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SOS bei sensibler und allergiegefährdeter Haut

Gut aussehen, schön sein – wer möchte das nicht? Schon vor Jahrtausenden betonten Frauen mit Kohlestiften ihre Augen, badeten in Milch und Honig oder färbten ihr Haar mit Henna. An unserem Wunsch nach Attraktivität hat sich nichts verändert – Kosmetika sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken; sie sollen pflegen und unsere natürliche Schönheit unterstreichen. Das Angebot an reinigenden, pflegenden und dekorativen Produkten ist überaus reichlich.

Die Pflege sensibler Haut - ein komplexes Thema. Foto: triocean/iStock; mysalifree

Die Pflege sensibler Haut – ein komplexes Thema. Foto: triocean/iStock; mysalifree

Vielleicht zu reichlich?

Beinahe jeder Dritte in unseren Breiten leidet heute an einer Allergie, Auslöser sind immer häufiger Kosmetik-Produkte. Der Deutsche Asthma- und Allergikerbund spricht alleine von 15-20% Duftstoffallergikern und rund 25% Kontaktallergikern. Prof. Michael P. Schön, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologe an der Universität Göttingen, meint auf die Frage, warum Unverträglichkeiten heute immer häufiger auftreten:

Es könnte einerseits daran liegen, dass ständig neue Substanzen verwendet werden. Andererseits kann auch unser Verhalten eine Rolle spielen, etwa, indem wir durch zu viel Pflege die Hautbarriere schädigen.

Organisch-biologische Ernährung wird uns immer wichtiger: wir sind vorsichtig, was Chemikalien und Pestizidrückstände in Gemüse und Obst betrifft, weil uns bewusst ist, dass wir diese Gifte aufnehmen. Bei Kosmetika ist dieses Bewusstsein bei den meisten Menschen noch zu wenig ausgeprägt, obwohl Inhaltsstoffe aus Kosmetika über die Haut unmittelbar ins Blut gelangen können.

Die Funktion der Haut als unser größtes Organ und Schutz des Körpers nach außen wird vielfach unterschätzt. Ist der natürliche Säureschutzmantel der Haut geschädigt, können Bakterien et al. leichter eindringen.

Vielfältige Ursachen für Unverträglichkeiten und Allergien

Wenn Kosmetika Unverträglichkeiten und Allergien auslösen, beginnt die Suche nach den Ursachen und nach verträglichen Produkten. Grundsätzlich kann jeder (synthetische und natürliche) Inhaltsstoff eine Reaktion auslösen. Zu den häufigsten Allergenen in Kosmetik zählen Duftstoffe, Perubalsam, Lanolin oder Wollwachs, Vaseline, Propolis, UV-Filter, Emulgatoren und Konservierungsstoffe. Verschiedene Faktoren – z. B. die allergene Potenz eines Stoffes, die Allergie-Sensitivität oder der Hautzustand des Anwenders  –  beeinflussen, ob ein Stoff Allergien auslöst.

Eine Kontakt-Allergie ist nicht angeboren, sie wird im Laufe des Lebens erworben und kann sich schleichend entwickeln. Verwendet man ein unverträgliches Produkt weiter, kann sich der Hautausschlag verschlimmern und chronisch werden.

Allergische Symptome können sein: Rötungen, Schwellungen, Bläschenbildung und/oder Juckreiz und auch Entzündungen. Die Reaktion erfolgt meist an der Stelle – allerdings oft mit einer Verspätung von bis zu 2 Tagen – wo das Allergen aufgetragen wurde. Es können aber z. B. bei einer Reaktion auf ein Shampoo auch Hals, Nacken oder Stirn betroffen sein.

Duftstoffe sind die häufigsten Allergieauslöser

Wer liebt nicht das beruhigende Aroma von Lavendel, den frischen Duft von Zitrus oder weihnachtliche Vanille- und Zimt-Wohlgerüche. Vielleicht wird und wurde in den letzten Jahren aber manches übertrieben. Duftstoffe sind mit Nickel die häufigsten Allergieauslöser auf der Haut. Generell kann man ihnen kaum aus dem Weg gehen: In Einkaufszentren sollen sie zu mehr Konsum verleiten, Textilien sind ebenso beduftet wie Waschmittel, Toilettenpapier, Taschentücher, Kosmetik. Permanent Düften ausgesetzt zu sein, kann allerdings ähnlich wie Lärm Stressreaktionen mit körperlichen Folgen verursachen. Auch hier gilt: die Dosis macht das Gift.

