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Im Aroma steckt’s: aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Aromatherapie

Der Geruchssinn erlebt auf unterschiedliche Art und Weise in Kunst, Wirtschaft und Gesellschaft lebendige Popularität. Die Gründe dafür und Nachweise sind vielfältig. In diesem Beitrag wird beispielhaft auf ein Themenfeld eingegangen, das den Menschen schon seit Jahrhunderten bewegt: die natürlichen Aromen.

Natürliche Duftstoffe wirken unmittelbar auf Körper und Geist. Foto: TAOASIS

Natürliche Duftstoffe wirken unmittelbar auf Körper und Geist. Foto: TAOASIS

Lavendel ist ein Klassiker der Aromatherapie. Foto: Primavera Life

Lavendel ist ein Klassiker der Aromatherapie. Foto: Primavera Life

Seit jeher spielen Aromen auch in der Naturkosmetik eine besondere Rolle. Gerade in Form der ätherischen Öle sind natürliche Aromastoffe pflanzlichen Ursprungs aufgrund ihrer besonderen Wirkung bei körperlichen und seelischen Beschwerden beliebt. Ätherische Öle sind (Duft-)Stoffe von Pflanzen, die in unterschiedlichen Teilen gebildet werden: u. a. in Blättern, Nadeln, Blüten, Früchten und Wurzeln. Die Öle haben für die Pflanzen zahlreiche Funktionen: sie locken Insekten an, wehren Organismen ab und sind beim Pflanzenstoffwechsel wirksam. Auch als Kommunikationsmechanismen mit der Umwelt sind sie zu verstehen. Der Mensch wendet sie mit ihren Spezifika und Einsatzmöglichkeiten symptombezogen an: Bergamotte wirkt belebend bei Stress; Lavendel lässt bei nervösen Verspannungen entspannen; Patchouli stimuliert bei Frustration. Jenseits dieser traditionellen Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele weitere Optionen.

Innere und äußere Anwendung sowie die Wirkungsweise sind je nach Öl sehr verschieden. Hierbei handelt es sich um die Aktionsfelder der Aromapflege und Aromatherapie, die durch entsprechend geschulte Ärzte und Heilpraktiker Erkrankungen von Körper, Geist und Seele zu behandeln und heilen versprechen. Im Bereich der Aromatherapie (und auch der damit eng verbundenen Aromapflege, die hier weniger explizit genannt wird) hat sich in den letzten Jahren viel getan.

Ein Überblick: Entwicklungen und Herausforderungen

Wie hat sich das Feld in den letzten Jahren entwickelt? Mit diesen vier Experten, die seit vielen Jahren die Branche als Insider kennen, werden aktuelle Tendenzen und Sachverhalte beispielhaft thematisiert: Gian Furrer (Geschäftsleitung Farfalla), Ute Leube und Kurt Ludwig Nübling (Unternehmensgründer Primavera) und Axel Meyer (Geschäftsführer Taoasis) stehen Rede und Antwort.

Gian Furrer fasst einerseits die dynamische Entwicklung zusammen, weist aber auch auf entstehende Herausforderungen hin: „Renommierte Wissenschaftler beschäftigen sich mit ätherischen Ölen, unzählige Studien laufen und belegen naturheilkundliche  Erfahrungen. Wir können feststellen, dass das Bewusstsein für  den Einsatz natürlicher Duftstoffe und ihrer Wirkung in einem Naturkosmetikum immer breiter verankert ist.  Gleichzeitig jedoch gibt es auch die Bestrebungen im Bereich des Europäischen Konsumentenschutzes, welche in Zukunft immer mehr Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen als Allergene deklarieren wollen.“

Kurt L. Nübling nennt weitere Aspekte: „Die Wirksamkeit ätherischer Öle wird immer mehr zum Forschungsgegenstand. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen werden somit immer aufgeschlossener, die Aromapflege ist schon gut etabliert. Das Thema „Krankenhauskeime“ (MRSA)  wurde 2015 von Gesundheitsminister Gröhe erkannt und medial aufgegriffen. Es geht hier vor allem auch um das Problem der Antibiotika-Resistenzen. Aufgrund ihrer Vielstofflichkeit, die je nach Ernteort, -zeitpunkt, Sonneneinstrahlung immer wieder anders ausfällt, können ätherische Öle gerade bei der Bekämpfung von multiresistenten Keimen wertvolle Dienste leisten.“

