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Vom Feld auf unsere Haut – die Natürlichkeit pflanzlicher Öle

Öle sind in aller Munde und auf aller Haut. Ob als Körperöl, Haaröl oder Gesichtsserum – das pure Öl wird auch in der Kosmetik prominent! Aus der Küche sind kaltgepresste Öle sowieso kaum wegzudenken. In eine gute Salatsauce gehört Olivenöl, Tofu wird vom Gourmet in Kokosöl angebraten. Und diese beiden Öle sind erst der Anfang: Es gibt eine Vielzahl von Nüssen, Saaten und Früchten, aus denen wir wunderbare Öle herstellen können.

Jedes Öl hat seinen eigenen Weg, eine spezielle Geschichte und einen Wunderkorb an Inhaltsstoffen. Natürlich kann man über die Vielfalt der Öle so viel schreiben und deshalb gibt es zu diesem Thema auch sehr viel Literatur, insbesondere über Öle in der Naturkosmetik. Am Beispiel eines meiner Lieblingsöle bringe ich euch heute den Weg vom Feld bis auf die Haut näher.

Die Mandel: Bevor der Weg beginnt

Das Mandelöl ist ein Klassiker in der Naturkosmetikindustrie. Mit seinen reizlindernden, pflegenden und schützenden Eigenschaften trägt es dazu bei, dass sich unsere Haut weich und geschmeidig anfühlt. Deshalb wird es als Kosmetik verarbeitet, kann aber auch pur, z. B. nach der Dusche, angewendet werden.

Die Mandel ist eine Steinfrucht und wächst an Bäumen. Der größte Teil der weltweit vorhandenen Menge wächst im Sonnenstaat Kalifornien. Bei uns, in Europa, werden Mandeln vor allem in den Mittelmeerländern wie Spanien und Italien kultiviert.

Das Jahr der Mandel beginnt zwischen Januar und Mitte März mit der farbenprächtigen Blüte. Bei lauen Temperaturen sind Felder und Täler bedeckt mit abertausenden von rosafarbenen und weißen Blüten. Einen Besuch an der spanischen Küste kann ich zu dieser Zeit allen Naturfreunden wärmstens empfehlen.

Ernte und schonende Produktion

Anfang Juni beginnen die Mandeln langsam zu reifen. Bis in den September hinein werden sie durch Schütteln von den Bäumen geholt. Neben den Mandeln fallen auch Zweige und alte Blätter ab. Diese werden noch vor dem Knacken der Nüsse entfernt.

Jetzt heißt es: knacken! Der uns bekannte Mandelkern wird durch sogenannte Walzenpressen von der harten Schale getrennt und separiert. Die braune Haut, die jetzt noch an der Mandel klebt, bleibt je nach Bedarf entweder erhalten oder wird mit Wasserdampf entfernt. Bei der Ölpressung entscheidet der Hersteller, evtl. gemeinsam mit seinem Kunden, ob er braune oder blanchierte Mandeln verwendet. Das Öl aus blanchierten Mandeln ist erfahrungsgemäß etwas milder.

Der ganze Prozess dauert einige Zeit und wird mit äußerster Sorgfalt betrieben. Vor der Ölpressung wird die Rohware aufwändig untersucht, denn nur aus dem richtigen Rohstoff kann ein hochwertiges Öl gewonnen werden. Schon die kleinsten Qualitätsschwankungen können negative Folgen für das Endprodukt Öl haben.

Nun werden die Mandeln in der Ölmühle weiter verarbeitet. Es gibt eine Vielzahl von Ölpressen. Je nach Rohware wird auf einer anderen Mühle gepresst. Für besonders fette Produkte, wie die Mandel mit einem Ölgehalt von über 50 Prozent, werden traditionell Schneckenpressen verwendet. Neben der richtigen Presse muss ein guter Ölmüller die Erfahrung für die Einstellungen an der Maschine haben. Öl pressen ist eine Wissenschaft für sich. Vor allem für immer gleichbleibende, qualitativ hochwertige und milde Bio-Ware ist die schonende mechanische Kaltpressung das A und O.

Bei der Herstellung müssen immer wieder auftretende Schwierigkeiten gelöst werden. Schwankende Ölgehalte, keine Homogenität durch zu hohe Schalenanteile oder Fremdkörper könne beispielsweise die Mühle verstopfen.

Dieser aufwendige und bewusste Prozess unterscheidet sich deutlich von dem der konventionellen Ölherstellung. Hier wird das Öl mit Hilfe eines Lösungsmittels (Hexan, Trichlorethylen oder Benzin) aus der Mandel gelöst. Nach der Gewinnung des konventionellen Öls wird das Lösungsmittel so gut wie möglich wieder entfernt.

Nach der Pressung des wertvollen Bio-Öls wird das entstandene Rohöl gefiltert. Durch die Feinfilterung entsteht ein klares Öl ohne jegliche Schwebstoffe. Dieses Öl geht nun als kaltgepresstes Bio-Öl direkt an den Kunden oder Hersteller von hochwertiger Naturkosmetik.

Weitere Produktionsschritte: Praktisch für die Industrie

Manche Kosmetikprodukte stellen weitere Anforderungen an das Öl. Deshalb ist nach der Kaltpressung noch eine Raffination des Öles möglich. Die Öle können durch Entschleimen, Neutralisation, Bleichen und Dämpfung vollkommen farb-, geruchs- und geschmackslos gemacht werden.

Bei konventionellen Ölen werden dabei wieder chemische Stoffe verwendet und alles wird etwas „heißer“ produziert. Das Ergebnis ist ein geschmackloses Öl, das aus jeglicher Rohware entstanden sein könnte. Im Endprodukt mag das zwar in mancher Hinsicht (insbesondere ökonomisch) von Vorteil sein, allerdings entsteht durch die vielen Aufbereitungsschritte und unkontrollierten chemischen Reaktionen eine völlig andere Ölqualität.

Auch im Bio-Bereich können Öle raffiniert werden, hier sind die zu verwendenden Stoffe jedoch stark reglementiert, die Prozesse vorgeschrieben und in der EG-Bio-Verordnung festgesetzt.

Vom Feld auf unsere Haut – für mich steht außer Frage, was unserer Haut gut tut: Pflanzliche Öle – Basis der Naturkosmetik.