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Unterwegs auf spirituellen Pfaden: Interview mit Keynote-Speaker Hans-Martin Beck

Auch beim 3. NaturkosmetikCamp erwartet die Teilnehmer wieder eine spannende Keynote, in der wir über den Tellerrand der Naturkosmetik hinaus blicken und weiterführende Denkanstöße geben. In diesem Jahr gibt Hans-Martin Beck einen Überblick über die spirituelle Tradition der Inkas und ihrer Nachfahren, der Q’ero-Indianer aus den Hochanden Perus. Wir haben mit ihm im Interview über die Verbindung von Naturkosmetik und Spiritualität sowie die Inkas und spirituelle Erfahrungen gesprochen:

Hans-Martin Beck unterwegs auf den spirituellen Spuren der Inkas. Foto: Hans-Martin Beck.

Hans-Martin Beck unterwegs auf den spirituellen Spuren der Inkas. Foto: Hans-Martin Beck

Gleich die erste Frage: Was hat Naturkosmetik mit Spiritualität zu tun?

Meiner Meinung nach ist Naturkosmetik Spiritualität pur! Ohne einen Wunsch nach Nachhaltigkeit, Fairness und Harmonie würde es ja keine Naturkosmetik geben. Menschen, die Naturkosmetik herstellen oder nutzen, möchten, dass es allen Beteiligten gut geht: den Produzenten, der Natur und den Pflanzen sowie dem eigenen Körper. Genau das ist doch auch der Ansatz von Spiritualität: mir bewusst zu sein, was ich mit meinem Handeln bewirke, Rücksicht auf mich selbst zu nehmen, auf andere und die Umwelt. Wir alle wollen doch das gleiche: In Harmonie mit uns und unserer Umwelt leben.

Die Anden und die Alpen fangen zwar beide mit „A“ an, dennoch sind die Gebirgsmassive tausende Kilometer voneinander entfernt. Wo gibt es Verbindungen zwischen unseren Kulturen? Ist Pachamama auch in der Allgäuer Bergwelt für uns da?

Die Pachamama ist ja unsere Mutter Erde, die immer und überall für uns da ist. Und natürlich sind die Alpen für die Alpenbewohner genauso wichtig wie die Anden für die Inka-Nachfahren. Für Menschen, die in und mit den Bergen leben, sind diese nicht nur Bezugs- oder Referenzpunkte, sondern auch Schutz und Kraftquelle. Wir schreiben ihnen besondere Fähigkeiten oder gar Charaktereigenschaften zu, außerdem gibt es viele Mythen und Legenden über sie. Ich glaube, unsere Aufmerksamkeit ist einfach nur durch die vielen Dinge, die die moderne Welt mit sich bringt, von der Natur abgelenkt worden. Die Inkas lehren uns, wie wir unser Leben leichter machen, wenn wir uns wieder mehr mit unserer Umwelt verbinden.

Unser Motto in diesem Jahr lautet „In Balance mit der Natur“. Welche Tipps für den Alltag hast du, damit wir der Natur wieder etwas näher kommen?

Für die Inka-Tradition fungiert die Natur als Vorbild und Erklärungsmodell; sie zeigt, wie man die kleineren und größeren Probleme des Alltags auf eine sehr einfache, aber wirksame Weise meistern, und wie dies nicht nur persönliches Wachstum des Einzelnen, sondern auch ein harmonisches Miteinander innerhalb der Gesellschaft erzeugen kann. Dazu gibt es eine Reihe von einfachen mentalen Übungen, mit denen wir uns mit der Natur verbinden können.

Wenn es jemandem beispielsweise gar nicht gut geht, kann er die leichte Energie von Vater Kosmos in Gedanken durch sich hindurchfließen lassen und alles abgeben, was ihn belastet: von negativen Gefühlen wie Wut, Angst oder Enttäuschung bis hin zu physischen Schmerzen. Und umgekehrt: Braucht man für eine anstehende Tätigkeit neue Kraft, verbindet man sich mit Mutter Erde, erhält von ihr leichte Energie und kann sich damit aufladen.

Hans-Martin Beck über die spirituelle Tradition der Inkas beim NaturkosmetikCamp 2016. Foto: Hans-Martin Beck

Hans-Martin Beck über die spirituelle Tradition der Inkas beim NaturkosmetikCamp 2016. Foto: Hans-Martin Beck

Auf deiner Website erzählst du vom Inka-Prinzip „Ayni“. Dabei geht es um das Teilen, damit jeder mit dem versorgt ist, was er braucht – auch mit Wissen und Weisheit (ebenfalls Grundprinzip beim NaturkosmetikCamp). Warum tun wir uns mit dem „Teilen“ oft so schwer?

