BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Bio- und Naturkosmetik

Vegane Gütesiegel für Naturkosmetik: Unterschiede, Zertifizierung und Vorteile

Immer mehr Menschen im deutschsprachigen Raum interessieren sich für den veganen Lebensstil – ein Trend, der das Potenzial hat, eine gesellschaftliche Wende herbeizuführen. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der steigenden Nachfrage nach veganen Lebensmitteln und Kosmetika, die vom Konsumenten durch entsprechende Gütesiegel leicht und schnell als frei von Tierprodukten und Tierversuchen identifiziert werden können.

Vegane Naturkosmetik Siegel

Der vegan-Trend beeinflusst zunehmend auch die Naturkosmetik. Foto: Tanja Bagusat/Fotolia

Generell unterliegt der Markt für vegane Produkte laut der Veganen Gesellschaft Österreich in den letzten fünf Jahren einem rasanten Wachstum mit Raten von 25 bis 30% pro Jahr je nach Kategorie. „Vegan“ liegt im Lebensmittelmarkt weit vor Claims wie laktosefrei, glutenfrei oder vegetarisch. Diese Entwicklungen betrifft in Folge auch die Nachfrage nach veganer Kosmetik. Gerade für Naturkosmetik mit traditionell kritischen Konsumenten kann sich die Zertifizierung veganer Produkte im Sortiment entsprechend auf den Absatz auswirken.

Um einen umfassenden Überblick über vegane Gütesiegel für Kosmetik, den Zertifizierungsprozess und die Vorteile einer Zertifizierung zu bekommen, habe ich mich mit dem zuständigen Experten der Veganen Gesellschaft Österreich, Johannes Gilli, getroffen, der mir alle meine Fragen kompetent und ausführlich beantworten konnte.

Vegane Gütesiegel in Europa

In Europa gibt es zwei Gütesiegel für vegane Produkte, das englische Vegan Trademark, umgangssprachlich auch bekannt als „Veganblume“, und das europäische V-Label. Produkte, die mit einem dieser Siegel ausgezeichnet sind, werden von unabhängiger und kompetenter Stelle kontrolliert. Diese steht dem Unternehmen auch beratend zur Seite, zum Beispiel bei Fragen in der Produktentwicklung. Beide Gütesiegel genießen in der Zielgruppe der VeganerInnen hohes Vertrauen und haben einen großen Bekanntheitsgrad. Die durch diese Siegel ausgezeichneten Produkte erhalten dadurch mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit und erleichtern somit Kaufentscheidungen.

Inhaberin des Vegan Trademark ist die in Großbritannien ansässige Vegan Society. Die Vegane Gesellschaft Österreich ist der Ansprechpartner für den deutschen Sprachraum und stellt Korrespondenz, Unterlagen und Formulare in deutscher Sprache zur Verfügung. Der Prozess der Kontrolle und Lizenzierung findet im Weiteren zentral über die Vegan Society in England statt. Inhaberin des V-Labels ist die European Vegetarian Union, die Vergabe ist dezentral organisiert, das heißt in jedem Land gibt es eine zuständige Vergabestelle. Kontaktdaten für Deutschland, Österreich und die Schweiz sind am Ende dieses Beitrags zu finden.

Unterschiede zwischen Vegan Trademark und V-Label

Die Richtlinien der beiden Gütesiegel sind nahezu ident. Das V-Label ist etwas strenger, es erlaubt im Gegensatz zum Vegan Trademark  keine GVO-Zutaten, sprich Inhaltsstoffe aus gentechnisch veränderten Organismen. Beide Siegel verbieten gleichermaßen Tierversuche für das Produkt, der Produzent darf weder selbst dafür Tierversuche durchführen noch Tierversuche in Auftrag geben. Das englische Vegan Tradenark ist bei Kosmetik derzeit etwas verbreiteter, da das V-Label hierfür erst vor rund eineinhalb Jahren registriert wurde. Zur Markteinführung des V-Labels wird zur Zeit für Kosmetika das erste Lizenzjahr kostenlos angeboten.

In Österreich ist das V-Label präsenter, da alle großen Hersteller und Handelsfirmen im DACH-Raum das V-Label verwenden, im Lebensmitteleinzelhandel ist es europäischer Marktführer. Die Lizenzpartner können hier auch von der Zusammenarbeit mit der Veganen Gesellschaft Österreich profitieren – V-Label Marken werden beispielsweise kostenlos im Magazin VEGAN.AT (Auflage 30.000 Stück) aufgelistet und erhalten stark vergünstigte Konditionen für Inserate. Letzten Endes ist die Wahl eines dieser beiden Gütesiegel auch Geschmackssache.

