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Meereskosmetik: marine Wirkstoffe und ihr Einfluss auf die Gesundheit der Haut

„Alles Leben stammt aus dem Meer.“ Mit diesem Ausspruch hatte der griechische Arzt Hippocrates bereits vor mehr als 2000 Jahren Recht. Noch immer ist die Mineralstoffzusammensetzung im menschlichen Blutplasma nahezu identisch mit der des Meerwassers. Das Besondere an diesen Mineralien ist, dass sie im Meerwasser in einer Form vorliegen, die es ihnen erlaubt, durch die Oberhaut zu dringen und ihre lebenswichtigen Funktionen in den Zellen voll zu entfalten. Anwendungen mit Elementen des Meeres und das Meeresklima selbst besitzen daher eine besonders hohe Wirksamkeit. Die wichtigsten Rohstoffquellen für marine Wirkstoffe, die in Meereskosmetik Anwendung finden, stellen natürliches Meerwasser und Meeresalgen dar.

Meerwasser ist ein vielfältiger Rohstoff für die Herstellung von Naturkosmetik. Foto: Dudarev Mikhail/Fotolia

Meerwasser ist ein vielfältiger Rohstoff für die Herstellung von Naturkosmetik. Foto: Dudarev Mikhail/Fotolia

Wie wirkt natürliches Meerwasser?

Das Meerwasser enthält im Durchschnitt 3,5 % verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente. Den Hauptanteil bildet Chlorid gefolgt von Natrium, Magnesium, Kalium, Kalzium, Schwefel und Phosphor. Als wichtige Spurenelemente sind Jod, Kupfer, Selen, Zink, Fluor und Eisen zu nennen.

Kalium, Natrium und Chlorid regulieren den Wasserhaushalt der Zellen und verbessern die Funktion der Hautbarriere, d. h. die Meeresmineralien erhöhen nachhaltig den Feuchtigkeitsgehalt der Haut. Magnesium stärkt darüberhinaus den Zellstoffwechsel und fördert die Durchblutung. Die Haut erscheint praller und glatter. Die im Meerwasser enthaltenen Strontium- und Selensalze haben einen positiven lindernden Effekt bei entzündlichen Hauterkrankungen.

Meeresalgen und deren Einsatz in der Kosmetik

Von den mittlerweile über 35.000 bekannten Meeresalgenarten werden bisher ungefähr 50 von der Kosmetikindustrie verwendet. Dabei handelt es sich vorwiegend um Braun- und Rotalgen. Makroalgen haben eine wichtige Funktion für die Meeresumwelt, da sie einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Meeresbewohner darstellen. Diese Unterwasserwälder bilden außerdem vergleichbar viel Sauerstoff wie die tropischen Regenwälder, nehmen überschüssige Nährstoffe auf und verbessern somit die Wasserqualität. Gerade als Wirkstoff in der Kosmetik ist es daher wichtig, Algen aus nachhaltiger Wildsammlung oder aus Algenfarmen zu verwenden, um die natürlichen Bestände zu schonen. Dies hat nachweisbar positive Auswirkungen auf die Umwelt. Kultivierte Algen zeichnen sich darüberhinaus durch strikte Qualitätskontrolle und Sauberkeit aus.

Meeresalgen sind ein weiterer Wirkstofflieferant für die Kosmetikindustrie. Foto: oceanBASIS GmbH

Meeresalgen sind ein weiterer Wirkstofflieferant für die Kosmetikindustrie. Foto: oceanBASIS GmbH

Die wichtigsten Algeninhaltsstoffe und ihre Wirkung:

Meeresalgen besitzen eine sehr hohe Wirkstoffdichte, da sie die Nährstoffe aus dem sie umgebenden Wasser per Osmose aufnehmen. Weit über 80 verschiedene Substanzen sind in Algen nachweisbar. Sie beinhalten die im Meerwasser enthaltenen Mineralien und Spurenelemente in höherer Konzentration, wobei besonders Braunalgen reich an Jod sind. Meeresalgen besitzen außerdem einen an Stressfaktoren angepassten Stoffwechsel und bilden daher eine Vielzahl von Schutzstoffen:

