BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Bio- und Naturkosmetik

Auch auf die äußeren Werte kommt es an: Die Verpackungen der Naturkosmetik

Wer Naturkosmetik kauft, möchte nicht nur auf schädliche Inhaltsstoffe verzichten und sich selbst etwas Gutes gönnen, sondern meist auch ein Stück weit zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen. So ist es verständlich, dass Verbraucher zunehmend Wert auf die Herkunft und Herstellung der Verpackung legen. Bekannte Siegel, wie FSC für Umverpackungen und der Grüne Punkt, oder der Anteil an Recycling-Material werden immer bedeutsamer und die Verbraucher sind, wie eine aktuelle Studie der STI Group zeigt, bereit, dafür mehr Geld auszugeben.

Die Verpackungsmöglichkeiten von Kosmetik gehen über Glastiegel weit hinaus. Foto: Francesco83/Fotolia

Die Verpackungsmöglichkeiten von Kosmetik gehen über Glastiegel weit hinaus. Foto: Francesco83/Fotolia

Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff

Bei einem Gang durch die Drogerie sind hauptsächlich die in der Herstellung kostengünstigen Kunststoff-Verpackungen zu sehen. Hierbei sind die Materialen widerstandsfähig und leicht, so dass die Transportkosten geringer ausfallen als beispielsweise bei Glas. Kunststoffe haben ebenso den Vorteil, dass daraus sogenannte Airless-Spender hergestellt werden können. Diese ermöglichen es, dem Produkt weniger Konservierungsstoffe hinzuzufügen, da bei der Verwendung keine Luft an den Inhalt gelangt. Eine weitere Möglichkeit, das Produkt wenig der Luft auszusetzen, sind Aluminiumtuben, die jedoch in der Herstellung energieaufwändiger und teurer sind.

So scheinen Kunststoffe im ersten Moment die ideale Wahl für Produktverpackungen zu sein, doch werden diese aus dem begrenzt verfügbaren Rohstoff Erdöl gewonnen, welches nicht für seine umweltfreundliche Gewinnung bekannt ist. Aus diesem Grund wird besonders bei Unternehmen, welche nachhaltig produzieren möchten, recycelter Kunststoff eingesetzt. Dabei werden oft ausschließlich PET-Flaschen verwendet, die dem Recycling-Kreislauf wieder zugeführt wurden. Darüber hinaus wird an der Wiederverwertung von Rohstoffen aus dem gelben Sack geforscht.

Wichtig bei der Entscheidung für recyceltes Material ist zudem der Transportweg. Dementsprechend ist Kunststoff, welcher aus anderen Ländern importiert werden muss, um eine Verpackung zu 100% aus Recyclingmaterial herzustellen, nicht gleich umweltfreundlich.Vielmehr sollte für das komplette Produkt eine Ökobilanz aufgestellt werden. Nur so lässt sich klären, ob tatsächlich weniger Energie verbraucht und nicht unnötig CO2 ausgestoßen wird. Außerdem gibt es den sogenannten Bio-Kunststoff, welcher zum größten Teil aus Zuckerrohr hergestellt wird. Manche Unternehmen lehnen dieses Material ab, da dessen Rohstoffe nicht regional angebaut werden können. Die damit verbundenen langen Transportweg gelten somit als nicht nachhaltig.

Schwer, aber wiederverwendbar: Verpackungen aus Glas

Wird ein anderes, umweltfreundlicheres Material gewählt, so fällt die Wahl oft auf Tiegel und diverse Verpackungen aus Glas. Diese erscheinen edler und sind zudem zur Wiederverwendung leicht zu reinigen. Hinzu kommt, dass Glas keine Weichmacher oder ähnliche Stoffe an den Inhalt weitergibt, die schädliche Auswirkungen hervorrufen können. Darüber hinaus kann nicht genau festgestellt werden, wie oft der Behälter tatsächlich wiederverwendet wird und ob er im Altglas oder Restmüll entsorgt wird.

Um sicherzugehen, dass wenigstens ein Teil der Verpackungen effizient recycelt wird, arbeiten manche Unternehmen mit Belohnungssystemen. Dabei werden alte Verpackungen eingeschickt oder abgegeben, woraufhin der Kunde einen Rabatt für den nächsten Kaufprozess erhält. Trotz solcher Bemühungen bleibt der große Energieverbrauch beim Transport vom schweren Glas.

Eine Besonderheit: Verpackungen aus Metall oder Pappe

Möchte der Hersteller die Produkte für eine luxuriöse Zielgruppe vermarkten, werden häufig Metalle verwendet. Produkte mit einer solchen Verpackung erscheinen wertvoll, edel und exklusiv, liegen dank des hohen Gewichtes gut in der Hand und sind robust und widerstandsfähig. Wird die Verpackung nach der Verwendung im Ganzen entsorgt, steht der Aufwand der Herstellung nicht im Verhältnis zum Nutzen. Daher wurden auf der Vivaness in diesem Jahr wiederbefüllbare Metallhülsen für Lippenbalsam vorgestellt. Einige bekannte Hersteller verkaufen seit Jahren in Metall verpackte Naturkosmetik, welche mit günstigeren Refill-Produkten weiterhin genutzt werden können.

Seltener ist momentan die Verwendung von beschichteter Pappe. Dies ist darin begründet, dass solche Verpackungen weniger beständig sein können und größtenteils für trockene und cremige Kosmetik eingesetzt werden. Nichtsdestotrotz nutzen einige Hersteller konsequent diesen nachwachsenden Rohstoff.

Die Vielfalt der Naturkosmetik-Verpackungen. Foto: Julia Schmidt

Die Vielfalt der Naturkosmetik-Verpackungen. Foto: Julia Schmidt

Alternativ oder innovativ?

Zuletzt sollte noch eine, immer beliebter werdende, doch unkonventionelle Variante erwähnt werden. Diese hat weniger mit Verpackung und Material gemeinsam, im Gegenteil: gemeint ist die komplett verpackungsfreie Kosmetik. Sie wird in verpackungsfreien Läden verkauft und erreicht daher aktuell weniger Verbraucher als das Sortiment großer Drogerieketten. Die Idee, eigene Behältnisse mitzubringen, welche vor Ort aufgefüllt und nach dem Aufbrauchen des Inhalts daheim wieder gereinigt werden, ist für den Umweltschutz zukunftsweisender als Wegwerf-Verpackungen.

Um ein solches Konzept umzusetzen, wird teilweise die Formulierung des Produkts verändert: ideal sind feste Produkte, wie Zahnputz-Tabletten, Waschstücke oder feste Körpercremes. Hierfür wird keine aufwändig produzierte Verpackung benötigt, ein einfacher Glasbehälter des Kunden oder ein dünnes Papierstück reichen aus. Für die Massenproduktion ist dieses Konzept noch kaum realisierbar, da einerseits die Nachfrage nach cremigen Texturen weiterhin besteht und andererseits, bei der Abfüllung im Werk, die Keimbelastung von Produkten besser kontrolliert werden kann.

Fazit

Entscheidend bei der Wahl einer nachhaltigen Verpackung ist die gesamte Betrachtung. Nicht nur die Nachhaltigkeit des Materials, auch die Energie und der CO2-Verbrauch beim Transport und der Reinigung sollten mit einbezogen werden. Die Entscheidungsgründe sollten dem Kunden transparent kommuniziert werden, um Vorurteile gegenüber bestimmten Materialien zu beseitigen.