Der Zertifizierungsprozess für vegane Naturkosmetik

Das Produkt sowie die einzelnen Inhaltsstoffe werden standardisiert auf Basis eines Spezifikationsformulars geprüft. Verläuft dieser Prozess erfolgreich, wird ein Lizenzvertrag unterzeichnet. In Folge wird die Produktionsstätte von einer Partnerkontrollstelle auf Einhaltung der Richtlinien kontrolliert, idealerweise zum Beispiel im Rahmen der Biokontrolle. Im Zuge des Zertifizierungsprozesses müssen alle Zutaten offen gelegt werden, der Hersteller ist außerdem verpflichtet, jede Änderung der Zutaten oder Deklaration des Produktes zu melden.

Werden im selben Betrieb beziehungsweise auf den selben Maschinen auch nicht-vegane Produkte hergestellt, verpflichtet sich der Lizenznehmer, alles zu tun, um eine Kontaminierung der lizenzierten Produkte mit tierischen Produkten zu verhindern. Nachkontrollen sind beim Vegan Trademark stichprobenartig vorgesehen, beim V-Label werden die Produktionsstätten der Betriebe ein Mal jährlich überprüft.

Die Lizenzgebühren werden individuell berechnet, unter anderem sind diese abhängig von der Anzahl der Produkte. Die Investitionen beginnen im niedrigen dreistelligen Bereich, ab rund 20 Produkten kann mit einem vierstelligen Betrag gerechnet werden. Kleinen und jungen Unternehmen kommen die Lizenzgeber bei Bedarf auch gerne entgegen.

Vorteile der Zertifizierung für Unternehmen

Der Begriff „vegan“ ist gesetzlich nicht definiert und kann daher unterschiedlich ausgelegt werden. Die Vorteile einer Zertifizierung liegen daher auf der Hand:

Vertrauen und Glaubwürdigkeit, da sich das Unternehmen für ein unabhängiges Label entscheidet. Da Veganer- oder Vegetarierorganisationen die Kontrolle vornehmen, genießen beide Gütesiegel hohes Vertrauen unter den KonsumentInnen. So können diese auf den ersten Blick sehen, dass ein Produkt wirklich vegan ist.

Wiedererkennungswert, da beide Labels in der Zielgruppe bekannt sind und sofort erkannt werden. Vegane Gütesiegel haben einen hohen Wiedererkennungswert – der Bekanntheitgrad unter Vegetariern und Veganern liegt laut der Veganen Gesellschaft Österreich bei rund 90%. Als Lizenznehmer dürfen Unternehmen die Gütesiegel in der Werbung für deren Produkte verwenden sowie dieses direkt auf der Verpackung der Produkte und auf Werbedrucksachen anbringen.

Weiterführende Partnerschaften mit den zertifizierenden Organisationen, die eng mit der Zielgruppe in Kontakt stehen. Die Organisationen bieten unter anderem die kostenlose Bewerbung der Marke und der Produkte oder Sponsoring und Teilnahme an Messen und Veranstaltungen.

Kompetente Unterstützung bei Produktentwicklung, Kommunikation und Marketing von Seiten der Lizenzgeber, die auch ihre Ressourcen zur Verfügung stellen, um zum Beispiel Marktforschungsprojekte effizienter durchführen zu können oder in Layout- oder Kommunikationsfragen Hilfestellung zu bieten. Die Lizenznehmer erhalten so auch kompetente Unterstützung bei der Einführung neuer Produkte – zum Beispiel durch Kontrolle, ob eine Deklaration korrekt beziehungsweise veganergerecht ist.

Für weiterführende Fragen zu den Zertifizierungen für vegane Naturkosmetik sind hier die Ansprechpartner der jeweiligen Label und Länder aufgelistet:

Ansprechpartner

Vegan Trademark

DACH:

Vegane Gesellschaft Österreich
Meidlinger Hauptstr. 63/6
1120 Wien Österreich
Ansprechpartner: Johannes Gilli
Telefon: +43 1 929 14 98 8-1
E-Mail: info@vegan.at

V-Label

Deutschland:
VEBU – Vegetarierbund Deutschland e. V.
Genthiner Str. 48
10785 Berlin
Deutschland Country Coordinator: Hong-Duc Phan
Telefon: +49 30 29028253-0
E-Mail: de@v-label.eu

Österreich:
Vegane Gesellschaft Österreich
Meidlinger Hauptstr. 63/6
1120 Wien Österreich
Country Coordinator: Johannes Gilli
Telefon: +43 1 929 14 98 8-1
E-Mail: at@v-label.eu

Schweiz:
Swissveg
Niederfeldstrasse 92
8408 Winterthur Schweiz
Country Coordinator: Renato Pichler
Telefon: +41 71 477 33 77
E-Mail: ch@v-label.eu