Von den 3500 in der Industrie eingesetzten Aromastoffen sind nur 26 deklarationspflichtig, wenn sie in einer bestimmten Konzentration im Produkt enthalten sind. Allerdings kann eine Duftkomposition aus mehreren hundert Einzelkomponenten bestehen und wird als „Duftstoff“, „Parfum“ oder „Fragrance“ deklariert.

Zu den Hauptallergenen, die bei Allergikern häufig zu Beschwerden führen, zählen Vanille, Zimt, Zedernholzöl, Nelken und Geranien, die vor allem in natürlichen Düften enthalten sind. Eine Liste der 26 allergenen Duftstoffe mit Deklarierungspflicht kann man hier nachlesen.

Mit Naturkosmetik ist man mit zu Allergien neigender Haut also auch nicht sicher. Natürliche Inhaltsstoffe (Duftstoffe, ätherische Öle) können genauso Allergien auslösen. Schlagwörter wie „Verträglichkeit-getestet“ oder „duftneutral“ sollte man ebenfalls kritisch hinterfragen: „getestet“ allein sagt nichts aus über das Resultat, „duftneutral“ heißt nur, dass das Produkt keinen starken Eigengeruch hat – es können dennoch Duftstoffe beinhaltet sein.

Die eigene Kosmetik-Herstellung ist bei allergischer Haut ebenfalls mit Vorsicht zu genießen – die Konzentrationen und Reinheitsgrade der Zutaten sind letztlich unkontrolliert .

Was tun als Betroffener?

Am besten mittels Allergietest herauszufinden, worauf man reagiert. Sobald man das weiß, hilft nur eins: die betreffende(n) Substanz(en) meiden. Ganz einfach, oder?

Mitnichten: ich z. B. muss u. a. Salicylate meiden. Sie haben allergenes Potential, sind in sehr vielen Kosmetika sowohl in synthetischer als auch natürlicher Form (hauptsächlich als Konservierungsmittel) enthalten. Ohne Übertreibung stand ich stundenlang in Geschäften und versuchte herauszufinden, hinter welchen INCI Salicylate verborgen sind.

Salicylate verstecken sich in praktisch allen ätherischen und vielen fetten Ölen – ich las von „Prunus Armeniaca Kernel Oil“, „Prunus Amygdalus Dulcis Oil“ – und hinter zahllosen Synonymen wie „2-Hydroxybenzoic acid“. Für mich damals Fachchinesisch und zudem meistens so klein aufgedruckt, dass es selbst mit Lupe kaum zu entziffern war.

Dass ich keine Bio-Kosmetik fand, die ich vertrug, war der Grund, eine eigene Pflegelinie zu entwickeln: mysalifree vermeidet konsequent allergene und in Diskussion stehende Inhaltsstoffe und ist biozertifiziert nach bestem Standard.

mysalifree bietet Produkte für besonders sensible und allergiegefährdete Haut. Foto: mysalifree

mysalifree bietet Produkte für besonders sensible und allergiegefährdete Haut. Foto: mysalifree

Unterstützung Betroffener durch Händler und Hersteller

Das können Händler und Hersteller tun, um Kunden mit sensibler oder allergiegefährdeter Haut zu unterstützen:

  • Aufklären: kein leichtes Thema – man muss sich selbst schlau machen zu allergenen Inhaltsstoffen und darunter fallen auch viele natürliche INCI; zudem werden von sensiblen Personen Inhaltsstoffe wie Alkohol oder aggressive Tenside und Konservierungsmitteln schlecht vertragen.
  • Produkten vertrauen, deren Verträglichkeit bestätigt ist bzw. Produkte auf Verträglichkeit durch ein unabhängiges Labor bestätigen lassen
  • Alle Inhaltsstoffe gut leserlich und auch in deutsch am Produkt anführen
  • Reizarme Produkte im Online-Shop in einer eigenen Kategorie anbieten
  • Informationen und Transparenz bieten: zu den einzelnen Inhaltsstoffen und deren Wirkung