an Wasser und Spülmittel notwendig sind, um die Flaschen und Tigel richtig zu säubern.

Living Nature verwendet einen Mix nachhaltiger Verpackungsmaterialien. Quelle: Cobicos

Living Nature setzt auf einen Mix nachhaltiger Verpackungsmaterialien. Quelle: Cobicos

Airlessspender bieten gute Sicherheit und Schutz vor Verkeimung – benötigen aber mehr Kunststoff als ein schlichter PET-Tiegel mit Deckel.

Deckel aus Holz sind umweltfreundlich – oder wird dafür wiederum viel Wald, wohlmöglich aus fernen Wäldern in Sibirien, abgeholzt?

Einfach ist die Frage nach Papier und Tinte: hier verwendet man am besten Recyclingpapier und rückstandsfreie Tinte. Bitte stellen Sie dann aber ein Schild vor Ihre Produkte, dass diese nach Anfassen auch gekauft werden müssen. Denn ein schlichter Karton ist sehr anfällig für viele Finger und jeder Fingerprint macht das Produkt unansehnlicher und daher weniger geeignet für den Verkauf. Retouren sind vorprogrammiert und der Händler muss seine Ware umtauschen, um wieder attraktive Produkte im Regal stehen zu haben. Also dann doch besser die Kartonage mit speziell abweisender Folie, weil sie den Umtausch und somit den zusätzlich Transport der Retoure erspart?

Die Verpackung der Seren von Cobicos wurde dem Kundenfeedback entsprechend überarbeitet. Quelle: Cobicos

Die Verpackung der Seren von Cobicos wurde dem Kundenfeedback entsprechend überarbeitet. Quelle: Cobicos

Und zu guter Letzt stellt sich die Frage der Kosten. Es gibt wunderschöne Recyclingpapiere mit einem absolut ökologischen Hintergrund. Kostet der Druck der Kartonage, der Flyer oder Etiketten dann das x-fache vom Preis beim Hersteller der klassischen Variante, stellt sich die Frage, ob der Konsument bereit ist, dieses Mehr auch zu bezahlen. Oder greift dieser doch lieber zum günstigeren Produkt? Denn der Kunde weiß meist am wenigsten, wie sich der Preis seiner Lieblingscreme auf Verpackung und Inhalt verteilt. In der Regel kann man sich aber merken: je geringer die Füllmenge, desto teurer die Verpackung im Verhältnis zum Inhalt.

Fazit: Weniger ist mehr?

Mein Fazit ist daher, dass Hersteller so wenig Verpackung wie möglich und so viel Verpackung wie nötig mit ansprechendem Design und einem vernünftigen Preis-Leistungsverhältnis verwenden sollten. Eine große Herausforderung – ganz ohne Frage!