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Die Produktionskette im Einklang mit Mensch und Natur. Ein Interview mit Ute Leube von PRIMAVERA

„PRIMAVERA ist eine sogenannte Love Brand geworden, deren Image wir sorgsam pflegen müssen“, so Ute Leube, Gründerin von PRIMAVERA. Im Interview spricht sie über die Wirkkraft ätherischer Öle und hochwertiger Pflanzenprodukte, Maßnahmen bei einer fairen Zusammenarbeit mit Bio-Anbaupartnern sowie Transparenz bei der Herstellung und der Einhaltung ethischer Standards.

Ute Leube in der Produktion von Primavera. Foto: Primavera Life GmbH

Ute Leube in der Produktion von Primavera. Foto: Primavera Life GmbH

Die Begeisterung für die Wirkkraft ätherischer Öle und hochwertiger Pflanzenprodukte kennzeichnet die Tatkraft der Pioniere. Wenn du die Vergangenheit Revue passieren lässt und mit den Gegebenheiten von heute vergleichst – wie haben sich die Rahmenbedingungen verändert?

Wir freuen uns sehr, dass die Aromatherapie ihren Platz im Gesundheits- und Wellnessbereich gefunden hat. Vor 30 Jahren war das noch nicht abzusehen. Wir waren Überzeugungstäter und unserer Zeit voraus – oftmals wurden wir in die Schublade von „alternativen Spinnern“ gesteckt. Vor 30 Jahren gab es aber auch kaum Regularien – wir konnten Rezepturen entwickeln, die unserem Verständnis von Wirksamkeit und Sicherheit entsprachen. Heute ist der Einsatz von Wirkstoffen stark reglementiert und die administrative Arbeit hat enorm zugenommen. Das ist einerseits im Sinne des Verbraucherschutzes und andererseits das Ergebnis von kaum nachvollziehbaren politischen Entscheidungen am grünen Tisch.

Die allgemeine Verknappung der Rohstoffe hat mit der steigenden Nachfrage, aber auch mit klimatischen und politischen Bedingungen zu tun. Wir haben mit unseren Anbaupartnern in den letzten 3 Jahrzehnten ein stabiles Versorgungsnetz aufgebaut, das sich z.B. auch mit der Klimaveränderung auseinandersetzen muss.

Als Hersteller hochwertiger Aromatherapie-Produkte beruft sich PRIMAVERA auf die vertrauensvolle, faire Zusammenarbeit mit Bio-Anbaupartnern und rückt das achtsame, gemeinsame Wirtschaften in den Mittelpunkt. Funktioniert nachhaltiges Wirtschaften in einer Welt, in der Preisdruck und Effizienz regieren und gleichzeitig der Bedarf nach qualitativ hochwertigen Naturprodukten stetig steigt?

Das funktioniert nur, solange unsere Kunden bereit sind, Produkte zu kaufen, die ihren Preis wert sind.

Billig und hochwertig passt nicht zusammen.

Faire Preise sind selbstverständlich und Effizienz ist wichtig, aber nicht auf Kosten von Qualität am Arbeitsplatz, das heißt vor Ort im jeweiligen Land, aus dem wir unsere Rohstoffe beziehen. Für uns bedeutet nachhaltiges Handeln viel mehr als Bioanbau, nämlich die ganzheitliche Betrachtung der gesamten Produktionskette im Einklang mit Mensch und Natur. Die Menschen vor Ort sollen mit unseren Aktivitäten unterstützt werden, ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen zu können, indem sie fair bezahlt und bei der Umstellung auf Bio-Anbau konstruktiv begleitet werden. Es ist ein gegenseitiges Lernen auf Augenhöhe.

Die Menschen vor Ort sollen mit unseren Aktivitäten unterstützt werden, indem sie fair bezahlt und bei der Umstellung auf Bio-Anbau begleitet werden. Foto: Primavera Life GmbH

Die Menschen vor Ort sollen mit unseren Aktivitäten unterstützt werden, indem sie fair bezahlt und bei der Umstellung auf Bio-Anbau begleitet werden. Foto: PRIMAVERA LIFE GMBH

Rohstoffe sind bekanntlich nicht unendlich. Der Run auf die wertvollen Schätze der Natur ist größer als je zuvor. Können hier Ethik-Standards vor Raubbau an der Natur und Ausbeutung der Menschen nachhaltig schützen?

Ja, unbedingt! Das ist auch der Anspruch von zertifizierbaren Standards. Aus unserer Sicht reicht das aber nicht, weil ein allgemeiner Standard immer nur einen Mindestanspruch bedienen kann. Für uns ist unsere PRIMAVERA-Firmenphilosophie wichtiger, weil sie unser Handeln auf hohem Niveau hält. Wir lassen uns hier nicht verwässern und muten unseren Kunden auch mal eine Lieferlücke zu, wenn die Rahmenbedingungen zur Rohstoffbeschaffung nicht mehr unseren Idealen entsprechen. Auch bei uns ist ein gesundes kaufmännisches Ergebnis wichtig, aber es geht um mehr als die Marge, nämlich um die proaktive Umsetzung unserer Philosophie.