Die Anwendung von Aromatherapie-Produkten beschränkt sich nicht nur auf den heimischen Gebrauch. Foto: Farfalla

Die Anwendung von Aromatherapie-Produkten beschränkt sich nicht nur auf den heimischen Gebrauch. Foto: Farfalla

Das Merkmal Qualität bei natürlichen Aromen

Diese Sachverhalte erfordern natürlich, dass Unternehmen in diesem Feld ständig am Puls der Zeit bleiben, Schwerpunkte in ihren Aktivitäten wählen und Augenmerke auf relevante gesamtgesellschaftliche Entwicklungen legen. Qualität, Herkunft und Verantwortung (also die Berücksichtigung der Lebensumstände der Zulieferer) sind drei Hauptaugenmerke. Axel Meyer erläutert zum Themenfeld Qualität: „Zertifizierung ist uns wichtig. Wir haben immer mehr Öle zertifizieren lassen – nicht nur BDIH und das neue NATRUE für Biokosmetik, sondern demeter, das strengste Biosiegel, weil schon bei der Gewinnung der Rohstoffe harte Auflagen erfüllt werden müssen. Rund 35 Öle aus unserem Sortiment tragen mittlerweile das demeter-Siegel. Die Öle stammen also aus biologisch einwandfreien Rohstoffen. Die Demeterzertifizierung haben wir zum ersten Mal auf Bioparfum und Bio-Raumdüfte übertragen, das ist weltweit einzigartig. Seit der Biofach 2016 bieten wir zum ersten Mal auch Bio-Deo in Demeterqualität an.“

Gian Furrer hebt ebenfalls hervor: „Wir vertreten eine ökologische Gesamthaltung: 70 % der Rohstoffe stammen aus kontrolliert biologischem Anbau und biologischer Wildsammlung.“ Kurt L. Nübling verbindet den Aspekt der Qualität mit der Unternehmensethik: „Für Primavera ist sortenreine Qualität oberstes Gebot. Wir verlassen uns nicht auf Zertifikate der Hersteller in aller Welt, sondern machen bei jedem Wareneingang unsere eigene Analytik und verzichten lieber auf Umsatz, wenn die Qualität nicht unseren Maßstäben entspricht. Die Qualitätssicherung hat bei Primavera einen sehr hohen Standard. Cajeput (das Öl erinnert vom Duft her an Eukalyptus und wirkt stark antiseptisch) ist beispielsweise derzeit bei Primavera nicht lieferbar, da es nicht unsere Anforderungen erfüllt. Sie sehen: Wir muten Kunden auch Lieferlücken zu.“

Rohstoffe in Bioqualität bilden die Grundlage für hochwertige ätherische Öle. Foto: Farfalla

Rohstoffe in Bioqualität bilden die Grundlage für hochwertige ätherische Öle. Foto: Farfalla

Herkunft und sozio-ökologische Verantwortung

Es wird zudem für wichtig erachtet, auch vor Ort anwesend zu sein – um beim Anbau mitzuwirken und Verantwortung zu tragen. Axel Meyer skizziert anschaulich: „Die hohe Qualität der Rohstoffe, genauso wie faire Handelspartnerschaften, Nachhaltigkeit, und eine vorbildliche CO2-Bilanz, zählen zu den obersten und wichtigsten Prinzipien unseres Unternehmens.“ Dem stimmt Kurt L. Nübling für sein Unternehmen zu: „Die Anbauprojekte sind das Herzstück von Primavera. Es handelt sich um teilweise 30 Jahre alte Beziehungen, die auf Vertrauen und Freundschaft basieren. Über die Jahre sind zahlreiche Bio-Anbauprojekte auf Initiative von Primavera entstanden. Heute bezieht Primavera einen Großteil der mehr als 130 Pflanzenrohstoffe von 12 Bio-Anbaupartnern weltweit. Im Umkehrschluss tragen wir so dazu bei, dass die Landbevölkerung in Entwicklungsländern ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften kann und nicht in Großstädte abwandern muss. Seit mehr als 30 Jahren gehört diese Corporate Social Responsibility (CSR) zum Markenkern. Wir tragen somit zum globalen Wohlbefinden aktiv und nachhaltig bei.“

