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Ein Verband, eine Mission: Der Schutz authentischer, natürlicher Inhaltsstoffe

Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet das Wort „Schutz“, jemanden oder etwas vor äußeren Einflüssen zu bewahren oder abzusichern. Doch wie lassen sich Inhaltsstoffe von Natur- und Biokosmetikprodukten schützen und warum ist dies überhaupt nötig? Welche Rolle spielt ein internationaler Verband wie NATRUE hierbei und was hat das alles mit den Herstellern und Verbrauchern von Natur- und Biokosmetikprodukten zu tun? In diesem Blog-Artikel versuchen wir Euch Antworten auf diese Fragen zu liefern und freuen uns auf Eure Anmerkungen.

NATRUE setzt sich als Verband für den Schutz natürlicher Inhaltsstoffe ein. Foto: stockpics / Fotolia

NATRUE setzt sich als Verband für den Schutz natürlicher Inhaltsstoffe ein. Foto: stockpics / Fotolia

Verordnung für Inhaltstoffe

Grundsätzlich gilt, dass alle kosmetischen Inhaltsstoffe und Endprodukte gesetzlich reguliert werden, das bedeutet konkret: sie müssen sicher, funktionsfähig und effektiv sein. Kosmetische Inhaltsstoffe und Endprodukte werden in der EU nach der EU-Kosmetik-Verordnung reglementiert. Dabei spielt Sicherheit eine entscheidende Rolle: Bevor ein Kosmetikprodukt auf dem Markt zugelassen wird, muss es von einem qualifizierten Sicherheitsgutachter geprüft werden. Für den Fall, dass ein kosmetischer Inhaltsstoff eines Produktes auf dem Markt im Hinblick auf seine Sicherheit Besorgnis erregt, informieren die zuständigen nationalen Behörden die EU-Kommission. Diese beauftragt den unabhängigen Wissenschaftlichen Ausschuss „Verbrauchersicherheit“ (SCCS) damit, das Risiko zu prüfen und ein Gutachten zu erstellen. Über öffentliche Konsultationen können Branchenvertreter diese Empfehlungen kommentieren und so einerseits den Verbraucherschutz verbessern, wie auch sicherstellen, dass die vorgeschlagenen Lösungen für die Industrie praktikabel und umsetzbar sind.

An diesem Punkt setzt die Arbeit von NATRUE ein: Gemäß seiner Mission nimmt der Verband kontinuierlich an der EU-Entscheidungsfindung teil, um gleiche Wettbewerbsbedingungen für die internationale Natur- und Biokosmetikbranche sicher zu stellen und gleichzeitig im Interesse der Verbraucher weltweit die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Inhaltsstoffe und Endprodukte von Natur- und Biokosmetik zu gewährleisten.

Die Rolle von NATRUE

2007, im Gründungsjahr von NATRUE, stellte der Bio- und Naturkosmetiksektor bereits keinen Nischenmarkt mehr da. NATRUE entstand aus der dringenden Notwendigkeit heraus, eine Non-Profit Organisation zu etablieren, die gleichermaßen im Namen der Verbraucher und der Hersteller des wachsenden Natur- und Biokosmetikmarktes spricht. Der Verband spielt seither eine entscheidende Rolle bei der Überwachung und Repräsentation der Natur- und Biokosmetikbranche und dient gleichzeitig als Sprachrohr des Sektors. Aus diesem Grund befindet sich der Sitz der Organisation auch in Brüssel und damit in unmittelbarer Nähe zur EU-Gesetzgebung.

Im Gegensatz zu künstlichen Inhaltsstoffen sind die Vielfalt und Verfügbarkeit authentischer und natürlicher Inhaltsstoffe für zertifizierte Natur- und Biokosmetikprodukte davon abhängig, was die Natur uns zur Verfügung stellt. Die strenge Definition von Natur- und Biokosmetik geht mit der Regulierung von Inhaltsstoffen einher und laut den Bestimmungen von NATRUE können natürliche Inhaltsstoffe weder künstlich hergestellt, noch durch petrochemische Alternativen ersetzt werden. Für die Hersteller zertifizierter, authentischer Natur- und Biokosmetik bedeutet dies, dass jegliche Reduzierung der zur Verfügung stehenden Anzahl kompatibler natürlicher Inhaltstoffe auch die Verringerung der Produktpalette für den Konsumenten resultieren kann. NATRUE ist es aus diesem Grund ein wichtiges Anliegen, sich kontinuierlich für den Schutz von natürlichen Inhaltsstoffen einzusetzen.

Falls Ihr Euch nun fragt, was all dies mit Eurer alltäglichen Erfahrung mit Naturkosmetik zu tun hat, denkt über folgendes nach: Was ist ein authentischer Duft für ein Natur- und Biokosmetikprodukt ohne, beispielsweise, ätherische Öle?

