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Einblick in den Zertifizierungsprozess von Natur- und Biokosmetik

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK, durchgeführt im Auftrag von NATRUE, fühlen sich mehr als 60 Prozent der Anwender von Natur-und Biokosmetik durch das Vorhandensein eines Labels auf der Produktverpackung beim Kauf rückversichert. Label helfen Verbrauchern dabei, echte Natur- und Biokosmetik von Produkten zu unterscheiden, die nur vorgeben, natürlich zu sein und in der Realität oft weit davon entfernt sind.

Hinter einem Label verbirgt sich ein erfolgreicher Zertifizierungsprozess. Als Label Managerin habe ich bereits viele internationale, mittelständische und familiengeführte Unternehmen auf dem Weg zum Erhalt des NATRUE-Siegels gesehen. Ich habe auch das Scheitern einiger Marken erlebt, die entweder an einem bestimmten Punkt aufgaben oder schlussendlich ein anderes Label wählten. Was ist der Unterschied zwischen denen, die den Zertifizierungsprozess erfolgreich durchlaufen haben und denen, die es nicht schafften?

Wenn ein Unternehmen die Werte unseres Siegels teilt und dessen strenge Richtlinien nicht als Hindernis, sondern als Herausforderung versteht, die letztendlich den Verbrauchern zugute kommt, stehen die Chancen gut, dass  unser Siegel in Zukunft auf den Produkten zu sehen sein wird. All dies lässt sich mit dem Wort „Engagement“ zusammenfassen. Hier nun die einzelnen Schritte im Prozess der Natur- und Bio-Kosmetikzertifizierung mit NATRUE:

Änderung von Produktformulierungen

Vom Zeitpunkt der Entscheidung eines Unternehmens für die NATRUE-Zertifizierung bis zu dem Moment, an dem Produkte mit dem Label tatsächlich auf dem Markt erhältlich sind, kann einige Zeit vergehen.

Warum?

Zunächst müssen einige Produktformulierungen geändert werden – bestimmte Inhaltsstoffe sind möglicherweise gemäß den Richtlinien nicht zugelassen; andere Inhaltsstoffe könnten zwar bereits mit den Richtlinien übereinstimmen, doch dies muss erst noch überprüft werden. Das bedeutet einen engen Austausch mit den Lieferanten sowie der Forschung-und-Entwicklungs-Abteilung des jeweiligen Unternehmens. Auch wenn dieser Prozess sehr zeitaufwendig ist: Dem Unternehmen stehen danach viele wichtige Informationen zu den eigenen Inhaltsstoffen und deren Herkunft zur Verfügung.

Wenn einzelne Inhaltsstoffe nicht mit den Richtlinien übereinstimmen, muss eine Alternative gefunden werden – schlimmstenfalls kann dies bedeuten, den Lieferanten zu wechseln. Unternehmen haben oftmals lange und etablierte Geschäftsbeziehungen mit ihren Lieferanten sowie entsprechende kommerzielle Verpflichtungen. Diese können nicht von einem Tag auf den anderen geändert werden.

Was ich gerade beschrieben habe, geschieht in der Regel noch vor dem eigentlichen Zertifizierungsprozess. Dabei kann viel Arbeit in den Unternehmen anfallen, noch bevor NATRUE von der Entscheidung einer neuen Marke, den Zertifizierungsprozess zu durchlaufen, erfährt.

Wenn die neuen Produktformulierungen abgeschlossen sind, initiiert die Zertifizierungsstelle den Zertifizierungsprozess, der aus zwei Phasen besteht: Dokumentations-Check und Produktionsprüfung.

Inhaltsstoffe und Prozesse auf dem Prüfstand

Bei NATRUE zertifizieren wir nicht selbst – wir arbeiten mit einem Netzwerk aus unabhängigen Zertifizierungsstellen zusammen. Während des Dokumentations-Checks überprüft der Zertifizierer, ob alle angegebenen Inhaltsstoffe, Produktionsprozesse und Prozentsätze den Richtlinien entsprechen. Einige Inhaltstoffe müssen womöglich von NATRUE direkt überprüft werden.