Gian Furrer hebt folgende Punkte heraus: „Wir unterstützen aktiv Bio-Anbauprojekte und wir verstehen unsere Rohstofflieferanten auf der ganzen Welt als Partner und behandeln sie fair, respektvoll und menschlich. Meist handelt es sich um kleinere Produzenten, Bauern und Cooperativen, die für ökologischen oder sozialen Mehrwert unser Label Grand Cru verdienen. Die gesamte Farfalla Naturkosmetik-Palette ist Natrue-oder BDIH-zeritifziert, somit sind 100 % aller Produkte garantiert ohne Gentechnologie, Nanotechnologie und synthetische Substanzen.  Sämtliche Farfalla Produkte werden im hauseigenen Labor in der Schweiz hergestellt.“

Entwicklungen im Anwendungsbereich

Raumbeduftung mit ätherischen Ölen erfreut sich großer Beliebtheit. Foto: TAOASIS

Raumbeduftung mit ätherischen Ölen erfreut sich großer Beliebtheit. Foto: TAOASIS

Wo wird mit Aromen gearbeitet? Der private Bereich ist nur ein Anwendungsbereich, in dem Aromatherapie heute eine Rolle spielen. Welche weiteren bzw. neuen Themenfelder sind zu nennen? Ute Leube hebt Wirkungen für Jung und Alt hervor: „In Schulen und Kindergärten finden unsere Produkte Anklang. Unsere „Leichter lernen“-Serie ist sehr erfolgreich, was die Erfordernisse des täglichen Lebens und den Leistungsdruck widerspiegelt. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen profitieren mehrfach vom Einsatz von Aromastoffen: Die antibakterielle Wirkung zählt, zugleich weckt der Duft  Erinnerungen und hilft so bei Demenz, verändert das Duft- und Raumklima positiv, erleichtert aufgrund der jeweiligen Wirkung dem Personal die Pflege und vieles mehr.“

Axel Meyer betont: „Raumbeduftung ist sicherlich ein wachsendes Thema, nicht nur in Hotels und auf Verkaufsflächen, auch im gesamten privaten Bereich.“ Er sieht zudem auch die Verbindung zum Nahrungsmittelbereich: „Aber auch beim Essen und Trinken, denn die Bio-Aromen geben nicht nur den letzten Partykick im Aperitif. Auch im alltäglichen Leben können sie z. B. helfen, älteren Menschen ihr Essen wieder schmackhafter zu machen – ergiebig und ganz ohne Nebenwirkungen.“ Gian Furrer kennzeichnet ähnliche Einsatzorte und ergänzt: „Farfalla ätherische Öle finden Verwendung  in der Geburtshilfe wie auch in der Alten- und  Krankenpflege. Sie sind wichtige Bestandteile von Wellness-Ambiente in Spas und Hotels.“

Der Kunde im Wandel der Zeit

Inwiefern hat sich der Verbraucher, der Aromen für sich nutzt, verändert? Und wen spricht das Thema heute an? Axel Meyer skizziert den aktuellen Endverbraucher, der sich für ätherische Öle und Aromatherapieprodukte interessiert: „Er möchte weniger selbst mischen, denn ein fertiges bewährtes Produkt direkt nutzen. Bewährte Rezepturen aus der Aromatherapie hat Taoasis zum Beispiel in der Linie Meditao umgesetzt – wie die Bereiche erkältungsgefährdete Jahreszeit, Baby/Kinder, Hautpflege und Sport & Bewegung“, so Meyer.

Ute Leube nennt umfassende Motivationen, wer für die Arbeit und Behandlung mit ätherischen Ölen zu gewinnen ist: „In stressigen, schnelllebigen Zeiten wird die Erfordernis von Erdung erkannt. Die ‚Helferlein’ aus der Natur unterstützen uns dabei, besser zu entspannen bzw. uns zu aktivieren. Dahinter steckt eine Rückbesinnung zur Natur getreu dem Motto ‚Weniger ist mehr.’ Damit sind einerseits das steigende Interesse an alternativen Behandlungsmethoden, andererseits aber auch eine wachsende Eigenverantwortlichkeit und Besinnung auf Rituale und die Vereinfachung des komplexen Alltags verbunden. Wahre Naturprodukte sind zum Lifestyle geworden: Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Produkte von Primavera orientieren sich an diesem Lebensstil.“