Zwei aktuelle Beispiele aus der Praxis

Ätherische Öle werden in der Natur- und Biokosmetik u. a. verwendet, um auf eine breite Palette von Duftstoffen zugreifen zu können, die für die Herstellung verschiedener Produkte erforderlich sind. Im Jahr 2011 veröffentlichte der SCCS einen Entwurf, der vorsah, die bestehende Allergiestoffliste auf Kosmetikverpackungen von 26 auf 82 Substanzen zu erhöhen (28 davon sind natürliche Extrakte oder ätherische Öle) und eine Begrenzung von 0,01% für zwölf „besorgniserregende Allergene“ bei kosmetischen Produkten einzuführen (8 davon sind natürliche Extrakte und ätherische Öle). Die NATRUE-Kriterien erlauben die Verwendung von natürlichen Düften nur bei der Herstellung von Parfümen. Deswegen behandelt der Entwurf des SCCS ein Thema von entscheidender Bedeutung für den Schutz von Inhaltstoffen – die wichtigsten Themen umfassen die Risikobewertung von allergenen Duftstoffen, die Notwendigkeit weiterer wissenschaftlicher Arbeit im Hinblick auf eine Definition von Konzentrationsgrenzen sowie die Frage, wie Verbraucher effizient durch Kennzeichnung auf dem Produkt über Allergene informiert werden können.

Die NATRUE-Kriterien erlauben die Verwendung von natürlichen Düften nur bei der Herstellung von Parfümen. Wäre der Entwurf, wie ursprünglich vom SCCS vorgeschlagen, umgesetzt worden, stünden bestimmte ätherische Öle nicht mehr für die Herstellung bestimmter Natur- und Biokosmetikprodukte zur Verfügung. Denn der Entwurf des SCCS behandelt Themen von entscheidender Bedeutung für den Schutz von Inhaltstoffen, wie die Risikobewertung von Allergenen Duftstoffen, die Notwendigkeit weiterer wissenschaftlicher Arbeit im Hinblick auf eine Definition von Konzentrationsgrenzen sowie die Frage, wie Verbraucher effizient durch Kennzeichnung auf dem Produkt über Allergene informiert werden können.

Wir bei NATRUE begrüßen die Bemühungen der EU-Kommission, einerseits den Verbraucherschutz zu verbessern, indem den Verbrauchern relevante Informationen über Duftstoffe in Kosmetika zur Verfügung gestellt werden und gleichzeitig nach Lösungen zu suchen, die angemessen und praktikabel für die Industrie sind. Deshalb setzte sich NATRUE zwischen 2011 und 2014 auf vielfältige Weise für das Thema ein: NATRUE nahm an einem gemeinsamen Konsortium der Industrie sowie einer vom SCCS organisierten öffentlichen Anhörung teil, gab offizielle Stellungnahmen in allen öffentlichen Konsultationen ab und legte der EU Kommission eine Beurteilung der wirtschaftlichen Folgen für die Natur- und Biokosmetikbranche für den Fall vor, dass der ursprüngliche Entwurf des SCCS zu einem Gesetzesentwurf werden würde. Im Oktober 2015 wurde ein zusammenfassender Bericht der zweiten Anhörung aus dem Jahre 2014 veröffentlicht, in der entschieden wurde, die regulative Nachuntersuchung auf 2016 zu verschieben.

Ein weiteres aktuelles Beispiel entstand als Reaktion auf die Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Verwendung von Erdnussöl und seinen Derivaten in Kosmetikprodukten: Es existierten keine Sicherheits-Grenzwerte für Erdnussallergiker, die in direkten Hautkontakt mit Erdnussöl kommen, weswegen der SCCS diesbezüglich einen Entwurf erarbeitete. In NATRUE-zertifizierten Produkten ist Erdnussöl als natürlicher, konformer Inhaltsstoff erlaubt und NATRUE reichte als Antwort auf die ursprüngliche Stellungnahme des SCCS einen Bericht ein, in dem der Verband eine Sicherheitsbewertung zur Verwendung von Erdnussölen in Kosmetika abgab, in welchem er unter anderem eine Höchstgrenze für den Gebrauch des Inhaltsstoffes vorschlug. Der SCCS reagierte auf den Bericht von NATRUE und weiteren Stimmen aus der Branche, indem er in seiner aktualisierten Stellungnahme eine Höchstgrenze von 0,5 ppm für die kosmetische Nutzung von Erdnussöl und seinen Derivaten festlegte – ein Wert, der mit dem von NATRUE (0,6 ppm) in Einklang steht.

Fazit

Kontinuierlich (neue) wichtige Themen rund um den Schutz von Inhaltsstoffen anzusprechen ist Teil der Mission von NATRUE und nicht zuletzt deshalb eines unserer zentralen Anliegen. Wir bei NATRUE und unsere Mitglieder engagieren uns dafür, Lösungen zu entwickeln, die den Verbrauchern bestmöglichen Schutz garantieren und die gleichzeitig die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger natürlicher Inhaltsstoffe sichern. In diesem Kontext wird NATRUE auch zukünftig an Entscheidungsprozessen teilnehmen und aktiv das Gespräch mit den Experten der EU-Institutionen sowie allen anderen relevanten Stakeholdern suchen. Der kontinuierlichen Einsatz von NATRUE für den Schutz von Inhaltsstoffen leistet so einen wichtigen Beitrag dazu, dass Hersteller weiterhin authentische Natur- und Biokosmetikprodukte von höchster Qualität herstellen können – und dies hat wiederum maßgeblichen Einfluss auf die Zufriedenheit der Verbraucher.