Das scheint an einem Glaubenssatz zu liegen, der sich in unsere Welt eingeschlichen hat. Die Ökonomie bezeichnet es sogar als ein Grundproblem: die Aussage von der „Knappheit der Güter“. Wenn etwas knapp ist und nicht für alle ausreichend vorhanden ist, legen wir Vorräte an, horten und häufen an. Die Inkas haben ein anderes Weltbild. In ihrer Welt ist alles im Überfluss vorhanden und wir sind umgeben von Fülle. Mit dieser Einstellung fällt auch das Teilen leichter.

Aber ganz unabhängig davon, ist das Teilen von Wissen auch in unserer Welt sehr sinnvoll. Denn das Gute daran ist ja, dass beide Seiten davon profitieren, wenn sie sich austauschen. Jeder von uns kann immer noch etwas vom anderen lernen, weil jeder von uns andere Erfahrungen gemacht und unterschiedliche Fragestellungen beantwortet hat. Wenn wir uns also austauschen, dann wissen beide Seiten hinterher mehr als vorher. Das ist, was man heute gerne als Win-Win-Situation bezeichnet. Die Inkas wenden dieses Prinzip schon seit Jahrhunderten an.

Du planst, mit interessierten Teilnehmern im Anschluss an deinen Vortrag ein Despacho zu machen. Worauf dürfen sich die Teilnehmer freuen?

Ein Despacho ist eine Wunschzeremonie der Inkas. Man kann es sich vorstellen wie ein Mandala aus Blättern, Blüten, Samen und Süßigkeiten, das gleichermaßen für die weiblichen und männlichen Spirits erstellt wird. Mit einem Despacho geben wir ihnen etwas von Herzen und eröffnen damit die Möglichkeit, etwas Großes zurückzuerhalten. Wir können Despachos machen, um uns etwas zu wünschen oder auch, um Danke zu sagen. Die Teilnehmer sind herzlich eingeladen, mitzumachen und einen Wunsch hineinzugeben – um dann zu sehen, ob dieser in Erfüllung geht.

Eine Gruppe von Q’ero-Indianern während einer Despacho-Zeremonie. Foto: Hans-Martin Beck

Eine Gruppe von Q’ero-Indianern während einer Despacho-Zeremonie. Foto: Hans-Martin Beck

Du bist oft auf Reisen und hältst viele Seminare. Was war für dich die bisher eindrucksvollste Begegnung?

Natürlich sind Orte wie Machu Picchu oder das Festival von Qoyllurrit’i in den Hochanden unglaublich kraftvoll und schön. Am stärksten beeindruckt hat mich allerdings ein Erlebnis in Deutschland mit meinem Freund und Lehrer Don Francisco Apaza, einem Q’ero-Indianer und Nachfahren der Inkas. Dieser war nach Deutschland gekommen, um hier seine Heilkunst anzubieten. Im Unterschied zu den Jahren vorher waren allerdings bis zu seiner Ankunft nicht einmal die Hälfte aller Termine gebucht worden. Daher bat ich Don Francisco darum, ein Despacho für unsere gemeinsame Arbeit und für einen vollen Terminkalender zu machen. Und was soll ich sagen? Kaum hatten wir das kleine Mandala ins Feuer gegeben, meldeten sich die ersten Interessenten an und nach zwei Tagen waren alle Termine ausgebucht.

Ende Mai veranstaltest du den einwöchigen Inka Summit – als Treffen mit den Bergen. Wohin führt hier die Reise?

Jedes Jahr veranstalten die an der Inka-Tradition interessierten Menschen aus aller Welt eine kleine gemeinsame Reise, um sich mit der Energie von Kraftplätzen sowie historisch wichtigen Plätzen oder außergewöhnlichen Menschen zu verbinden. In diesem Jahr haben meine Frau und ich dieses Treffen organisiert. Die Teilnehmer dürfen sich auf kraftvolle Verbindungen mit den Alpen und ihren Bewohnern in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz freuen. Neben der Zugspitze, dem Großglockner und der Rigi werden wir uns auch mit Flüssen, Gletschern und Höhlen verbinden. Aber auch mit C.G. Jung, der ein Brückenbauer zwischen der Wissenschaft und der Spiritualität war, sowie mit Karl dem Großen, der danach strebte, Europa zu einen, und der der Sage nach im Untersberg ruht. Noch sind ein paar wenige Plätze frei.

Vielen Dank für das Interview, Hans-Martin Beck! Wir freuen uns auf weitere spannende Einblicke in die spirituelle Welt der Inkas im Rahmen der Keynote beim 3. NaturkosmetikCamp!