  • Meeresmineralien (Kalium, Calzium, Magnesium, Natrium, Chlorid u.a.) und Spurenelemente (Kupfer, Selen, Chrom, Zink, Eisen, Jodid, Strontium u.a.) wirken stoffwechselanregend, durchblutungsfördernd und halten den natürlichen Feuchtigkeitsfaktor (NMF) der Haut aufrecht. Durch den angeregten Stoffwechsel und die verbesserte Sauerstoffaufnahme können die Entgiftungsfunktionen der Haut gefördert und Schlacken besser abtransportiert werden.
  • Vitamine (z. B. A, B-Gruppe, C, Folsäure) und antioxidative Polyphenole schützen die Haut vor negativen Umwelteinflüssen und freien Radikalen, stärken ihre Widerstandskraft und beugen so der vorzeitigen Hautalterung vor.
  • Annähernd 20 Aminosäuren (Eiweißbausteine, z. B. Histidin, Isoleucin, Lysin, Methionin, Tryptophan, Glutaminsäure) liefern Bausteine für den Stoffwechsel, verhindern die Austrocknung der Haut, wirken rückfettend und stärken das Stützgewebe der Epidermis.
  • Spezielle Algenzucker (z. B. Alginat, Fucoidan, Laminaran) fungieren als Wirkstoffträger und wirken besonders feuchtigkeitsspendend, regenerierend und straffend auf die Haut.
  • Extrem wirksame Feuchtigkeitsbinder, die die Austrocknung der Algen bei Ebbe verhindern, sorgen in der Kosmetik dafür, dass die Haut Feuchtigkeit länger speichern kann.

Die verschiedenen Stoffgruppen wirken synergistisch und geben der Haut dadurch besonders effektiv Feuchtigkeit, liefern den Zellen Energie und aktivieren damit Zellstoffwechsel und Zellerneuerung. In den Algen zeigt sich eines der wichtigen Grundprinzipien der Natur: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!

Meeresalgen bei der Verarbeitung im Labor. Foto: oceanBASIS GmbH

Meeresalgen bei der Verarbeitung im Labor. Foto: oceanBASIS GmbH

Was macht Meereswirkstoffe so gesund?

Thalassotherapien mit Meereswirkstoffen bieten seit Jahrhunderten Linderung und Heilung bei verschiedenen Hautkrankheiten. Forschungsergebnisse bestätigen, dass Meeresmineralien, insbesondere Magnesium, Strontium und Selen, Entzündungen entgegen wirken. Meerwasser enthält darüber hinaus sehr seltene Spurenelemente wie Gold, Platin, Beryllium, Rubidium und Vanadium. Diese werden vom Körper zwar nicht in nennenswerten Mengen benötigt, aber wenn sie fehlen, können Mangelerscheinungen auftreten.

Die natürliche Hautbarriere wird durch Natrium, Kalium und Chlorid verbessert, Selen erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen oxidativen Stress und Strontium lindert den Juckreiz bei Hautkrankheiten. Nordseewasser verbessert den Hautzustand bei Psoriasis, während Ostseewasser bei neurodermitischen Störungen lindernd wirkt.

Wirksamkeit:

Die Meereswirkstoffe – insbesondere Alge und Meerwasser – besitzen in ihrer natürlichen Komposition der Elemente, die der Zusammensetzung der Zellflüssigkeit entspricht, eine besonders hohe Wirksamkeit, da sie in die lebende Hautschicht (Stratum basale) penetrieren können und ihre lebenswichtigen Funktionen in den Zellen voll entfalten.

Meereskosmetik hebt sich innerhalb der Naturkosmetik hervor, da die Inhaltstoffe durch den evolutionären Vorsprung der Meerespflanzen komplexer an Stressfaktoren angepasst sind als die der Landpflanzen. Die positiven Effekte sind bei der Anwendung sofort spür- und sichtbar.