Um die bestmögliche Qualität dauerhaft bieten zu können, sind sowohl die Lieferkette als auch die einzelnen Schritte der Produktentwicklung und Herstellung transparent – birgt dies nicht Gefahren, „Greenwashing“-Unternehmen in die Hand zu spielen, indem diese hart erarbeitetes Know-how medienwirksam kopieren und für sich selbst nutzen?

Das macht uns keine Angst. Unser Aufwand ist so komplex, dass es für Kopierer unter rein wirtschaftlichen Aspekten nicht interessant wäre. Und wenn – es gibt genug Beispiele, die nicht oder nur im Massenmarkt funktioniert haben. Unsere Kunden sind zunehmend kritisch und sehr gut informiert. Authentizität ist ein Schlüsselwort und grüne Mäntelchen haben zumindest langfristig keine Chance.

Es ärgert uns manchmal schon, wenn andere aus kleinen Dingen, die für uns selbstverständlich sind, große Marketingaktionen machen. Hier gilt es, selbstbewusster aufzutreten und unser tägliches Tun in den passenden Kommunikationskanälen zu vermitteln. Trittbrettfahrer orientieren sich meist an den Besten in der Branche. Insofern kann man Greenwashing auch als Ansporn verstehen, noch besser zu werden, Kante zu zeigen und die eigenen Standards nicht aufzuweichen.

Eine Bäurin bei der Lavendel-Ernte. Foto: Primavera Life GmbH

Eine Bäuerin bei der Lavendel-Ernte. Foto: PRIMAVERA LIFE GMBH

Ist der kritische Verbraucher eher Gegner oder guter Partner, wenn es um die Einhaltung ethischer Standards geht?

Wir sind dankbar für jeden kritischen Verbraucher, der sich umfassend für die Herkunft unser Rohstoffe, unsere Produktentwicklung, Produktion, Verpackung und Logistik interessiert und unser Handeln hinterfragt. An diesem Feedback können wir wachsen und uns weiterentwickeln. Die Kunden danken uns dieses Engagement mit ihrem Vertrauen. Es sind hier langjährige Beziehungen entstanden. PRIMAVERA ist eine sogenannte Love Brand geworden, deren Image wir sorgsam pflegen müssen, und zwar nicht mit Lippenbekenntnissen, sondern mit einer konkreten Handlungsprämisse. Dies gilt umso gewissenhafter, je mehr Mitbewerber sich im Bio-Markt tummeln.

Unsere Rohstoffe kommen von verlässlichen Partnern, unsere Aromatherapie- und Bio-Naturkosmetik-Produkte werden von hochqualifizierten Experten mit modernstem Hightech-Equipment direkt am Firmensitz in Oy-Mittelberg entwickelt und produziert. So entstehen Premiumprodukte bester Qualität, die natürlich ihren Preis haben. Der kritische Verbraucher setzt im Umkehrschluss genau auf diese Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit – und handelt nicht allein preisorientiert.

Wie groß ist die Gefahr von staatlicher Reglementierung, wenn das bis jetzt einigermaßen stabile Gleichgewicht von Wissenschaft und ganzheitlicher Erfahrungsheilkunde zugunsten der Wissenschaft kippen sollte?

Das ist längst passiert. Wir haben enorm viele Regularien zu beachten und Dokumentationen zu erstellen. Ein Ende ist nicht abzusehen. Der Verbraucher wird von staatlicher Seite als immer unmündiger betrachtet und muss anscheinend rundum geschützt werden. Produktsicherheit ist für uns selbstverständlich, aber wir können uns nicht vor allen Eventualitäten schützen. Aus verschiedenen Gründen sind schon eine Reihe von natürlichen Rohstoffen aus dem Verkehr gezogen worden, z.B. aus Gesundheitsgründen für verschwindend kleine Randgruppen wie bestimmte Allergiker. Diese Menschen wissen genau, was sie vermeiden müssen, und können sich bei den Herstellern informieren.

Aber die Wissenschaft tut auch eine ganze Menge für uns. Es sind inzwischen viele Wirkungsweisen unserer Öle in Studien bestätigt worden, die in der Erfahrungsheilkunde längst bekannt waren. Das macht den Einsatz in Kranken- und Pflegeeinrichtungen möglich, wo die Aromatherapie nicht mehr wegzudenken ist. Genauso profitiert die Naturkosmetik, die bestimmte Wirkungen dieser hochwertigen Naturstoffe auf Basis von wissenschaftlichen Studien ausloben darf.

Vielen Dank für das umfassende Interview, liebe Ute Leube!