Wir haben einen Ausschuss, der für die Entwicklung der Richtlinien verantwortlich ist. Alle von uns anerkannten Zertifizierer können sich zu der Interpretation dieser Richtlinien sowie bezüglich der Aufnahme neuer Inhaltstoffe in die Liste erlaubter Inhaltsstoffe an NATRUE wenden. Dies sichert eine einheitliche Anwendung der Richtlinien, die allen Unternehmen zugutekommt.

Alle Hände voll zu tun für Marketing und Kommunikation

Sobald die Rezepturen den Richtlinien entsprechen, stellt der Zertifizierer das vorläufige Zertifikat aus. Dies ist ein sehr wichtiger Schritt, da ab diesem Zeitpunkt das Unternehmen berechtigt ist, das NATRUE-Label zu verwenden. Die Marketing- und Kommunikationsabteilung eines Unternehmens wird nun damit beschäftigt sein, die Freigabe für die neuen Produktverpackungen mit dem Label- Aufdruck zu erhalten. Des Weiteren müssen gegebenenfalls neue Unternehmens- und Produktbeschreibungen vorbereitet werden.

Alle INCI-Listen (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) müssen geändert werden, alle Werbemaßnahmen müssen das neue Label beinhalten und die Website sowie Unternehmensprofile müssen gegebenenfalls ein Update erhalten. Noch wichtiger ist es aber, das Verkaufsteam zum neuen Siegel zu schulen. Wofür steht es? Was ist der Mehrwert für die Marke? Letztlich müssen alle Einzelhändler über die bevorstehende Nutzung des Labels informiert werden. Dies ist eine große Aufgabe und beeinflusst alle Abteilungen einer Firma.

Auch wenn ein Unternehmen scheinbar am Ende des Zertifizierungsprozesses angelangt ist, ein weiterer wichtiger Schritt muss noch durchgeführt werden: die Prüfung der Produktion.

Der letzte Meilenstein vor der Zertifizierung

Der Zertifizierer führt eine Prüfung der Produktionsanlage durch, um sicherzustellen, dass alle angegebenen Informationen der Realität entsprechen. Wie das funktioniert?

Der Zertifizierer überprüft beispielsweise Lieferanten-Rechnungen und die angegebene Menge von Inhaltsstoffen in Produkten, denn das Unternehmen muss den Zusammenhang zwischen den angegebenen Formulierungen und dem, was sich tatsächlich im Lager befindet, aufzeigen. Außerdem muss offengelegt werden, wie die Bio-Qualität während des gesamten Produktionsprozesses bewahrt bleibt.

Der Zertifizierer muss feststellen, dass die biologischen Inhaltsstoffe nicht während der Lagerung oder der Produktion mit nicht-biologischen Inhaltsstoffen verunreinigt werden. Wenn die Prüfung erfolgreich ist, ist der Zertifizierungsprozess abgeschlossen und das Unternehmen ist für zwei Jahre berechtigt, das Label für die entsprechend zertifizierten Produkte zu verwenden.

Ist nun alles getan? Nicht ganz.

Weitere Schritte nach der Zertifizierung

Jede Änderung der Produktformulierung, die in den zwei Jahren der Gültigkeit der Zertifizierung vorgenommen wird, muss dem Zertifizierer gemeldet werden, der daraufhin die Produktkonformität neu bewertet. Auch neue Produkte müssen überprüft werden und gegebenenfalls findet auch eine weitere Prüfung der Produktion statt.

Die Zertifizierung ist daher ein Prozess, der schon bald Teil der Unternehmens-DNA wird. Sie unterstützt das Unternehmen dabei, seine Dokumentation des Qualitätsmanagements zu verbessern. Jedes Mal, wenn ein neues Unternehmen das NATRUE-Label nutzen kann, würde ich am liebsten all denjenigen persönlich gratulieren, die dies ermöglicht haben – in allen Bereichen des Unternehmens. Denn allzu oft wird ihrem Engagement nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt.

Verbraucher vertrauen immer mehr auf Labels – sie verstehen, dass es einen Unterschied zwischen zertifizierten und nicht-zertifizierten Marken gibt und das ist genau das, was uns von NATRUE und die Unternehmen dazu motiviert, unseren Weg konsequent weiterzugehen.